Frauenrechte in Indien

Bessere Bohnen bestärken Bäuerinnen in Bihar

Erzeugerkooperationen, Businesspläne und Kapitalbeschaffung – im indischen Bundesstaat Bihar unterstützen wir Frauen in der Landwirtschaft dabei, sich zu organisieren und sich gemeinsam Wissen anzueignen. So erzielen sie bessere Ernteerträge und Preise und stärken dadurch gleichzeitig ihre Rechte.
EInige Kleinbäuerinnen bilden einen Halbkreis und halten zusammen in ihrer Mitte einen Korb gefüllt mit Bohnen.
Diese Kleinbäuerinnen im Bundesstaat Bihar werden bereits von unserer Partnerorganisation beraten und gefördert.

Munger und Bhagalpur im Bundesstatt Bihar gehören zu den ärmsten Distrikten Indiens. 94 Prozent der Menschen, die Landwirtschaft betreiben, sind Kleinbauern und Kleinbäuerinnen. Bis heute wird die ländliche Bevölkerung in der Projektregion u.a. aufgrund ihrer Kasten- oder Religionszugehörigkeit marginalisiert. Frauen erfahren eine besonders starke Benachteiligung. Auf Familienebene werden sie kaum in wichtige Entscheidungen zu Anbau, Vermarktung und Verwendung von Einkommen einbezogen, obwohl sie rund 80 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion verantworten. In der Regel besitzen Frauen kein eigenes Land. Ohne einen Landtitel bleibt ihnen jedoch der Zugang zu staatlichen Förderprogrammen und Kleinkrediten meist verwehrt.

Mit einer Erzeugerorganisation zum gesicherten Lebensunterhalt

Viele Frauen in der Region kümmern sich nicht nur um das Vieh, den Haushalt und die Kinder, sondern bauen auch Gemüse an, das sie verkaufen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten – auch Sunita Devi. Doch die Powerfrau wollte mehr, nicht nur für sich, sondern auch für die anderen Frauen in ihrem Dorf. Sie sah das Potenzial des Gemüseanbaus. 20 Frauen trommelte sie zusammen, um sich zu organisieren und sich gemeinsam Wissen zu verbesserten und angepassten Anbaumethoden, Lagerung und Vermarktung anzueignen. Inzwischen hat die Gruppe zusammen mit anderen Frauengruppen aus ihrem eigenen und dem Nachbardistrikt eine Erzeugerorganisation gegründet, einen Businessplan geschmiedet und begonnen, Kapital zu beschaffen.

Oxfam unterstützt die Frauen bei der Gründung und dem Aufbau der Erzeugerorganisation, die die Frauen in ihrer Selbstorganisation stärkt. Sie erzielen hierdurch bessere Ernteerträge und Preise. So können sie ihren Lebensunterhalt langfristig sichern und setzen sich gleichzeitig für ihre Anerkennung als Kleinbäuerinnen ein.

Sunita Devi sitzt mit weiteren Frauen zusammen
Sunita Devi hat zusammen mit anderen Frauen und mit Oxfams Unterstützung eine Erzeugerorganisation gegründet, mit der indische Frauen ihre Selbstorganisation stärken

Ganzheitlicher Ansatz zur Stärkung der sozio-ökonomischen Rechte von Kleinbäuerinnen

Das Projekt unterstützt insgesamt 3.000 Frauen in 35 Dörfern in den Distrikten Bhagalpur und Munger dabei, die Wertschöpfung ihrer Gemüseproduktion nachhaltig zu steigern. Zugleich werden ihre wirtschaftlichen und sozialen Rechte gestärkt. Das Projekt beinhaltet folgende Kernelemente:

  • Technische Wissensvermittlung für einen nachhaltigen Gemüseanbau: Die Gemüseproduzentinnen profitieren von Schulungen in verbesserten Anbaumethoden für einen nachhaltigen, ressourcenschonenden und produktionssteigernden Gemüseanbau. In Workshops und auf Demonstrationsflächen werden sie u.a. in verbesserten Anbaupraktiken, Landnutzungsplanung, Sortierung und Lagerung fortgebildet und in landwirtschaftliche Informationsdienste eingeführt, die über das Mobiltelefon verfügbar sind.
  • Begleitung des Aufbaus von 35 Produzentinnen-Gruppen und zwei Erzeugerorganisationen: Die Kleinbäuerinnen organisieren sich zur Vermarktung ihrer Gemüseproduktion in lokalen Produzentinnen-Gruppen und Erzeugerorganisationen. Dadurch steigern sie ihre Verhandlungsmacht und ihr Einkommen. Zudem etabliert das Projekt dauerhafte Beziehungen zu Händlern und tritt für einen verbesserten Zugang der Produzentinnen-Gruppen zu staatlichen Förderprogrammen ein.
  • Stärkung der Rechte von Kleinbäuerinnen auf mehreren Ebenen: Die Rechte von Frauen werden auf mehreren Ebenen gestärkt. In den Dörfern werden Frauen wie Männer in Trainings und Aufklärungskampagnen für die Rechte der Frauen und ihre Teilhabe an der lokalen Entscheidungsfindung sensibilisiert. Damit die Frauen auch auf politischer Ebene mit vereinter Stimme ihre Rechte, ihre Anerkennung als Kleinbäuerinnen und ihren Zugang zu staatlichen Förderprogrammen einfordern können, unterstützt das Projekt auf Distrikt-Ebene die Vernetzung in Frauen-Plattformen und organisiert auf nationaler Ebene Konferenzen mit Politik und Zivilgesellschaft. Auf allen Ebenen finden Netzwerktreffen mit der Privatwirtschaft statt, um die Kleinbäuerinnen nachhaltig in den Markt zu integrieren.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) kofinanziert. Das Projekt wird von Mai 2016 bis April 2019 umgesetzt.

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