• 19. April 2012

Malis misslungene Ernte

Es sind Millimeter, die in Mali über das Leben entscheiden. Die Millimeter an jährlichem Niederschlag, die aus Wüste Gärten machen und aus Gärten Wüste.

Modiba Keita ist heute nur zu seinem Hirse-Feld gegangen, weil Oxfam und die Partnerorganisation Stop Sahel zu Besuch gekommen sind. Sonst hätte er sich sein Feld nicht mehr angesehen – grün müsste die Hirse jetzt dort stehen, die Kolben voll mit kleinen, gelben Hirsekörnern.

Doch das Feld ist gelb und staubtrocken, die Hirsekörner klein und viel zu leicht. Und dabei ist jetzt, im November, die Regenzeit gerade vorbei. Den nächsten Regen gibt es erst nächsten Sommer. Jetzt ist Zeit zu ernten. Modiba Keita fürchtet um seine weitläufige Familie. 80 Personen müssen satt werden. Dafür braucht der Clan täglich rund 30 Kilo Hirse. Statt der früheren acht Tonnen wird sein Feld aber nur zwei Tonnen Hirse hergeben.

„Ich habe Angst, dass ich meine Kinder bald hungrig zu Bett schicken muss.“

Mali gehört zu den ärmsten Ländern der Erde. Die meisten Menschen leben von der Landwirtschaft. Sie bearbeiten ihre Felder mit einfachen Werkzeugen. Sie können sich gerade so ernähren, manchmal etwas Zwiebeln oder Baumwolle verkaufen. Laut Regierung wurde die Ernteprognose diesmal um zwei Millionen Tonnen Getreide verfehlt.

Die globale Erwärmung treibt die Temperaturen hier am Rande der Sahara immer höher. Je heißer es wird, desto schneller verdunstet das wenige Wasser. Schon jetzt gibt es Gegenden im Land, wo mehr als viermal mehr Niederschläge verdunsten, als niederkommen. „Die Zonen mit genug Regen sind in den letzten zehn, fünfzehn Jahren bis zu 200 Kilometer nach Süden gewandert“, sagt Barou Mamadou Coulibaly von Stop Sahel, Oxfams malische Partnerorganisation, die sich seit 1988 um den Schutz der Umwelt und nachhaltige Entwicklung bemüht.

Modiba Keita kann sich nicht erklären, wer für das Verdorren seines Feldes verantwortlich ist. Er sieht sich nicht als Zeuge des Klimawandels. Er gibt Gott die Schuld. Er überlegt wegzugehen, irgendwohin, wo man Geld verdienen kann – die Heimat zu verlassen, in der seine Familie seit Generationen den fruchtbaren Boden bewirtschaftet.

Länder wie Mali in Gefahr

Die globale Erwärmung, die Ländern wie Mali zu schaffen macht, wird durch den weltweiten Ausstoß von Kohlendioxid verursacht. In Mali ist der CO2-Ausstoß sehr gering, weniger als eine Tonne pro Mensch und Jahr (Deutschland: 10 Tonnen). Mali erzeugt seine Energie mehrheitlich mit Wasserkraft. Die Verantwortlichen für den Klimawandel sitzen nicht hier, sondern in den reichen Industrienationen. Wir brauchen ein verbindliches, internationales Klimaschutzabkommen damit der Ausstoß an CO2 weiter gebremst wird und Familien wie die Keitas nicht weiter gefährdet werden.