Mali: Nachhaltige Ernährungssicherung

Sogar im verhältnismäßig fruchtbaren Landkreis Kita im Südwesten Malis reichen die Ernten nicht mehr aus, um die Menschen ganzjährig zu ernähren. Steigender Bevölkerungsdruck und ausbleibender Regen haben zu einer Verarmung der Menschen und der Naturressourcen geführt. Gemeinsam mit der Partnerorganisation STOP SAHEL unterstützt Oxfam die ländliche Bevölkerung bei der nachhaltigen Verbesserung ihrer Ernährungssituation.

Die Bevölkerung des Landkreises Kita lebt zu 90 Prozent von Landwirtschaft und Viehhaltung. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist arm oder sehr arm – für diese Menschen reicht die Eigenproduktion inzwischen nicht mehr aus, um ihren Nahrungsmittelbedarf zu decken. Bodenauslaugende Bewirtschaftung, starke Niederschlagsschwankungen als Folge des Klimawandels, minderwertiges Saatgut und die massive Abwanderung von Arbeitskräften in die Goldminen haben zu einem starken Rückgang der Erträge beigetragen. Viele Menschen, vor allem Frauen, haben keinen Zugang zu alternativen Einkommensmöglichkeiten.

Ernährungssicherung mit System

Oxfams Partnerorganisation STOP SAHEL versucht den Ursachen des Nahrungsmittelmangels auf mehreren Ebenen zu begegnen: Damit die Ernten trotz der klimatischen Bedingungen gesteigert werden können, wird angepasstes Saatgut benötigt. Dieses wird jedoch in der Region bislang nicht in ausreichender Menge angeboten. STOP-SAHEL bildet deshalb in einem ersten Schritt lokale Saatgutproduzent/innen aus. Dadurch wird die Vor-Ort-Produktion verstärkt und hochwertiges Saatgut für viele Bauern und Bäuerinnen zugänglich.

Für eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser werden Tiefbohrungen durchgeführt und handbetriebene Wasserpumpen installiert. Zusätzlich wird mittels Wasserrückhaltedämmen der Grundwasserspiegel angehoben, so dass vorhandene Brunnen wieder mehr Wasser führen und die Frauen der Region in den Überschwemmungszonen wieder Reis anbauen können. Auch die Anlage von Fischanzuchtbecken oder Gemüsebau in eigens dafür errichteten Gärten wird so ermöglicht.

Die hier gewonnenen Produkte vergrößern die Nahrungsmittelvielfalt der Bevölkerung und beugen damit Mangelernährung vor – und das für viele Menschen. Denn durch die neuen Gärten haben in Zukunft mindestens 15.000 Personen regelmäßig Zugang zu frischem Gemüse. Und um auch außerhalb der Erntezeiten die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu gewährleisten, wird die Verwendbarkeit landwirtschaftlicher Produkte durch Speicherhaltung und Veredelung verbessert.

Mehr Menschen erreichen mit Kooperativen und Weiterbildung

Der Zugang zu Nahrungsmitteln soll für möglichst viele Menschen erleichtert werden. Deshalb unterstützt STOP SAHEL die Gründung von selbst verwalteten Kooperativen und hilft bei der Organisation von Verkaufsmessen und einer verbesserten Vermarktung der erzeugten Produkte. Neben der Erwirtschaftung eines gesicherten Einkommens wirkt das der Abwanderung von Arbeitskräften entgegen und trägt zur Geschlechtergerechtigkeit bei. Denn STOP SAHEL unterstützt junge Frauen und Männer zu gleichen Teilen dabei, durch zusätzliches Einkommen und Zugang zu günstigen Kleinkrediten ihre finanzielle Situation zu stabilisieren.

Das Maßnahmenpaket zur Ernährungssicherung wird durch Schulungen und Radio-Informationskampagnen ergänzt, um wichtiges Wissen möglichst breit zu streuen: 5.600 Menschen profitieren direkt vom Projekt. Durch Ausbildung lokaler Weiterbildungskräfte und die Verbreitung von Informationen über das Radio werden im Projektzeitraum etwa 162.000 Personen erreicht.

Eine Partnerschaft mit Tradition

Die lokale Organisation STOP SAHEL orientiert ihre Arbeit stets an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort, um deren Lebensbedingungen spürbar zu verbessern. Dazu arbeitet sie eng mit der Bevölkerung und den Lokalverwaltungen zusammen. Oxfam begleitet die Arbeit von STOP SAHEL seit 2009. Das Projekt zur nachhaltigen Ernährungssicherung wurde als viertes vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) kofinanziertes Vorhaben bis Januar 2017 umgesetzt. Dank der Unterstützung des Unternehmernetzwerks kann seitdem die Schaffung beständiger alternativer Einkommen in der ländlichen Bevölkerung bis Juni 2018 aus Oxfam-Eigenmitteln gefördert werden. Maßnahmen wie unternehmerische Analysen und Beratung, technische Schulungen sowie Organisationsberatung für die landwirtschaftlichen Kooperativen, Basisorganisationen und Kleinunternehmer/innen tragen dazu bei, im Landkreis Kita nachhaltig stabile Systeme der Ernährungssicherheit zu etablieren.

Unterstützen Sie unsere Projektarbeit: Jetzt spenden!