Südsudan: Not lindern mit Kanu und Nähmaschine

In den Distrikten Leer und Mayendit im Südsudan wüten brutale Kämpfe. Hunderte Frauen, Kinder und Männer sind vor Vergewaltigung und Mord geflohen. Doch inmitten von Gewalt und Angst gibt es Geschichten von Mut und Großzügigkeit – so wie die von Gabrial, Peter und Elisabeth.
Menschen fliehen mit Kanus vor den Kämpfen in Leer und Mayendit im Südsudan.

Die Menschen im Südsudan leiden seit vier Jahren unter Bürgerkrieg und bewaffneten Konflikten im Land. Frauen und Mädchen werden vergewaltigt; alte Menschen, die nicht weglaufen und sich verteidigen können, verbrennen in ihren Häusern; Männer werden erschossen, während sie versuchen, ihren letzten Besitz zu verteidigen.

So berichten es derzeit Menschen, die aus den Distrikten Leer und Mayendit im Norden des Südsudans fliehen konnten. Dort sind vor Kurzem die brutalen Konflikte erneut aufgeflammt. Die Menschen suchen Zuflucht im südlich gelegenen Distrikt Panyijar. Hunderte von ihnen kamen in jüngster Zeit in der Stadt Nyal an – doch noch viel mehr sitzen auf kleinen Inseln im Umland fest.

Gabrial auf einem Kanu in Nyal
Gabrial auf einem Kanu in Nyal

Einer, der diesen Menschen hilft, ist Gabrial. Gabrial ist Kanufahrer und arbeitet mit Oxfam zusammen. „Ich tue das, um den Menschen in meiner Heimat in dieser schweren Krise zu helfen“, erzählt er. Gabrial bringt Menschen mit seinem Kanu nach Nyal und versorgt gleichzeitig jene, die auf den Inseln festsitzen, mit Essen und anderen wichtigen Gütern.

Ich fühle, dass ich etwas bewirken kann, wenn ich einen Kranken zur Behandlung aufs Festland fahre. Oder wenn ich Lebensmittel zu alten Menschen bringe, die andernfalls verhungert wären.
Gabrial aus Nyal
Peter an seiner Nähmaschine unter einem Mangobaum
Peter an seiner Nähmaschine in Nyal

Auch Peter hilft den Menschen. Er ist Schneider. Unter einem Mangobaum in Nyal näht er mit seiner alten Nähmaschine Kleidung. Er besitzt nicht viel, gibt aber alles – vor allem Liebe und Respekt für die Leute, die mit ihm in Nyal leben. Viele der Menschen, die vor den Kämpfen nach Nyal geflohen sind, wussten nicht, wo sie unterkommen sollten. Peter machte sie mit Familien bekannt, die sie aufnahmen. Viele kamen ohne Hab und Gut, besaßen kaum etwas zum Anziehen. Peter nähte ihnen Kleidung – ohne etwas zu verlangen.

Peter weiß, wie es sich anfühlt, in ihrer Haut zu stecken. Als im Jahr 2015 schon einmal die Kämpfe in seiner Heimat Leer ausbrachen, vergrub er seine Nähmaschine, um sie zu schützen. Als die Kämpfe nachließen, kam er zurück, grub sie aus und nahm sie mit in seine neue Heimat nach Nyal.

Elizabeth in ihrer Küche in Nyal
Elizabeth in ihrer Küche in Nyal

Elisabeth kam erst kürzlich nach Nyal. Sie kam zusammen mit ihren drei Kindern, nachdem die Kämpfe in Leer erneut aufgeflammt waren. „Wir können glücklich sein, dass wir überlebt haben“, erzählt sie. „Allerdings habe ich viel verloren – meinen Bruder, meinen Onkel, meine Cousins und meine Schwiegereltern. Als Frau hatte ich Angst. Ich hatte Angst, vergewaltigt und ermordet zu werden.“

In Nyal versucht sie, ein neues Leben mit ihrer Familie zu beginnen. Sie hat einen Teeladen eröffnet. Und hofft, dass der Konflikt im Südsudan bald vorbei sein wird.

Ich möchte die Welt zum Frieden aufrufen. Die Kämpfe haben so viele Leben gekostet. Bitte helft uns, die Kämpfe zu stoppen.
Elizabeth aus Nyal

 

Oxfam ist vor Ort

Oxfam unterstützt die Menschen vor Ort. Wir mieten Kanus, um die Frauen, Männer und Kinder, die auf den Inseln festsitzen, nach Nyal zu bringen. Des Weiteren versorgen wir die Menschen mit wichtigen Dingen wie Seife, Eimern und Hygieneartikeln und errichten auf den Inseln Wasserstellen und Latrinen, damit sich keine Krankheiten ausbreiten.

Auch auf dem Festland bohren wir Brunnen, damit die Zehntausenden von Menschen ausreichend Trinkwasser haben. Zudem unterstützen wir die Menschen sowohl auf den Inseln als auch auf dem Festland dabei, Gemüsegärten anzulegen. Mit den Gärten können sie ihre Ernährung verbessern und gleichzeitig ihren Lebensunterhalt selbst erwirtschaften.

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Seit Ende 2013 haben kriegerische Auseinandersetzungen im Südsudan über 4 Millionen Kinder, Frauen und Männer vertrieben. Hunderttausende sind in angrenzende Staaten geflohen. Oxfam unterstützt die Menschen mit Nothilfe.

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