Berufsausbildung und Unterstützung für Frauen in Jordanien (Projekt abgeschlossen)

Perspektiven für Überlebende sexualisierter und gender-basierter Gewalt sowie von Menschenhandel
In Jordanien sind Frauen sexuellen Übergriffen und Gewalt meist schutzlos ausgeliefert. Betroffene brauchen schnelle, einfühlsame Unterstützung, aber auch langfristige Begleitung, um neues Selbstbewusstsein zu gewinnen und sich ein für alle Mal von Gewalt und Unterdrückung zu befreien.
Zataari Refugee Camp in Jordanien
Viele Menschen sind vor dem Krieg in Syrien nach Jordanien geflohen. Der Großteil von ihnen kommt nicht in Camps, sondern in den urbanen Gebieten Jordaniens unter. Für geflüchtete Frauen ist die Situation besonders schwierig.

Gewalt gegen Frauen ist in der jordanischen Gesellschaft weit verbreitet und wird kaum gesetzlich verfolgt. Viele Frauen wagen nicht, sexuelle Übergriffe anzuzeigen, da sie damit ihren Ruf und den Ruf ihrer Familien aufs Spiel setzen würden. Auch häusliche Gewalt wird von den Familien meist totgeschwiegen. Im Land fehlen Institutionen, an die sich Betroffene wenden können. Insbesondere aus Syrien geflüchtete Frauen haben in ihrer unsicheren Situation kaum Möglichkeiten, sich gegen Gewalt zur Wehr zu setzen.

Ein großes Problem ist zudem der weltweit zunehmende Menschenhandel. Auch im arabischen Raum werden vor allem junge Frauen in die sexuelle Ausbeutung oder Zwangsarbeit verkauft.

Sofortiger Schutz und Unterstützung

Oxfams Partnerorganisation Jordanian Women’s Union (JWU) arbeitet mit Frauen in Not, die Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt waren. Ihr Arbeitsansatz: Die Frauen sofort zu schützen, zu unterstützen und ihnen mit langfristiger Begleitung berufliche und soziale Selbstständigkeit ermöglichen.

Neben körperlichen Verletzungen leiden die Frauen unter Traumata und verlorener Selbstachtung. Das Projekt kombiniert daher die schnelle medizinische und psychologische Unterstützung für zunächst 500 Frauen. Unsere Partnerorganisation leistet juristischen Beistand, vermittelt bei Bedarf sichere Unterkünfte im eigenen Frauenhaus und bietet berufliche Weiterbildungen zur dauerhaften Stärkung der Frauen.

Der erste Kontakt erfolgt meist über die eingerichtete telefonische Hotline. Hier erhalten die Frauen kompetenten Rat für ihre jeweilige Situation und können ein Treffen vereinbaren. Bei Verletzungen und gesundheitlichen Problemen ist es ihnen möglich, sich in einer eigenen Klinik der JWU behandeln zu lassen. Zudem können bis zu 15 Frauen und ihre Kinder zeitgleich im sicheren Frauenhaus der Organisation unterkommen. Im Gegensatz zu staatlichen Einrichtungen nimmt dieses auch Ausländerinnen auf – so können auch Geflüchtete und Frauen aus anderen arabischen Ländern, die dem Menschenhandel entfliehen konnten, hier Zuflucht finden.

Je nach den individuellen Bedürfnissen begleiten Sozialarbeiter/innen, Psycholog/innen und Jurist/innen jede einzelne Frau, bis eine Lösung für ihre Probleme gefunden ist. Auch danach gibt es regelmäßig weitere Treffen, um sicherzustellen, dass ihre Situation sich dauerhaft verbessert hat.

Berufliche Weiterbildungen

Um finanziell und sozial unabhängig zu werden, können die Frauen an neunmonatigen beruflichen Weiterbildungen zu Friseurhandwerk, Näherei, Kunsthandwerk oder Kochen teilnehmen. Die Ausbildung ermöglicht es ihnen, selbstständig Sorge für sich und ihre Kinder tragen zu können. So sind die Frauen nicht mehr gezwungen, in gewalttätige Beziehungen zurückzukehren.

1945 gegründet, gehört JWU zu den einflussreichsten Frauenrechtsorganisationen im arabischen Raum. Aus der langjährigen Erfahrung, auch in der Zusammenarbeit mit anderen nationalen und internationalen Organisationen, hat unser Partner wirksame Strategien entwickelt, um das Leben von Frauen in Not dauerhaft zum Besseren zu verändern. Die telefonische Hotline, an die Betroffene sich wenden können, besteht bereits seit 1996, drei Jahre später wurde das Frauenhaus eröffnet.

Politischer Einfluss zeigt Erfolge

Mit Veranstaltungen zu Themen wie Kinderehe, Gesundheit oder Gewalt gegen Frauen verändert JWU das öffentliche Bewusstsein und nimmt auch politisch Einfluss. Die bald zehn Jahre Kampagnenarbeit und politische Lobbyarbeit zeigen Erfolge: So hat die jordanische Regierung zum Beispiel das legale Heiratsalter für Mädchen inzwischen von 16 auf 18 Jahre heraufgesetzt. 2017 wurde zudem die Strafffreiheit von Vergewaltigern, bei einer anschließenden Heirat der Opfer, abgeschafft. Außerdem wurden die mildernden Umstände bei der Verurteilung von Tätern bei sogenannten familiären Ehrenmorden aufgehoben. JWU arbeitet bereits an der Koordination von weiteren Lobbyaktivitäten mit den anderen feministischen Organisationen im Land.

Unterstützen Sie unsere Arbeit im Bereich Frauenförderung: Jetzt spenden

Das Projekt wurde von März 2017 bis Februar 2018 durchgeführt.