Die drei von der Ebola-Epidemie am stärksten getroffenen westafrikanischen Länder – Sierra Leone, Liberia und Guinea – benötigen dringend umfangreiche finanzielle Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft, um sich von den Folgen der Krise erholen zu können. Im Unterschied zum Ausbruch der Epidemie vor fast einem Jahr müssen die Geberstaaten jetzt zügig und entschlossen handeln, sonst droht nach der epidemischen eine wirtschaftliche und soziale Katastrophe.

Sofort handeln, Prioritäten setzen

Um den dringendsten Bedarf zu decken, müssen folgende Prioritäten gesetzt werden:

  1. schnelle Auszahlung von Bargeld an Millionen geschädigter Familien, um die dringendsten Bedürfnisse zu decken,
  2. Schaffung neuer Jobs, damit die Menschen wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen,
  3. staatliche Budgethilfen, damit die Regierungen der betroffenen Staaten lebenswichtige soziale Grunddienste wie Gesundheitsfürsorge, Wasser und Hygiene sowie Bildung bereitstellen können.

Wirtschaft ankurbeln

Oxfam ruft zu einer internationalen Konferenz von Geberstaaten auf, um den von der Krise zerrütteten Volkswirtschaften in Westafrika wieder eine Wachstumsperspektive zu geben. Vor dem Ausbruch der Krise verzeichnete Liberia eine Wachstumsrate von jährlich über fünf Prozent. Für Sierra Leone wurde gar ein Wachstum von 11,3 Prozent prognostiziert. Beide Länder gehörten damit zu den wirtschaftlich dynamischsten in ganz Afrika. Diese Entwicklung kam durch Ebola jäh zum Erliegen: Die Weltbank schätzt, dass in Sierra Leone inzwischen 180.000 Menschen ihre Arbeit verloren haben und in Liberia die Hälfte aller Haushaltsvorstände arbeitslos ist. Gleichzeitig sind die Preise für Lebensmittel extrem gestiegen: In Liberia liegt der Preis für Reis 40 Prozent über dem sonst üblichen Niveau.

Dies alles hat dramatische Auswirkungen auf die Einzelnen: Untersuchungen von Oxfam in drei Distrikten in Liberia zufolge sind die Einkommen von drei Vierteln der Familien stark zurückgegangen – durchschnittlich um 39 Prozent. 60 Prozent der Befragten sagten, sie hätten in den letzten sieben Tagen zu wenig zu essen gehabt.