„In Libyen wurden wir entführt und zwei Monate festgehalten. Hunderte waren dort, alle aus Ländern südlich der Sahara. Wir konnten fliehen und ein Schmuggler half uns, einen Platz auf einem Boot zu finden.“ Ebenso wie Galo, 16, aus Gambia kommen viele Minderjährige ohne den Schutz ihrer Eltern in Europa an – in der Hoffnung auf ein Leben in Sicherheit und Würde. Doch Europa versagt dabei, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und Migranten angemessen zu versorgen und ihre Rechte zu schützen.

Seit Schließung der Balkanroute und des Flüchtlingsabkommens zwischen EU und Türkei ist Italien erneut Hauptankunftsland für Flüchtlinge und Migranten. Das Erstaufnahmesystem ist aber längst nicht für die Anzahl der ankommenden Schutzsuchenden ausgerichtet.

Notdürftige Schlafplätze umringt von Müll auf einer verwahrlosten Brache
Auf einer verlassenen Baustelle im Zentrum von Catania übernachten viele Kinder und Jugendliche aus Eritrea.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres fielen insgesamt 5.222 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und Migranten durch das Aufnahmeraster. Sie leben, für die Behörden unsichtbar, oft auf der Straße, wo sie ständig in Gefahr sind, Opfer von Gewalt und Ausbeutung zu werden. Ein Grund hierfür sind die katastrophalen Zustände in den Aufnahmeeinrichtungen, denen die Minderjährigen zu entkommen versuchen.

Länger als fünf Wochen in haftähnlichen Anstalten

So sind die sogenannten Hotspot-Zentren, die die EU und italienische Behörden zur Bewältigung der vielen Neuankömmlinge eingerichtet haben, chronisch überbelegt und verfügen nicht einmal über die erforderlichen sanitären Anlagen. Während die maximal zulässige Aufenthaltsdauer in diesen haftanstaltähnlichen Zentren 48 bis 72 Stunden beträgt, müssen viele unbegleitete Kinder und Jugendliche dort länger als fünf Wochen ausharren. Sie können in dieser Zeit weder ihre Kleidung wechseln, nicht einmal ihre Unterwäsche, und haben keine Gelegenheit, ihre Familien in der Heimat oder Verwandte in anderen europäischen Ländern anzurufen. Zudem werden sie nicht ausreichend über ihre Rechte informiert.

Ein Mädchen wäscht ihre Füße in einem Brunnen
Dieses Mädchen aus Eritrea wäscht sich am Springbrunnen vor dem Bahnhof in Catania.

Oxfam fordert, dass die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten Italien mit sofortigen Maßnahmen unterstützen, um sein Erstaufnahmesystem deutlich zu verbessern. Auch müssen alle Mitgliedsstaaten die Inhaftierung minderjähriger Flüchtlinge und Migranten beenden. Denn dies verletzt die fundamentalen Rechte von Kindern.

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Weitere Informationen in dem Oxfam-Bericht  "Children alone"