Im Februar 2018 wurden Fälle sexueller Ausbeutung durch Oxfam-Mitarbeiter bekannt. Vorfälle, die uns tief beschämt und uns schmerzlich bewusst gemacht haben: Wir wollen und müssen noch offensiver gegen sexualisierte Gewalt in der gesamten Organisation vorgehen und transparent über Vorfälle berichten.

Unsere Antwort auf die furchtbaren Vorfälle war daher unter anderem ein tief greifender 10-Punkte-Aktionsplan, den wir im Februar vorgestellt haben. Er sieht unter anderem vor: eine hochrangige Untersuchungskommission, den Ausbau der Schutzmaßnahmen vor Belästigung, Ausbeutung und sexuellem Missbrauch sowie eine Verbesserung der Organisationskultur.

Im Juli stellte Oxfam in einem ersten Fortschrittsbericht vor, welche Maßnahmen aus dem Aktionsplan bereits umgesetzt wurden. So wurden Mitarbeiter*innen fortgebildet und das Team der Spezialist*innen verstärkt, die unter anderem Beschwerden annehmen und interne Untersuchungen durchführen; wir haben die anonyme telefonische Meldestelle weiter verbessert; und eine unabhängige Kommission untersucht Oxfams Umgang mit sexualisierter Gewalt. Ein Zwischenbericht der Kommission wird im November erscheinen, der Abschlussbericht im Mai 2019.

Seither haben wir weiter intensiv an der Umsetzung des 10-Punkte-Plans gearbeitet. Im Folgenden lesen Sie, was sich seit Juli getan hat.

Das hat sich seit Juli bei Oxfam verbessert

Mehr Budget

Oxfam hat sein weltweites Budget zum Schutz vor Belästigung, Ausbeutung und sexuellem Missbrauch auf drei Millionen Euro erhöht.

Mehr Spezialist*innen

Aktuell stellen wir neue Mitarbeiter*innen ein und investieren in externe Berater*innen und Ermittler*innen. Wir setzen in allen Oxfam-Länderbüros speziell geschulte Vertrauenspersonen ein, die Beschwerden über sexuelles Fehlverhalten entgegennehmen, Mitarbeiter*innen und Menschen, mit denen wir arbeiten, beraten und innerhalb der Organisation das Bewusstsein für das Thema stärken.

Einheitliche Regelwerke

Gegenwärtig vereinheitlichen wir die Policys (Regelwerke), die sexuelle Ausbeutung und Missbrauch verhindern, Kinder, Jugendliche und besonders gefährdete Erwachsene schützen und Betroffene sexualisierter Gewalt unterstützen sollen. Die vereinheitlichten Policys gelten zukünftig für den gesamten Oxfam-Verbund.

Einheitliche Standardprozesse

Was passiert, wenn Vorfälle sexualisierter Gewalt bei Oxfam gemeldet werden? Wir haben einen einheitlichen Standard entwickelt, wie innerhalb des Oxfam-Verbundes sowie gegenüber Behörden und Geberinstitutionen über Vorfälle berichtet wird. Zudem arbeiten wir aktuell daran, die Prozesse bei internen Untersuchungen solcher Vorfälle zu standardisieren.

Standards bei Partnerorganisationen

Partnerorganisationen von Oxfam müssen sich an ähnliche Standards halten wie die Oxfam-Länderbüros, und es gibt einen Verhaltenskodex für Oxfams Partner und Zulieferer. Wir befragen aktuell über unsere 67 Länderbüros unsere lokalen Partnerorganisationen, um ihre Kapazitäten und Expertise zu prüfen, und unterstützen sie dabei, die verlangten Standards umzusetzen.

Veröffentlichung von Fallzahlen sexualisierter Gewalt

Wir haben in den vergangenen Jahren und insbesondere seit Februar dieses Jahres unsere weltweit rund 10.000 Mitarbeiter*innen, 50.000 ehrenamtlich Engagierten, über 3.600 Partnerorganisationen und die Millionen Menschen, mit denen wir in mehr als 90 Ländern zusammenarbeiten, dazu aufgerufen, Vorfälle sexualisierter Gewalt zu melden – selbst wenn diese schon länger zurückliegen.

Im Sinne der größeren Transparenz, zu der wir uns verpflichtet haben, berichten wir für den Zeitraum 1. April bis 20. September 2018 erstmals als Gesamtorganisation zu Vorfällen sexueller Ausbeutung, Belästigung und Missbrauch.

Dabei sind wir dem Grundsatz verpflichtet, die Wünsche und Interessen sowie den Schutz der Betroffenen in den Mittelpunkt zu stellen und dafür Sorge zu tragen, dass aus den veröffentlichten Daten keine Rückschlüsse auf Einzelpersonen gezogen werden können.

Jeder Fall ist einer zu viel. Aber dass uns Fälle gemeldet werden und wir dazu berichten können, bewerten wir als positiv. Denn es zeigt, dass die Menschen uns vertrauen, die Vorfälle gewissenhaft und professionell zu untersuchen.

Abgeschlossene Fälle

Zwischen dem 1. April und 20. September 2018 hat Oxfam weltweit sieben Fälle abgeschlossen. Das bedeutet: Eine Beschwerde wurde untersucht, eine Entscheidung zum Umgang getroffen und entsprechende Maßnahmen wurden umgesetzt. Hierzu gehören auch Fälle, bei denen eine Beschwerde nicht aufrechterhalten oder nicht weiterverfolgt wurde, etwa weil der oder die Betroffene dies nicht wünschte.

Von den sieben abgeschlossenen Fällen wurden fünf innerhalb von Geschäftsstellen der nationalen Oxfam-Organisationen (Affiliates) berichtet und zwei Fälle innerhalb eines Oxfam-Länderbüros.

In keinem Fall ging es um sexuellen Missbrauch. Ein Fall betraf sexuelle Ausbeutung (einschließlich bezahltem Sex) innerhalb eines Länderprogramms. Der*die Täter*in war ein*e Oxfam-Mitarbeiter*in und wurde entlassen, der*die Betroffene war ein*e Bewohner*in der lokalen Gemeinde.

In zwei Fällen ging es um sexuelle Belästigung, beide wurden in Geschäftsstellen der nationalen Oxfam-Organisationen berichtet. Einer dieser Fälle wurde nicht weiterverfolgt, weil der*die Betroffene dies nicht wollte. Der zweite Fall führte dazu, dass einem externen Dienstleister gekündigt wurde.

In vier Fällen ging es um andere Formen von Fehlverhalten (zum Beispiel anzügliche Bemerkungen). Drei dieser Fälle wurden in Geschäftsstellen der nationalen Oxfam-Organisationen berichtet und einer in einem Länderbüro.

Von den Fällen in Oxfam-Geschäftsstellen betrafen zwei Fälle ehrenamtlich Engagierte und führten in einem Fall zu disziplinarischen sowie nicht-disziplinarischen Maßnahmen (z. B. Trainings) und in einem Fall zur Entlassung des Ehrenamtlichen. In dem einen Fall aus einem Länderprogramm waren ebenfalls ehrenamtlich Engagierte beteiligt und es wurden nicht-disziplinarische Maßnahmen eingeleitet.

Oxfam bietet den Betroffenen durchgängig Unterstützung an, unter anderem in Form von Beratung, psychologischer und gesundheitlicher Betreuung oder Rechtsberatung.

Offene Fälle

Im Zeitraum 1. April bis 20. September 2018 untersuchte Oxfam 60 weitere Beschwerden über sexuellen Missbrauch, sexuelle Ausbeutung, sexuelle Belästigung oder anverwandte Vergehen. Die Fälle sind als offene Verfahren deklariert, solange die Untersuchung andauert.

Die Zahl der offenen Verfahren reflektiert Oxfams Aufruf, Vorfälle zu melden, auch wenn sie längere Zeit zurückliegen. Einige der Beschwerden betreffen Vorfälle, die länger als zehn Jahre zurückliegen. Alle Fälle werden gewissenhaft und professionell aufgearbeitet, orientiert an etablierten Verfahrensregeln. Wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind, werden wir dazu berichten.

 

Wir arbeiten mit Überzeugung und Beharrlichkeit daran, Oxfam zu einer Organisation zu machen, in der sexuelle Ausbeutung, Belästigung und Missbrauch keinen Platz haben – an keinem Ort, zu keiner Zeit. Uns ist bewusst, dass dies eine lange Reise ist und wir noch ein gutes Stück vor uns haben. Wir werden diesen Weg konsequent weitergehen und auf den Fortschritten, die wir bereits erzielt haben, aufbauen.

Den kompletten Aktionsplan finden Sie hier: Oxfams 10-Punkte-Plan gegen Missbrauch

Falls Sie Fragen haben, schreiben Sie uns gern eine Nachricht an info@oxfam.de.