Es ist die am schnellsten wachsende Flüchtlingskrise der Welt: Seit dem Beginn des Bürgerkriegs 2013 wurde ein Drittel der Bevölkerung aus dem Südsudan vertrieben. Der angrenzende Staat Uganda hat mit seiner Politik der offenen Tür gegenüber Flüchtlingen eine Million Menschen aufgenommen. Das hat das Flüchtlingshilfswerk UNHCR heute bekannt gegeben. Eine dramatische Zahl, hinter der 1 Million einzelner Geschichten und Schicksale stecken. Vor Ort haben wir uns mit geflüchteten Menschen aus dem Südsudan unterhalten.

Schicksale von geflüchteten Menschen aus dem Südsudan

David, ehemaliger Labortechniker

David aus Südsudan in einer Flüchtlingssiedlung in Uganda

David, 27 Jahre alt, lebt seit September mit seiner Frau und vier Pflegekindern in der Flüchtlingssiedlung Bidi Bidi, mit 270.000 Menschen die größte der Welt.

„Wir wurden von unseren Häusern im Südsudan vertrieben“, erzählt David. „Die Leute sind gerannt, wer nicht rannte wurde als nächstes getötet. Ich war Labortechniker von Beruf, aber hier gibt es keine Arbeit. Wenn man sich nicht beschäftigt, wird man träge und die Erinnerungen an den Krieg kommen hoch. Es ist besser, wenn ich mich im Garten beschäftige. Am Anfang habe ich mit bloßen Händen gegraben, bis Nachbarn aus umliegenden Dörfern gekommen sind und mir ausgeholfen haben. Sie haben mir eine Hacke für 500 Shilling (ca. 0,12 Euro) geliehen. Ich baue jetzt Auberginen, Tomaten, Wassermelonen, Okra und Zwiebeln an.“

Charity, Bäuerin

Charity aus Südsudan in einer Flüchtlingssiedlung in Uganda

Auch die 25-jährige Charity ist im September mit ihrem Mann und vier Kindern nach Bidi Bidi gekommen. „Ich war Bäuerin im Südsudan, mit etwas mehr als zwei Hektar Land, und ich verkaufte meine Produkte“, sagt sie. „Hier habe ich weniger Land, aber es ist trotzdem besser, denn es gibt keine Kämpfe. Hier ist es sicher. Ich hoffe, dass meine Kinder hier in Uganda zur Schule gehen können, damit sie mit einer guten Bildung nach Südsudan zurückkehren, wenn es Frieden gibt. Ich will auch selbst lernen – ich will wieder zur Schule gehen.“

Beatrice, Traumberuf: Schneiderin

Beatrice aus Südsudan in einer Flüchtlingssiedlung in Uganda

Beatrice lebt derzeit gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihrem kleinen Baby in der Flüchtlingssiedlung Impevi in Uganda. Sie flohen vor dem Krieg im Südsudan, nachdem die Mutter von Beatrice vergewaltigt und ermordet wurde. Beatrice sorgt sich sowohl um die Zukunft ihres Kindes als auch um ihre eigene. Sie würde gerne zurück in die Schule gehen und eine Schneiderlehre abschließen.

Sarah, Vorsitzende einer Handwerksgruppe

Sarah aus Südsudan in einer Flüchtlingssiedlung in Uganda

Auch Sarah arbeitet in Bidi Bidi. Sie ist Vorsitzende einer Handwerksgruppe. Die Gruppe wurde von Oxfam und der lokalen Organisation CEFORD ins Leben gerufen, um es Frauen zu ermöglichen, ihr eigenes Einkommen zu erwirtschaften und sich auszutauschen. Die Gruppe trifft sich bei Sarah zu Hause, um dort Schmuck und wiederverwendbare Damenbinden anzufertigen. Die Produkte werden dann auf dem Markt vor Ort verkauft.

Im Südsudan hatte Sarah ihren eigenen Schmuckladen. Als ihr Mann vor ihren Augen ermordet wurde, floh sie nach Uganda. Durch die Gruppe hat sie nun die Möglichkeit, ihre Erfahrungen mit anderen Frauen zu teilen.

Martin, Friseur

Martin aus Südsudan in einer Flüchtlingssiedlung in Uganda

Martin arbeitet als Friseur in Bidi Bidi. Als Teil einer Gruppe junger Menschen erhielt er von Oxfam und der lokalen Hilfsorganisation ELNHA (Empowering Local and National Humanitarian Actors) eine einwöchige Ausbildung, in der er lernte, wie man Haare schneidet und wie man sein eigenes Geschäft gründet. Gemeinsam mit fünf anderen Geflüchteten führt er nun seinen eigenen Friseurladen.

Moses, Gesundheitsberater

Moses aus Südsudan in einer Flüchtlingssiedlung in Uganda

Moses floh mit seiner Frau und seinen zwei Kindern aus dem Südsudan. Die Familie lebt nun in der Flüchtlingssiedlung Imvepi. Moses kümmert sich nicht nur um seine eigenen Kinder, sondern auch um die seiner Verwandten. Für Oxfam arbeitet er als Gesundheitsberater.

Amina, Gesundheitsberaterin

Amina aus Südsudan in einer Flüchtlingssiedlung in Uganda

Auch Amina ist Gesundheitsberaterin. In der Imvepi-Flüchtlingssiedlung geht sie von Haus zu Haus und klärt ihre Mitmenschen über den richtigen Umgang mit Hygiene auf. Dafür erhält sie von Oxfam einen Lohn, von dem sie sich Lebensmittel kaufen kann. Der Job macht ihr Spaß.

Amina floh aus dem Südsudan, als die Kämpfe in ihrem Dorf begannen und sechs ihrer Familienmitglieder ermordet wurden. Sie floh mit ihrer Familie über die Demokratische Republik Kongo nach Uganda. Auf der Flucht verlor sie zwei ihrer Kinder aus den Augen. „Ich wusste nicht, ob sie tot oder noch am Leben waren. Was soll ich tun? Mir ging so viel durch den Kopf.“ Eines ihrer Kinder wurde vor Kurzem sicher und wohlauf in einer Nachbarstadt gefunden. Ihr zweites Kind erschien nur einen Tag vor dem Interview in Imvepi. „Ich war sehr sehr glücklich, als ich gestern mein Kind wieder sah.“

Die Menschen brauchen Unterstützung

In Uganda gibt es eine Million solcher Schicksale, und solange der sinnlose und brutale Krieg im Südsudan weitergeht, werden weitere Menschen fliehen, um Sicherheit, Nahrungsmittel, Wasser und Obdach zu suchen. Die Menschen aus dem Südsudan brauchen jetzt vor allem eins: Frieden in ihrer Heimat. Die Nachbarländer und die internationale Gemeinschaft müssen ihren Verpflichtungen nachkommen, die Kriegsparteien wieder an den Verhandlungstisch zu bringen. Bis dahin ist es für südsudanesische Flüchtlinge nicht sicher zurückzukehren, und sie sind auf Nothilfe angewiesen.

Die Vereinten Nationen beziffern den Bedarf an humanitärer Hilfe für südsudanesische Flüchtlinge in Uganda für 2017 auf 673 Millionen US-Dollar. Doch der Hilfsaufruf ist bislang nur zu 24 Prozent finanziert.

Um südsudanesische Flüchtlinge in Uganda zu unterstützen, ist Oxfam vor Ort.

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