Der Angriff ereignete sich vor knapp vier Wochen im Distrikt Walikale, wo bewaffnete Kämpfer der FDLR (Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas, Organisation der im Kongo kämpfenden ruandischen Hutu-Milizen) tagelang Dörfer in der Region Luvungi besetzten und dort die Frauen und Jungen misshandelten.

Unklar ist, warum in der Nähe stationierte Blauhelmsoldaten nicht in das Geschehen eingegriffen haben, um die Gewalt zu unterbinden. Der nächstgelegene Stützpunkt der UN-Friedenstruppe im Ost-Kongo befindet sich im nahegelegenen Kibua, 15-30 Kilometer vom Schauplatz der Verbrechen entfernt. Offenbar lagen den Vereinten Nationen auch rechtzeitig Hinweise auf Rebellenaktivitäten in Luvungi vor. Laut einem UN-Sprecher hatten jedoch die Rebellen die Straßenverbindung zu diesem Zeitpunkt bereits abgeriegelt, so dass die Blauhelme keinen Zugang zum Gebiet um Luvungi und auch keine Informationen hatten, dass die FDLR dort gerade schwere Menschenrechtsverletzungen verübte. Anderen Aussagen zufolge soll Anfang August jedoch zumindest eine Patrouillenfahrt in der Umgebung von Luvungi stattgefunden haben, allerdings ohne dass die Blauhelme ihr Fahrzeug verlassen und Informationen eingeholt hätten.

Der Zwischenfall legt den Schluss nah, dass die Zivilbevölkerung im Ost-Kongo nicht einmal im Einzugsgebiet von UN-Stützpunkten vor Gewalt sicher ist. Erst vor kurzem hatte Oxfam die Ergebnisse einer Umfrage in 24 Dorfgemeinschaften im Ost-Kongo veröffentlicht, in der die Mehrzahl der Befragten erklärt hatte, dass die FDLR und andere Gruppen, trotz der gegen sie gerichteten Militäroffensive der kongolesischen Armee, weiterhin in der Lage sind, brutale Vergeltungsakte gegen die Zivilbevölkerung durchzuführen, und dass insgesamt die Zahl der Vergewaltigungen im letzten Jahr erneut zugenommen hat.