Seit einigen Jahren setzen reiche Länder, auch Deutschland, in der Armuts- und Hungerbekämpfung verstärkt auf die Kooperation mit Konzernen. Auch im Bereich der Landwirtschaftsentwicklung ist ein besorgniserregender Trend hin zu immer größeren öffentlich-privaten Partnerschaften (public private partnerships, PPP) festzustellen.

Die „Better Rice Initiative Asia“ (BRIA) steht beispielhaft für diesen Trend. BRIA ist ein Projekt im Rahmen der „German Food Partnership“ (GFP), die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) initiiert wurde. Hinter BRIA stehen neben den deutschen Chemiegiganten Bayer und BASF auch andere multinationale Konzerne wie der weltgrößte Düngemittelhersteller Yara oder das niederländische Chemieunternehmen DSM.

Gemeinsam mit der staatlichen deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) erarbeiteten sie BRIA-Länderstrategien für Indonesien, Thailand, die Philippinen und Vietnam. Von Januar 2014 bis Oktober 2017 sollen rund 10 Millionen Euro in das Projekt fließen, rund 30 Prozent davon aus öffentlichen Entwicklungshilfegeldern.   

Erklärtes Ziel von BRIA ist die Erhöhung der Einkommen von Reisbauern durch eine Verbesserung der Reisproduktion. In Schulungen sollen Bauern lernen, wie sie mehr und besseren Reis ernten können und der Reis mit mehr Nährstoffen angereicht werden kann. Nichtregierungsorganisationen befürchten jedoch, dass von BRIA und anderen Projekten der GFP vor allem die Konzerne profitieren. Für Kleinbauern und –bäuerinnen und die Umwelt bergen sie dagegen erhebliche Risiken.

Bäuerinnen und Bauern ohne Mitsprache

Das hat auch damit zu tun, dass die BRIA-Projekte über die Köpfe der Betroffenen hinweg geplant wurden. Bäuerinnen und Bauern werden nur als Zielgruppe betrachtet, ihr Recht auf Mitsprache ignoriert. Ein solcher Top-down-Ansatz findet sich nicht nur bei BRIA, sondern ist für viele PPP Projekte charakteristisch.

Das ist nicht verwunderlich. Schließlich ist BRIA für die beteiligten Unternehmen ein wichtiges Instrument zur Unterstützung ihrer Unternehmensstrategien.

Beispiel Hybrid-Reissaatgut: So erklärt Bayer, der Weltmarktführer auf diesem Gebiet, dass BRIA und andere PPP dem Konzern dabei helfen können, umstrittenes Hybrid-Reissaatgut stärker zu verbreiten. Gemeinsam mit BASF entwickelt Bayer derzeit eine neue, vorgeblich noch ertragsreichere Hybrid-Reissorte, die ab 2020 weltweit vermarktet werden soll. Um dafür den Boden zu ebnen, passt ein Projekt wie BRIA gut ins Konzept: Die Konzerne erhalten dadurch einen besseren Zugang zu den staatlichen Reisinstituten, die in Südostasien eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Saatgut einnehmen.

Auch bei den BRIA-Aktivitäten, die auf die Nährstoffanreicherung von Lebensmitteln abzielen, ist die Ausrichtung auf Konzern-Interessen deutlich. BASF und DSM stellen selbst Mikronährstoffe her. Aus dem BRIA-Länderkonzept für Indonesien geht hervor, dass die Unternehmen Vorbehalte der Bevölkerung gegen eine solche Reisanreicherung befürchten. Eine staatliche Anreicherungspflicht käme ihnen daher sehr gelegen. Und wie man diese erreichen kann, steht auch schon im BRIA-Länderkonzept: Mit gezielten Lobbyaktivitäten will man die indonesische Regierung in diesem Sinne beeinflussen.

Industrielle Landwirtschaft statt Agrarwende

Das Kernstück von BRIA stellt die Schulung von Bäuerinnen und Bauern dar. Dass auch hier die Perspektive der Konzerne dominiert, zeigt die von BASF im Rahmen von BRIA produzierte thailändische Reality-TV-Show „Farmers love safety“. Darin treten zwei Teams mit jeweils fünf Bauern (nur in einem Team ist auch eine Bäuerin vertreten) gegeneinander an. Die Teams müssen Fragen zum richtigen Pestizideinsatz beantworten und andere im sichereren Umgang mit Pestiziden schulen. Der Einsatz von Pestiziden wird dabei nie grundsätzlich hinterfragt – ganz im Einklang mit der Konzernstrategie von BASF. Agrarökologische Anbauverfahren und Formen der Schädlingsbekämpfung ohne Pestizide werden überhaupt nicht thematisiert. Stattdessen suggeriert die Show, Pestizide gehörten zur modernen Landwirtschaft einfach dazu – und durch Schutzkleidung, gezielterem Einsatz und weiteren Vorsichtsmaßnahmen werde der Einsatz von Pestiziden für Mensch und Umwelt sicher.

Das BMZ verteidigt die Sendung mit dem Argument, der massenhafte und oft falsche Einsatz von Pestiziden stelle in den BRIA-Ländern ein erhebliches Problem dar. Hier soll das TV-Format Abhilfe schaffen. Übersehen wird dabei jedoch, dass die Unternehmen, mit denen das BMZ bei BRIA kooperiert, dieses Problem selbst verursachen. Bayer und BASF vermarkten massenhaft gefährliche Pestizide in den BRIA-Ländern, ohne sicherzustellen, dass bei ihrem Einsatz keine Schäden verursacht werden. Das BMZ jedoch macht nun den Bock zum Gärtner.

Laut GIZ-Vertretern soll eine zweite geplante Fernsehshow und andere Trainings nicht so stark auf Pestizide konzentriert sein, sondern allgemeineres Wissen über gute landwirtschaftliche Praktiken vermitteln. Überprüfen lässt sich das noch nicht. Trotz Ankündigungen und Nachfragen hat die GIZ ihre Trainingskonzepte auch anderthalb Jahre nach Start von BRIA noch nicht veröffentlicht.

Ebenso fraglich ist, ob BRIA künftig auch agrarökologische Anbaumethoden vermitteln soll, die Produktivitätssteigerungen ohne künstliche Düngemittel und Pestizide ermöglichen.

In den ursprünglichen Länderkonzepten taucht dies zumindest nicht auf. Nach öffentlicher Kritik an BRIA sind GIZ und BMZ nun jedoch bemüht, sich auch ökologischeren Ansätzen wie dem „System of Rice Intensification“ (SRI) zu öffnen. SRI ist eine Reisanbaumethode, bei der mit deutlich geringerem Einsatz von Saatgut, Wasser und chemischer Inputs gute Erträge und höhere Einkommen als im konventionellen Anbau erzielt werden können. Ob GIZ und BMZ hier tatsächlich einen Kurswechsel vollzogen haben oder ob SRI und andere nachhaltigere Anbaumethoden nur schmückendes Beiwerk sein sollen, bleibt abzuwarten.

Das Beispiel BRIA zeigt, wie wichtig es ist, genau hinzuschauen, wenn Politik und Konzerne neue Partnerschaften zur Hunger- und Armutsbekämpfung eingehen. Öffentliche Entwicklungshilfe muss transparent sein und sich an den Bedürfnissen der von Hunger und Armut Betroffenen orientieren – nicht an den Marketingstrategien von Konzernen.