Mehr als die Hälfte der weltweit in Armut lebenden Menschen leben in einem der G20-Staaten, den wichtigsten Industrie- und Schwellenländern. Das teils beachtliche Wirtschaftswachstum der vergangenen zwanzig Jahre in vielen Ländern hat nicht unbedingt zur Armutsreduzierung geführt, so die Daten in Oxfams aktueller Studie „Left behind by the G20?“.

Stattdessen wachse die soziale Ungleichheit in den meisten Staaten, mögliche Erträge des Wachstums erreichen die in Armut lebenden Menschen zu wenig. „Wenn die G-20 die Armut bekämpfen wollen, müssen sie mehr tun, als das Wirtschaftswachstum voranzutreiben“, erläutert Caroline Pearce, eine der Autorinnen der Studie.  „Es ist notwendig, das Einkommen der Armen zu steigern und sie vor den Auswirkungen der Umweltkrisen zu schützen.“ Die Einkommensschere wachse in fast allen G-20-Staaten, auch in Deutschland. Dramatische Auswirkungen habe dies vor allem in ärmeren Ländern.

Wirtschaftswachstum führt nicht automatisch zur Armutsreduzierung

Südafrika wies in den vergangenen Jahren konstante Wachstumsraten auf, gleichzeitig hat sich die Kluft zwischen Arm und Reich jedoch vergrößert. Selbst bei einem gesteigerten Wirtschaftswachstum drohen bis zum Jahre 2020 mehr als eine Million Menschen unter die Armutsgrenze zu fallen. In Indien ist die Zahl der Menschen, die mit weniger als 1,25 Dollar am Tag leben müssen, trotz des Wirtschaftsbooms gestiegen. Demgegenüber zeigt Brasilien eine positive Entwicklung: Zwischen 1999 und 2009 hat sich die Anzahl der in absoluter Armut lebenden Menschen um fast zwölf Millionen verringert.

„Der Unterschied liegt in erster Linie in einer gezielten öffentlichen Sozialpolitik, die die Rechte und Interessen der in Armut lebenden Menschen berücksichtigt“, resümiert Jörn Kalinski, Leiter des Kampagnen-Bereichs bei Oxfam Deutschland. „Dies sollte eine wichtige Orientierung für die nationalen und internationalen Politiken der G-20-Staaten sein.“

Der Oxfam-Bericht listet fünf wichtige Maßnahmen auf, um soziale Ungleichheit und Armut zu reduzieren: gezielte soziale Transfers an in Armut lebende Personen, wie zum Beispiel das „Null Hunger“-Programm in Brasilien. Dazu kommen Förderung von Gesundheits- und Bildungsprogrammen, eine progressive Besteuerung, die Überwindung der Diskriminierung von Frauen und Mädchen in allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen sowie eine Sicherung und Verbesserung des Zugangs zu Land für die in Armut lebende ländliche Bevölkerung, die bis heute den Großteil der chronisch Unterernährten auf der Welt ausmacht.

Oxfam International wird die Studie „Left behind by the G-20“ dem mexikanischen Präsidenten als neuem Vorsitzenden der G-20-Gruppe und dem Weltwirtschaftsforum in Davos präsentieren.