• 22. März 2012

Eine ganze Kultur muss umziehen

Der steigende Meeresspiegel macht die Carteret-Inseln unbewohnbar

„Wir, die Bewohner/innen der Carteret-Inseln, können nicht länger warten, denn unsere Inseln schrumpfen“, sagt Ursula Rakova. Sie lebt auf der Insel Huene, die vor kurzem in zwei kleinere Inseln zerbrochen ist und jetzt rapide kleiner wird. „Wenn die Flut hoch steht, kann man sehen, wie das Salzwasser aus dem Boden hervorquillt. Wir können keine Gemüsegärten mehr anlegen.”

Der höchste Punkt der Inselgruppe liegt 1,5 Meter über dem Meeresspiegel

Die Tage des Carteret-Atolls sind gezählt: Im Zeitraum von einer Generation ist die Küstenlinie um 18-20 Meter zurückgewichen, trotz aller Versuche, die Küsten gegen das Vordringen des Pazifischen Ozeans zu schützen. „Wir werden sehr bald unsere Heimat verlassen müssen“, sagt Ursula Rakova.

Im November 2005 hat die Regierung von Papua-Neuguinea einen Evakuationsplan für die Inseln beschlossen: Immer zehn Familien gleichzeitig werden auf die nächstgrößere Nachbarinsel umgesiedelt – die ist fast 130 Kilometer entfernt.

„Ich würde diese Insel gern an meine Tochter weitergeben. Aber ich werde nicht in der Lage sein, das zu tun.“

Für Ursula Rakova ist das Verschwinden ihrer Heimat sehr schmerzlich. „Auf den Carteret-Inseln gehört das Land traditionell den Frauen“, erklärt sie. „Meine Großmutter gab unser Land weiter an meine Mutter, und dann bekam ich es. In zehn Jahren würde ich diese Insel gern an meine Tochter weitergeben. Aber ich werde nicht in der Lage sein, das zu tun.“

Es ist eine bittere Ironie, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der Carteret-Inseln, die fast den geringsten CO2-Ausstoß weltweit haben, zu den Ersten zählen werden, die ihre Insel aufgrund der Emissionen anderer Länder verlassen müssen. Denn es ist die globale Erwärmung, die den Meeresspiegel ansteigen lässt und dadurch kleine Inseln mit dem Untergang bedroht.