Zika-Virus: Die Angst vor dem Mückenstich

Moskito

In Kürze

Was wir über Zika wissen – und was wir nicht wissen

Am 1. Februar hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Zika-Ausbruch zu einer "Gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite"  erklärt. Nicht wegen dem, was bis dato über Zika, einer vergleichsweise eher harmlosen mückenübertragenen Erkrankung, bekannt ist, sondern wegen dem, was Gesundheitsexperten der WHO noch nicht sicher wissen: in welchem Zusammenhang Cluster von Mikrozephalie und anderen neuologischen Erkrankungen – wie dem Guillan-Barré-Syndrom  – mit Zikavirus-Ausbrüchen stehen. So kommt es im Norden Brasilien, der überproportional von der Ausbreitung des Virus betroffen ist,  zu einer auffällig hohen Zahl von Neugeborenen mit Fehlbildungen am Kopf.

Derzeit breitet sich das Virus in über 20 Ländern Mittel- und Südamerikas und den Kapverdischen Inseln aus. Da die Überträger-Mücken in allen tropischen und einigen subtropischen Gebieten der Welt verbreitet sind, wird es vermutlich zu weiteren Ausbrüchen kommen.

Die Zikaviren werden in den meisten Fällen durch den Stich infizierter Gelbfiedermücken (Aedes aegypti) übertragen. Diese Mücken übertragen auch Dengue und Chikungunya, die weitaus stärkere Symptome als Zika zeigen und an denen jährlich über 100 Millionen erkranken. Auch eine sexuelle Übertragung oder über Speichel und Urin können nicht ausgeschlossen werden und werden derzeit noch erforscht.

Die Symptome einer Zika-Infektion sind im Vergleich zu anderen tropischen, mückenübertragenen Erkrankungen vergleichsweise harmlos. Bei rund 20% der Infizierten kommt es zu Hautauschlag, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen, Bindehautentzündung und Fieber, das nach wenigen Tagen wieder abklingt. Gefährlich ist das Zika-Virus jedoch möglicherweise für Schwangere: Das Virus steht in dringendem Verdacht, bei Kindern im Mutterleib gefährliche Hirnfehlbildungen (Mikrozyphalie) zu verursachen. Der genaue Zusammenhang wird derzeit noch untersucht.  Auch ein Zusammenhang von Zika und dem Guillan-Barré-Syndrom, einer Erkrankung der peripheren Nerven, wird befürchtet und derzeit untersucht.  

Derzeit gibt es weder einen Impfstoff noch Medikamente, mit dem sich Zikavirus-Infektionen gezielt behandeln lassen. Da bis zum aktuellen Ausbruchsgeschehen in Mittel- und Südamerika nur bekannt war, dass Infizierte nicht schwer erkranken, war das Virus bislang kein Kandidat für die Impfstoffentwicklung. Im Zuge der Ebola-Epidemie in Westafrika hat die Weltgesundheitsorganisation ein Rahmenkonzept für ein schnelleres Reagieren in der Entwicklung von Diagnostika, Impfstoffen  und Therapien erstellt, das nun zur Bekämpfung der Zika-Virus-Ausbreitung Anwendung findet.  Es braucht aber mindestens 18 Monate, bis ein geeigneter Impfstoff verfügbar ist.

Dennoch zeigt auch Zika, dass zu wenig in Forschung für vernachlässigte tropische Krankheiten investiert wird und dass die arme Bevölkerung von Epidemien wie Zika überproportional betroffen ist. Der Zika-Virus ist eine weitere Erinnerung daran, dass wir ein System der medizinischen Forschung benötigen, dass die Patienten vor den Profit stellt.

 

Hintergründe

Was macht Oxfam?

Oxfam arbeitet in elf der vom ZIKA-Virus betroffenen Länder und hat eine Task Force eingerichtet, welche die rasante Entwicklung eng verfolgt und an einer adäquaten Reaktionsstrategie arbeitet, die dazu beitragen soll, das Zika-Infektionsrisiko für Menschen in betroffenen Regionen zu reduzieren.

Oxfam fördert Gesundheitsprogramme in einigen der Zika „Hot-Spots“ und unterstützt die Menschen vor Ort bei der Verbesserung der Abwasserentsorgung und dem Schutz von Wasserspeichern und -behältern  zur Reduzierung von Mücken-Brutstätten. Oxfam  fördert den Zugang zu Informationen über Zika in lokalen Sprachen, die zur Bekämpfung von Gerüchten und Fehlinformationen beitragen.

Was muss getan werden?

Die Weltgesundheitsorganisation hat sich für eine verstärkte Überwachung und Mittel zur Kontrolle von Mückenpopulationen und ihrem Kontakt mit Menschen ausgesprochen.

Sie empfiehlt die Benutzung von Mückenschutzmittel, das Tragen vorzugweise heller Kleidung, die den größten Teil des Körpers bedeckt, das Schlafen unter Moskito-Netzen sowie Fenster und Türen geschlossen zu halten. Wasserbehälter wie Kübel, Vasen oder Reifen müssen zugedeckt, geleert oder gesäubert werden, so dass Mücken-Brutstätten vernichtet werden.

Ebola hat uns gezeigt, dass ein besonderer Fokus auf die Beteiligung der lokalen Gemeinschaften gelegt werden sollte. Die Menschen müssen in die Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Infektionskontrolle mit einbezogen werden. Eine Zusammenarbeit mit Menschen, die auf lokaler Ebene Vertrauen genießen und die Nutzung von Massenmedien oder Mobiltechnologie sind unerlässlich.

Da ein Zusammenhang zwischen Zika und Mikrozephalie nicht ausgeschlossen werden kann, müssen Frauen und Männer in den betroffenen Gebieten umfangreich über Zika und mögliche Konsequenzen für Schwangere informiert werden und Zugang zu Familienplanung und Verhütungsmitteln haben. Schwangere sollte sich in besonderem Maße vor den Mücken schützen.

Ist Zika eine Armutskrankheit?

Die Gelbfiebermücke, die Zika überträgt, kann jeden stechen. Dennoch zeigen erste Berichte, dass es eine Häufung von Fällen in ärmeren, dicht bewohnten Gebieten gibt. Dies mag daran liegen, dass arme Menschen häufig keinen Zugang zu fließendem, sauberen Wasser, effektiver und hygienischer Abwasserversorgung, öffentlichen und kostenfreien Gesundheitsdienstleistungen und Mitteln zur Moskito-Bekämpfung haben.

Sollte es eine Verbindung zwischen Zika und Mikrozephalie geben, wird dies eine enorme Belastung für die Frauen sein, die sich um die Kinder kümmern müssen – häufig ein Leben lang. Dies wird das Einkommen der Familie reduzieren und eine größere Bürde für den Rest der Familie darstellen - insbesondere dann, wenn die Mutter dadurch nicht oder weniger zum Lebensunterhalt beitragen kann.