G8-Reaktionen

In Kürze

Oxfams Reaktion auf das G8-Kommuniqué, 26.06.2010

Am Ende des G8-Gipfels wird klar, dass die Staats- und Regierungschefs ihre Versprechen von Gleneagles, die Entwicklungshilfe bis 2010 um 50 Mrd. zu erhöhen, nicht eingehalten haben. Davon kann auch die Initiative gegen Kinder- und Müttersterblichkeit nicht ablenken.

“Es gibt kein Ahornblatt, dass groß genug wäre, um die Schande von Kanadas G8-Gipfel der gebrochenen Versprechen zu bedecken. Dieser G8 hinterlässt ein trauriges Vermächtnis: Kinder, die keine Schule besuchen können, Kranke, die keinen Zugang zu Medikamenten haben und Hungernde, die nicht wissen, wovon sie sich ernähren sollen“, so Jörn Kalinski von Oxfam Deutschland.

Angesichts der stagnierenden Gesamtbudgets für Entwicklungszusammenarbeit ist es sehr wahrscheinlich, dass für die 5-Mrd-Dollar-Initiative für Kinder- und Müttergesundheit Mittel aus anderen wichtigen Entwicklungshilfebereichen abgezogen werden, warnt Oxfam. Möglicherweise würde bei Bildung oder Ernährungssicherheit gespart.  

„In diesem Jahr ist Kinder- und Müttersterblichkeit die große Schlagzeile, im vergangenen Jahr waren es Ernährungssicherung und der Kampf gegen den Hunger. Wenn die Entwicklungshilfe aber insgesamt nicht steigt, wird nur Geld innerhalb des Budgets hin- und hergeschoben. Das einzige Versprechen, das zählt, ist das aus 2005 von Gleneagles. Und dieses Versprechen haben die G8 heute hier in Huntsville begraben.“

Dorothy Ngoma, Geschäftsführerin der Organisation der malawischen Hebammen und Krankenschwestern, fügt hinzu:„Als Hebamme weiß ich, wie wichtig es ist, in die Gesundheit von Müttern zu investieren. Aber ich weiß auch, wie wichtig es ist, genug zu essen und sauberes Wasser zu haben. Niemand sollte gezwungen werden, hier eine Wahl treffen zu müssen. Neue Versprechen nützen nicht viel, wenn die alten nicht gehalten werden.“

Auf dem letzten Gipfel, 2009 im italienischen L’Aquila, haben die Geber 22 Mrd. Dollar über den Zeitraum von drei Jahren zugesagt, um die Landwirtschaft in Entwicklungsländern zu unterstützen. Aber laut Oxfam-Berechnungen sind davon höchstens 6 Mrd. neues Geld. Außerdem werden diese Mittel zum Teil zweimal abgerechnet, zum Beispiel gleichzeitig als Unterstützung der G8 für arme Länder zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels

„Anstatt neues Geld für alte Versprechen gibt es nur altes Geld, das schon einmal versprochen wurde – recycled und umetikettiert“, so Jörn Kalinski.

Oxfam fordert Frankreich als Gastgeber des nächstens G8-Gipfels auf, die G8 Rechenschaft ablegen zu lassen  und das Engagement der G8 für die armen Länder neu zu beleben.

Der Blick richtet sich jetzt auf die G20. Oxfam begrüßt, dass Entwicklungsthemen beginnen, im Rahmen der G20 eine Rolle zu spielen und fordert die Staats- und Regierungschefs auf, den armen Ländern einen Platz am Verhandlungstisch einzuräumen. „Die G20 dürfen nicht den Fehler der G8 wiederholen und Afrika nur zum Fototermin einladen“, so Kalinski.

Oxfam fordert von den G20, eine Finanztransaktionssteuer einzuführen, um so die nötigen Mittel für den Kampf gegen Armut und Klimawandel aufzubringen.

„Nach dem Skandal der gebrochenen G8-Versprechen, haben die G20 nun die Chance, Stellung zu beziehen und Hilfe für die Armen zu leisten“, so der Schauspieler und Oxfam-Botschafter Bill Nighy, der in einem Kurzfilm zur Unterstützung der Robin-Hood-Kampagne für eine Finanztransaktionssteuer eintritt. „Eine Robin-Hood-Steuer auf Banken ist eine einfache aber brillante Idee, um Hunderte Milliarden von Dollar zu generieren, um Millionen armer Menschen zu helfen, die am härtesten von der Wirtschaftskrise, Hunger und Klimawandel betroffen sind.“