Held in der Hungerkrise: So kämpft ein Landarzt in Ostafrika für seine Patienten

Jama Abdi Abdile arbeitet als Landarzt in einem kleinen Dorf in Somaliland in Ostafrika. Seine Situation ist äußerst schwierig: Die Behandlungsmöglichkeiten vor Ort sind sehr eingeschränkt, ebenso die Auswahl und Anzahl der zur Verfügung stehenden Medikamente.
Portraitbild Landarzt Jama Abdi Abdile aus Somaliland
Jama Abdi Abdile, Arzt in Gawsawayne, Somaliland, behandelt seine Patienten bestmöglich unter den gegebenen Umständen. Die meisten von ihnen sind unterernährt.

Landärzte müssen sich Tag und Nacht um Patienten mit den unterschiedlichsten Krankheiten kümmern. Häufig sind sie dabei auf sich alleine gestellt. Ein harter Job, egal wo. Doch wird diese Arbeit ungleich schwieriger, wenn man weit und breit auf keine medizinische Infrastruktur zurückgreifen kann und nur wenige Medikamente zur Verfügung stehen. Unter solchen Bedingungen praktiziert Jama Abdi Abdile, 43,in Gawsawayne, Somaliland.

Somaliland ist von der großen Hungerkrise betroffen, unter der nahezu 30 Millionen Menschen in Somalia, Nigeria, Jemen und Südsudan leiden. In der Region Somaliland ist der Wasserpegel rapide gesunken und der weitverbreitete Verlust des Viehbestands hat verheerende Folgen für die Dorfgemeinschaften, die auf die Milch, das Fleisch und die Einkommensmöglichkeiten angewiesen sind.

In Gawsawayne fehlt es an grundlegenden medizinischen Versorgungseinrichtungen. Abdile ist der einzige in seinem Dorf, der medizinisch ausgebildet ist. Sein Zuhause ist gleichzeitig seine Praxis. „Dies ist das Haus meiner Familie“, erklärt Abdile, „und kein Gesundheitszentrum mit verschiedenen Behandlungsinstrumenten und separaten Behandlungsräumen.“

Immer mehr Menschen leiden Hunger

Die meiste Zeit geht er von Haus zu Haus, um seine Patienten zu betreuen und mit Medikamenten aus seinem Vorrat zu versorgen. Aktuell betreut er in seinem Dorf 177 Menschen, die unterernährt sind, darunter auch schwangere und stillende Frauen. Jeden Monat, so berichtet er, steigt die Zahl der Menschen, die Hunger leiden. Im März waren 84 Menschen betroffen, überwiegend Kinder.

„Wir waren niemals so gefordert“, erzählt Abdile. „Die Belastung ist ununterbrochen zu spüren. Es gibt so viele Schwierigkeiten, aber ich versuche alles zu tun, was möglich ist.“

Die erste Aprilwoche brachte etwas Entlastung. Oxfam hat damit begonnen, Tankwagen mit sauberem Wasser für Haushalte in der Region Sanaag zur Verfügung zu stellen. Die Bewohner von Gawsawayne erhalten nun täglich 18.000 Liter Wasser. Dank des sauberen Wassers kann Abdile nun wirksamer behandeln.

Abdile gibt uns einen Einblick in seinen Alltag

Abdile holt sauberes Wasser von einem von Oxfam bereitgestellten Wassertankwagen.
Abdile holt sauberes Wasser von einem von Oxfam bereitgestellten Wassertankwagen.

Bevor Oxfam das Dorf unterstützt hat, versorgten sich die Menschen an einer flachen Wasserstelle mit Wasser. Ein Oxfam-Mitarbeiter, der für den Bereich Wasser, Sanitär und Hygiene (WASH) zuständig ist, berichtet, dass er in den 20 Jahren, in denen er für Oxfam tätig ist, noch kein so verschmutztes Wasser erlebt habe.

Abdile mischt Wasser mit einem Elektrolyt-Sirup, der einer Dehydrierung vorbeugen soll.
Abdile mischt Wasser mit einem Elektrolyt-Sirup, der einer Dehydrierung vorbeugt.

„Das Wasser von Oxfam hilft uns allen“, versichert Abdile. „Besonders für die Gesundheitsfürsorge brauchen wir einen großen Teil des Wassers. Das Mineralwasser, das wir zuvor genutzt haben, kam von weit weg und war teuer. Das Wasser, das Oxfam uns bereitstellt, können wir kostenlos nutzen. Wir mischen es mit dem Sirup und jeder trinkt es.“

Abdil ordnet seinen Medikamentenvorrat.
Abdile ordnet den Medikamentenvorrat, den er zu Hause aufbewahrt.

Er stellt fest, dass es dank des Wassers seinen Patienten leichter fällt, ihre Medikamente einzunehmen. Er hofft, dass die Dorfbewohner weniger krank werden, da sie nun sauberes Wasser zum Trinken und Kochen nutzen.

Abdile untersucht die 25-jährige Zaymid Mohammad.
Abdile untersucht die 25-jährige Zaymid Mohammad.

Zaymid Mohammad ist im siebten Monat mit ihrem neunten Kind schwanger und fühlt sich müde und schwach. Die meisten Menschen, um die sich Abdile kümmert, sind Frauen und Kinder. „Mütter und Kinder sind am anfälligsten“, weiß Abdile. „Wenn Menschen als Folge einer Mangelernährung ein schwaches Immunsystem haben, sind sie anfällig für alle Arten von Krankheiten.“

Vielen Dank an alle Spenderinnen und Spender! Zusätzlich zur Trinkwasserversorgung haben wir damit begonnen mindestens 20.000 Menschen in Somaliland mit Hygieneeinrichtungen und Bargeld für Lebensmittel zu versorgen. Wir brauchen Ihre Unterstützung, um noch mehr Menschen erreichen zu können!

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