Vanuatu: Ein Jahr nach Zyklon Pam (Projekt abgeschlossen)

Am 13. März 2015 fegte der Zyklon Pam über Vanuatu und verursachte massive Schäden in weiten Teilen des kleinen Inselstaats. Rund 25.000 Menschen konnte Oxfam in den zwölf Monaten nach den Verwüstungen durch Zyklon Pam mit humanitärer Hilfe und Unterstützung beim Wiederaufbau erreichen – auch dank der Großzügigkeit unserer Spenderinnen und Spender.

Durch den Zyklon wurden schätzungsweise 15.000 Häuser beschädigt oder zerstört. Am stärksten wurden die östlichen und süd-östlichen Inseln verwüstet. Das Sturmzentrum lag dicht bei der Insel Efate, auf der sich Vanuatus Hauptstadt Port Vila befindet. Insgesamt waren rund 188.000 Kinder, Frauen und Männer auf 22 Inseln betroffen. Der Zyklon vernichtete ca. 96 Prozent der Lebensmittelvorräte und unterbrach die Wasserversorgung für 110.000 Menschen.

Nach dem Sturm arbeiteten über 50 nationale und internationale Hilfsorganisationen unter der Leitung der Regierung von Vanuatu zusammen. Gemeinsam koordinierten wir die Nothilfe und stellten sicher, dass sie dorthin gelangt, wo sie am dringendsten benötigt wird. Inzwischen ist die Nothilfephase abgeschlossen und der Wiederaufbau hat begonnen. In den zwölf Monaten seit dem Zyklon hat Oxfam insgesamt 24.910 Menschen in mehr als 60 Dörfern auf den Inseln Efate, Emae, Epi und Ambrym unterstützt.

Während die Menschen noch mit den Folgen des Zyklons kämpfen, erleben sie nun die schwerste Dürre seit 20 Jahren, verstärkt durch das Klimaphänomens El Niño. Integriert in den Wiederaufbau führt Oxam deshalb Maßnahmen durch, um die
Auswirkungen von El Niño und der aktuellen Dürre zu mildern. Unterstützt werden vor allem Menschen in extremer Armut, die dringend Hilfe benötigen.

Unsere Schwerpunkte

  • Ernährungs- und Existenzsicherung: kurz- und mittelfristige Unterstützung zur Wiederherstellung von Lebensgrundlagen, u.a. durch Verteilung von Saatgut und Nahrungsmittelgutscheinen, Cash-for-Work sowie durch Schaffung neuer Einkommensquellen
  • Spezielle Schutz- und Hilfsmaßnahmen: sicherer und gleichberechtigter Zugang zu Hilfsressourcen für Frauen, Kinder und Jugendliche sowie Menschen mit Behinderungen und gleichberechtige Beteiligung von Frauen und Männern an der Ausgestaltung der Hilfe
  • Koordination: Leitung und Koordinierung des Humanitären Teams auf Vanuatu und Unterstützung der vanuatuischen Behörde für Katastrophenmanagement

Wasser-, Sanitärversorgung und Hygiene

Seit dem Abschluss der akuten Nothilfe konzentriert sich Oxfam auf ein umfassendes Wiederaufbauprogramm auf den Inseln Efate, Epi und Emae. Mehr als 80 Dörfer und 30 Schulen erhalten Unterstützung. Um herauszufinden, was im WASH-Bereich konkret benötigt wurde, hatten zunächst Bedarfsanalysen und Gemeindebefragungen stattgefunden. Diese Informationen sind auch in den Gesamtplan für die WASH-Übergangsphase eingeflossen, der u.a. folgende
Punkte vorsieht:

  • Workshops zur Erarbeitung lokaler Aktionspläne für den Wiederaufbau im WASH-Bereich
  • Zuschüsse zu den Kosten für den gemeindebasierten Bau bzw. die Instandsetzung von Latrinen
  • Verteilung von wichtigen Materialien für den Bau von Sanitäreinrichtungen
  • Bau und Instandsetzung von Dorfbrunnen, Regenwasserreservoirs und Wasserversorgungssystemen, die entweder nach dem Gravitationsprinzip oder mit Solarpumpen funktionieren

Zudem ist Oxfam der landesweit führende Anbieter gemeindebasierter Schulungen zum Thema Trinkwassersicherheit (Drinking Water Safety and Security Planning Sessions). Diese neue Methode zur Einbeziehung und Beteiligung der betroffenen Bevölkerung wird von der vanuatischen Regierung, der Weltgesundheitsorganisation und von UNICEF gleichermaßen empfohlen. Die Mitglieder lokaler Wasserkomitees lernen, die Sicherung der qualitativen und quantitativen Wasserversorgung zu planen und die Bevölkerung zur Teilnahme an Projekten zur Instandsetzung von Wassersystemen zu mobilisieren.

Das haben wir erreicht:

  • 3.474 Menschen auf Efate per Lkw mit 265.800 Litern Trinkwasser versorgt;
  • für 13.809 Menschen die Wasserversorgung instand gesetzt;
  • an 20.928 Menschen auf Efate, Epi und Ambrym Hygiene-Sets verteilt;
  • Wasserversorgungsnetze für 2.489 Menschen in zehn Dörfern und vier Schulen eingerichtet bzw. erneuert;
  • Toiletten, Waschgelegenheiten und Regenwassertonnen in 28 Schulen und Kindergärten installiert;
  • 10.453 Menschen mit Theateraufführungen über wichtige Hygienemaßnahmen informiert;
  • 13.292 Menschen mit speziellen Workshops und Informationsmaterial zur Hygieneaufklärung erreicht.

Oxfam plant, seine Unterstützung im WASH-Bereich auf die Inseln Buninga, Tongariki und Tongoa auszuweiten. Neue Vorhaben sind im Norden von Epi und an weiteren Standorten auf Efate geplant.

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Ernährungs- und Existenzsicherung

Bedarfsanalysen, die Oxfam in den Wochen nach dem Zyklon durchführte, ergaben als Prioritäten Nahrungs- und Einkommenssicherung. Die durch den Zyklon zerstörten Vorräte waren nicht nur Nahrungs-, sondern auch wichtige Einnahmequellen, denn ein großer Teil der Bevölkerung lebt vom Anbau und Verkauf von Lebensmitteln. Neben der Unterstützung betroffener Familien und Dörfer, um die Produktion und Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln zu erhöhen, hat Oxfam deshalb auch Projekte zur gezielten Ankurbelung der lokalen Wirtschaft durchgeführt.

Bei sogenannten „Cash-for-Work“-Maßnahmen in Port Vila und Umgebung kooperiert Oxfam mit unterschiedlichen lokalen Initiativen. Dabei werden gezielt Haushalte unterstützt, die besonders stark vom Zyklon betroffen waren, keine andere Erwerbsmöglichkeit haben und dringend ein kurzfristiges Einkommen benötigten. Gegen Lohn helfen die Teilnehmer/innen bei wichtigen Arbeiten in ihrer Nachbarschaft. An Menschen, die vor allem ihre materiellen Einkommensgrundlagen verloren haben, verteilt Oxfam Gutscheine, die in lokalen Geschäften gegen Saatgut, Werkzeug, Materialien und andere dringend benötigte Güter eingetauscht werden können. Neun Dörfer auf Efate unterstützen wir mit Baumaterial.

Nach dem Ende der Nothilfe-Phase ging Oxfam verstärkt dazu über, den betroffenen Gemeinden beim Wiederaufbau und der Einkommenssicherung zu helfen. Wir unterstützen zum Beispiel Haushalte, ihre Einkommensquellen wiederherzustellen bzw. zu diversifizieren. Im Bereich Einkommensgenerierung unterstützt Oxfam Kleinstunternehmer(inne)n u.a. in folgenden Bereichen: Textilproduktion, Backgewerbe, Geflügelhaltung, Erdnussproduktion, Verkaufkooperativen und Betonsteinproduktion. Das Spektrum umfasst z.B. die Identifizierung von Geschäftsideen, Einrichtung und Organisation von Arbeitsgruppen, Vermittlung handwerklicher und unternehmerischer Fähigkeiten, Hilfe bei der Erstellung von Geschäftsplänen, finanzielle Starthilfen sowie Unterstützung bei Qualitätssicherung und Vertrieb. Oxfam arbeitet mit der zuständigen vanuatuischen Behörde für Genossenschaften und Wirtschaftsförderung zusammen, um Schulungen und technische Unterstützung bereitzustellen.

In mehreren Dörfern auf Efate und Epi verteilen wir in Zusammenarbeit mit der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization of the United Nations – FAO) Saatgut, damit die Menschen ihre durch den Sturm verwüsteten Gärten wieder bewirtschaften können. Dies sorgt auch für ein breiteres Angebot von Lebensmitteln auf den lokalen Märkten. Auf beiden Inseln hat Oxfam Werkzeug und andere Materialien für den Wiederaufbau verteilt. Zudem wurden in Eratap auf Efate fünf Baumschulen eingerichtet.

Darüber hinaus finanzieren wir auch die Arbeit lokaler Partner – etwa unsere Partnerorganisation Farm Support Association, die Bäuerinnen und Bauern mit Werkzeug, Saatgut und anderen Materialien sowie mit Weiterbildungen unterstützt.

Das haben wir erreicht:

  • mindestens 5.218 Menschen auf Efate und Epi mit Saatgut ausgestattet;
  • an 5.955 Personen Sets mit Werkzeugen und Gartenmaterialien verteilt;
  • an mindestens 4.579 Frauen und Männer Gutscheine für dringend benötigte Güter verteilt;
  • 1.753 Menschen in Cash-for-Work-Maßnahmen einbezogen;
  • 769 Kleinstunternehmer(innen) geschult;
  • 1.285 Menschen bei der Anzucht von Erdnusspflanzen unterstützt.

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Spezielle Unterstützung

Ein Fokus unserer Not- und Wiederaufbauhilfe liegt auf spezifischen Bedürfnissen, insbesondere von Frauen und Mädchen, Kindern und Jugendlichen sowie von Menschen mit Behinderungen – vor allem im Hinblick auf einen fairen Zugang zu Hilfsgütern und Ressourcen, die für Wiederaufbauaktivitäten benötigt werden. Die geschlechter- und behindertengerechte Durchführung von Hilfsprojekten ist ein Querschnittsthema der gesamten Programmarbeit von Oxfam in Vanuatu.

Häufig werden die besonderen Umstände, unter denen sich diese Gruppen nach Katastrophen zurechtfinden müssen, nicht ausreichend berücksichtigt. Zu ihrer Unterstützung hat Oxfam eine Reihe von Initiativen ergriffen, etwa den Bau behindertengerechter Latrinen, Verteilungen von Materialien für die Monatshygiene und die Möglichkeit, speziell für Frauen, sich neue Einkommen zu schaffen.

Maßnahmen zur Förderung von Frauen umfassen z. B. die Vermittlung neuer Fähigkeiten bei der Planung von Sanitär-Einrichtungen auf Gemeindeebene, beim Latrinenbau und beim Wassermanagement. Ziel ist es, die Situation von Frauen kontinuierlich zu verbessern und ihre Beteiligung und Mitbestimmung in den Gemeindekomitees zu erhöhen.

Oxfam setzt sich zudem dafür ein, dass die Interessen von Frauen sowie Menschen mit Behinderungen in den nationalen Planungen zur Nothilfe und zum Wiederaufbau stärker berücksichtigt werden. In der Provinz Shefa arbeitet Oxfam beim Wiederaufbau eng mit Behindertenorganisationen und dorfbasierten Frauengruppen zusammen.

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Koordination

Oxfam koordiniert das Humanitäre Team in Vanuatu (Vanuatu Humanitarian Team – VHT) seit seiner Gründung im Jahr 2011. Elf Hilfsorganisationen, darunter auch die Vereinten Nationen und das Rote Kreuz, stimmen die Nothilfe und Katastrophenvorsorge in Vanuatu untereinander ab. Das VHT unterstützt die Regierung des Inselstaates und arbeitet eng mit der Behörde für Katastrophenmanagement (National Disaster Management Office – NDMO) zusammen. Im Verlauf der Nothilfe nach dem Zyklon stieg die Zahl der teilnehmenden Organisationen vorübergehend auf über 50.

Als VHT-Koordinator steht Oxfam mit den anderen Mitgliedern in engem Austausch und ist in allen Arbeitsgruppen vertreten, in denen Hilfsaktivitäten geplant und abgestimmt werden. Das VHT hat auch das NDMO dabei unterstützt, den konkreten Fortschritt der Nothilfe auf Vanuatu zu überwachen und darüber Bericht zu erstatten. Basierend auf den bisherigen Erfahrungen hat das VHT seine Koordinationsmaßnahmen und Vorbereitungen in Hinblick auf die aktuelle Zyklon-Saison angepasst. Das VHT arbeitet auch in der Wiederaufbauphase eng mit dem NDMO zusammen und unterstützt die Regierung in Vanuatu bei der Erstellung eines Fünfjahresplanes, bei dem es u.a. um eine noch bessere Koordinierung der unterschiedlichen Akteure im Fall künftiger Naturkatastrophen geht.

In enger Abstimmung mit drei weiteren großen internationalen Hilfsorganisationen führt Oxfam zudem ein umfassendes, von der australischen Regierung finanziertes Nothilfeprojekt im Umfang von ca. 1,9 Mio. Euro durch.

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Kooperation mit Partnern

Oxfam arbeitet auf Vanuatu bereits seit vielen Jahren mit lokalen Partnern zusammen, die wir sowohl bei ihren Projektaktivitäten als auch beim Aufbau von Kapazitäten unterstützen. Im Zuge der Nothilfe nach dem Zyklon haben wir insbesondere mit den lokalen Organisationen Wan Smolbag, Farm Support Association (FSA) und Vanuatu Society for Disabled People kooperiert. Durch die Partnerschaft mit Hilfsorganisationen vor Ort stellen wir sicher, dass die Nothilfe schnell, nachhaltig und dem Kontext angemessen erfolgt. Unter anderem wurden:

  • 43.323 Mahlzeiten durch Wan Smolbag verteilt (durchschnittlich 515 Mahlzeiten pro Tag);
  • 175 Haushalte aus 10 Dörfern mit Saatgut versorgt (Wan Smolbag);
  • 1.602 Menschen in der von Wan Smolbag betriebenen Gesundheitsstation auf Efate ärztlich versorgt (insgesamt 2.232 Termine);
  • 160 landwirtschaftliche Unternehmen auf den Inseln Efate, Tanna und Paama durch FSA mit Geräten, Materialien und Schulungen unterstützt.

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Evaluierung

Im Mai 2015 wurde eine Evaluierung der laufenden Hilfsmaßnahmen von Oxfam durchgeführt (sogenannte Real-Time Evaluation – RTE). Auf der Grundlage der Ergebnisse dieser Evaluation wurden gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Programmqualität ergriffen, insbesondere durch entsprechende Weiterbildung von Oxfam-Personal. Eine simple, aber wichtige Neuerung war die Einrichtung von Schwarzen Brettern in den Gemeinden,  um die betroffene Bevölkerung noch direkter über die Aktivitäten von Oxfam zu informieren.

Ebenfalls wurde bei den Rechenschaftsmechanismen nachgebessert, damit die betroffene Bevölkerung so einfach wie möglich mit uns in Kontakt treten kann, um Fragen zu stellen, Vorschläge zu machen oder Beschwerden zum Programm vorzubringen. Eine Abschlussevaluation des humanitären Programms von Oxfam nach dem Zyklon Pam ist für Mai 2016 geplant.

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