Reiche Länder haben nur 3 % der syrischen Flüchtlinge aufgenommen

Bisher haben lediglich 130.000 besonders schutzbedürftige Syrerinnen und Syrer in den reichsten Ländern der Welt Aufnahme im Rahmen von humanitären Aufnahmeprogrammen erhalten. Auch Deutschland, das hier in den vergangenen Jahren führend war, setzt inzwischen vor allem auf Flüchtlingsabwehr statt auf Willkommenspolitik. Doch das Beispiel Kanada zeigt: Mit starkem politischem Willen könnten durchaus 10 % der Flüchtlinge aufgenommen werden.
Eine junge Frau zeigt ein gezeichnetes Porträt einer Frau.
Die 18-jährige Batoul Taha aus Syrien interessiert sich sehr fürs Zeichnen und für Modedesign. Sie lebt nun mit ihren Eltern und zwei Brüdern in Chicago. Die Familie hatte in Damaskus gelebt, bevor sie in den Libanon fliehen musste.

Die Oxfam-Studie „Where there’s a will, there’s a way“ zeigt, dass die wirtschaftlich stärksten Länder der Welt nur knapp drei Prozent der knapp fünf Millionen Syrerinnen und Syrer, die in syrische Nachbarstaaten wie Libanon, Jordanien oder die Türkei geflüchtet sind, im Rahmen von humanitären Aufnahmeprogrammen aufgenommen haben. Diese teilweise vom UN-Flüchtlingshilfswerk koordinierten Programme richten sich an die schutzbedürftigsten Geflüchteten – zum Beispiel Not leidende Familien, alleinerziehende Mütter, medizinisch behandlungsbedürftige oder von Obdachlosigkeit bedrohte Personen.

In einigen Aufnahmeländern wird die Ankunft der ausgewählten Personen durch langwierige bürokratische Prozesse und Sicherheitsüberprüfungen verzögert. Zudem erschwert ein zunehmend fremdenfeindliches Klima die Bereitschaft vieler Regierungen, überhaupt ihre Grenzen für Schutz suchende Menschen aus Syrien oder anderen Herkunftsländern zu öffnen.

Die reichsten Ländern der Welt haben bisher insgesamt nur 130.000 schutzbedürftigen Syrerinnen und Syrern Schutz im Rahmen von „Resettlement“- und anderen humanitären Aufnahmeprogrammen geboten. Selbst wenn dazu noch jene Asylbewerber/innen gezählt würden, die sich bereits selbständig auf den Weg nach Deutschland oder in andere sichere Zielländer gemacht haben, ist dies bloß ein Tropfen auf den heißen Stein, besonders verglichen mit wesentlich ärmeren Ländern in der syrischen Nachbarregion wie dem Libanon, wo gegenwärtig jede fünfte Person ein Flüchtling ist.

Deutschland nicht mehr vorbildlich

Beispielhaft für eine ungebrochene Aufnahmebereitschaft steht Kanada. Im vergangenen Jahr hat Kanada 35.000 besonders schutzbedürftigen syrischen Flüchtlingen Schutz gewährt und die dafür nötigen finanziellen und personellen Ressourcen aufgestockt.

Deutschland hat sich dagegen seit Ende letzten Jahres von einem Vorreiter in Sachen Willkommenspolitik zu einem Bollwerk gegenüber Schutzsuchenden gewandelt. Zwar hat die Bundesregierung bis dahin ihren Anteil bei der Aufnahme schutzbedürftiger Flüchtlinge mehr als erfüllt und auch zahlreiche Familienzusammenführungen ermöglicht, doch ist diese beispielhafte Haltung inzwischen einer Politik gewichen, die auf systematische Flüchtlingsabwehr setzt.

Welche Länder nehmen ihren „gerechten Anteil“ auf?

Für die Studie ermittelte Oxfam für 27 der weltweit reichsten Staaten (die auch die Genfer Flüchtlingskonvention unterzeichnet haben) sowie Russland den „gerechten Anteil“ an der erforderlichen Aufnahme von besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen – gemessen an der jeweiligen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.

Acht Aufnahmeländer – Australien, Kanada, Deutschland, die Niederlande, Russland, Spanien, das Vereinigte Königreich sowie die Vereinigten Staaten von Amerika – wurden außerdem genauer untersucht und miteinander verglichen. Gegenstand waren unter anderem  Aufnahmekriterien und -verfahren sowie der Grad an Unterstützung, die Flüchtlingen im Rahmen von humanitären Aufnahmeprogrammen gewährt wird.

Länder und Regionen

Syrien

Oxfam unterstützt syrische Flüchtlinge im Libanon und in Jordanien unter anderem mit Trinkwasser, Nahrungsmitteln und Einkommenshilfen und baut Duschen und Latrinen.

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