„Ohne die Lebensmittel-Gutscheine des Welternährungsprogramms hätten wir nicht überlebt“, erzählt der 45 Jahre alte Abu Ali. Er ist 2012 mit seiner Mutter, seiner Ehefrau und elf Kindern aus Syrien geflohen. „Aber dann erhielten wir auf einmal über eine SMS die Nachricht, dass wir keine weitere Lebensmittelhilfe erhalten werden.“ Grund war, dass das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen im Oktober 2014 die Unterstützung wegen fehlender Finanzierung aussetzten musste. Zwar wurde die Hilfe bald wieder aufgenommen, allerdings in erheblich geringerem Umfang. Für 40 Prozent der Flüchtlingshaushalte im Libanon sind die Lebensmittel-Gutscheine die hauptsächliche Einkommensquelle. „Das Gleiche passierte mit den Öl-Gutscheinen. In unserer Siedlung erhielten nur drei Familien dieses Jahr einen Gutschein, während wir 2013 alle versorgt wurden“, berichtet Abu Ali. Flüchtlinge im Libanon müssen für ihre Unterkünfte Miete zahlen, sogar wenn sie in einem Zelt leben. Ohne eine Einkommensmöglichkeit oder humanitäre Hilfe sind sie nicht in der Lage, ihre Familien mit Grundnahrungsmitteln und Wasser zu versorgen.

Abu Anas (30), seine Frau Um Anas (29), und ihre drei kleinen Kinder flohen 2012 von Aleppo in den Libanon und wechselten in der Bekaa-Ebene von einer Unterkunft zur nächsten. „In Syrien habe ich alles verloren. Meine Eltern sind innerhalb Syriens auf der Flucht. Hier habe ich keinerlei Möglichkeiten, Geld zu verdienen“, berichtet Abu. „Die Kürzungen der Lebensmittelhilfe treffen uns hart, besonders, da meine Frau gerade schwanger ist.“ Zwei seiner drei Töchter brauchen noch Windeln und Säuglingsnahrung. „Ich muss mir Geld von anderen Flüchtlingen leihen, um kaufen zu können, was wir brauchen.“

Samia (60, Name geändert), floh mit ihrem Ehemann vor dem Krieg aus Syrien. Sie hat bereits den zweiten Winter in der libanesischen Bekaa-Ebene verbracht. “Letzten Winter war es nicht so kalt. Trotzdem erhielten wir genug Öl-Gutscheine, um die Nacht über heizen zu können. Dieses Jahr ist es kälter und wir haben weniger Gutscheine bekommen. Zum Wasserkochen haben wir Feuer mit trockenen Zweigen gemacht, für die wir auch noch zahlen mussten.“ 2014 erhielten weniger Familien Öl-Gutschein als im Vorjahr. Grund ist die unzureichende internationale Finanzierung der Nothilfe. Wie Samia mussten mehr als 400.000 syrische Flüchtlinge in der Bekaa-Ebene widrige klimatische Bedingungen aushalten: Die Temperaturen fielen unter den Nullpunkt und die Straßen waren tagelang durch Schneemassen blockiert. Da viele Zelte erheblich beschädigt sind, waren ihre Bewohner der Winterkälte besonders ausgesetzt. Es gibt Berichte, dass mehrere Menschen ums Leben gekommen sind.