Pakistan: Rechte von Heimarbeiterinnen (Projekt abgeschlossen)

Heimarbeiterinnen machen einen großen Teil des informellen Arbeitsmarktes in Pakistan aus. Rechtlich fallen sie nicht unter die Arbeitsgesetze und gehören so ohne soziale Absicherung und gewerkschaftliche Vertretung zu den am meisten ausgebeuteten Arbeitnehmerinnen. Unsere Partnerorganisation HomeNet Pakistan setzt sich gegen diese Ungerechtigkeit ein und arbeitet an der Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Heimarbeiterinnen.

Studien zufolge beträgt der Anteil des informellen Arbeitsmarktes am Bruttoinlandprodukt in Pakistan mehr als 70%. Laut der Internationalen Arbeitsorganisation sind dort fast 80% aller Arbeitskräfte im informellen Sektor tätig. Viele davon - insgesamt mehr als 12.5 Millionen Menschen - sind Heimarbeiter und Heimarbeiterinnen. Die Lage der Heimarbeiterinnen ist besonders prekär. Zwischenhändler nutzen ihre schutzlose Position aus und bereichern sich auf ihre Kosten: ohne jegliche soziale Absicherung arbeiten Heimarbeiterinnen bis zu 16 Stunden am Tag und verdienen dabei monatlich gerade mal 20 bis 40 Euro. Oftmals werden sie Opfer sexueller Übergriffe und haben mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, weil sie schädlichen Chemikalien ausgesetzt sind – medizinische Versorgung wird ihnen weder von ihren Arbeitgebern noch vom Staat zur Verfügung gestellt.

Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich an einer Schulung teilnehmen können.
Meena Kumari

Die Unsichtbaren sichtbar machen

Unsere pakistanische Partnerorganisation, HomeNet Pakistan, setzt sich seit vielen Jahren für die Rechte dieser oftmals unsichtbaren Heimarbeiterinnen ein und arbeitet zudem an der gewerkschaftlichen Organisation von Hausangestellten. Als Netzwerkorganisation umfasst HomeNet Pakistan insgesamt 538 Organisationen, die sich für dieselben Ziele einsetzen.

In einem seit April 2014 laufenden Pilotprojekt arbeitet HomeNet in den Provinzen Punjab und Sindh daran, die rechtliche, wirtschaftliche und soziale Lage von Heimarbeiterinnen zu verbessern. Dabei werden zwei Hauptstrategien verfolgt:

  • Lobbyarbeit auf Regierungsebene, um die Rechte von Heimarbeiterinnen in die bestehenden Arbeitsgesetze aufzunehmen
  • Schulungen, Kapazitätsaufbau und Vernetzung von 900 Heimarbeiterinnen, damit sie gemeinsam für Ihre Rechte kämpfen und sich gegen die gängige Ausbeutung zur Wehr setzen können.

Auf individueller Ebene lassen sich erste Erfolge bereits erkennen. So berichtet zum Beispiel die junge Heimarbeiterin Meena Kumari aus Mithi: „Ich stelle zu Hause in Handarbeit Steppdecken her und muss damit fünf Kinder versorgen. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich an einer Schulung teilnehmen können. Ich werde das Gelernte den Frauen in meinem Umfeld weitererzählen.“

Das Projekt wird von April 2014 bis März 2018 umgesetzt.

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