Arbeitsrechte in Unternehmen
Foto: Arbeiter/innen strömen frühmorgens zur Fabrik
Die Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter am Ende der Lieferkette werden oft mißachtet. © Ami Vitale/Oxfam

Arbeitsrechte in Unternehmen

Die Einkaufspraktiken global agierender Unternehmen wie H&M, El Corte Inglés, Wal-Mart oder auch großer Sportartikelfirmen wie Puma, Nike und adidas sind eine der Hauptursachen für die oft ausbeuterischen Arbeitsbedingungen am unteren Ende der Lieferkette. Die Einkaufsteams der Unternehmen üben Druck auf die Zulieferer in Entwicklungsländern aus und verlangen immer billigere und schnellere „Just-in-time"-Lieferungen. Die Zulieferer wälzen dann den Druck auf die Arbeiter/-innen in ihren Betrieben ab. Dies führt zu Überstunden, Hungerlöhnen und unsicheren Arbeitsverhältnissen.

Oxfam fordert daher die Unternehmen auf, ihre Einkaufspolitiken zu ändern. Ebenso wichtig ist, dass die Politik gesetzlich regelt, dass Unternehmen für die Einhaltung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen in ihrer Lieferkette sorgen müssen.

02 | Februar | 2012

Oxfam-Studie „Bittere Bananen“ stößt auf breite Resonanz

Die Studie „Bittere Bananen“, die Oxfam Deutschland Ende Dezember 2011 veröffentlicht hat, ist nicht nur bei den Medien auf breite Resonanz gestoßen. Inzwischen haben Fruchtvermarkter und Supermarktketten Gesprächsbereitschaft signalisiert. Lehrer/innen haben die Studie für den Unterricht zum Thema Wirtschaft und Menschenrechte bestellt.

Für den Report „Bittere Bananen“ waren 117 Arbeiter/innen in Ecuador befragt worden, die auf Plantagen und in der Verpackung der drei Bananen-Produzenten Noboa, Dole und Reybanpac sowie für deren Zulieferer arbeiten. Die Studie belegt untragbare Arbeitsbedingungen wie Hungerlöhne und Pestizidbelastung. Zugleich wird dargestellt, dass deutsche Supermarktketten durch ihre Preispolitik für diese Verletzungen der Arbeitsrechte mitverantwortlich sind. Oxfam Deutschland wird sich mit Vertreter/innen der Supermarktketten und Fruchtvermarkter treffen.

Zu den in der Studie angesprochenen Problemen gehören die Löhne. Sie reichen nicht aus, um eine Familie zu ernähren. Der durchschnittlich gezahlte Nettolohn liegt laut der befragten Bananenarbeiter/innen bei lediglich rund 237 US-Dollar, deutlich unter der staatlich definierten Armutsgrenze von 544 US-Dollar für eine vierköpfige Familie. Insgesamt gaben 83 Prozent der Befragten ein Familieneinkommen unterhalb der Armutsgrenze an.

Daneben gefährdet der Einsatz von Pestiziden die Gesundheit der Plantagenarbeiter/innen und Anwohner/innen. Obwohl das ecuadorianische Gesetz dies verbietet, werden immer noch gefährliche Pestizide von Flugzeugen aus auf die Felder gesprüht. 90 Prozent der Befragten auf den Zulieferplantagen gaben an, dass dies während ihrer Arbeitszeit erfolgte. Nach Aussage der auf den Plantagen von Noboa Befragten hatten sie keinerlei Schutzkleidung gegen Pestizide oder Arbeitsunfälle erhalten.

Oxfam fordert von den Supermarktkonzernen soziale Selbstverpflichtungen, die einen fairen Umgang mit Lieferanten und den dort Beschäftigten vorschreiben. Ebenso muss die Bundesregierung handeln: Sie muss die Einhaltung sozialer Mindeststandards innerhalb der Lieferkette gesetzlich vorschreiben und sicherstellen, dass unfaire Einkaufspraktiken kartellrechtlich verboten werden.

Die Studie basiert auf der von Oxfam Deutschland in Auftrag gegebenen Untersuchung durch die unabhängige ecuadorianische Forschungseinrichtung zu Agrarfragen SIPAE (Sistema de Investigación de la Problemática Agraria de Ecuador).

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07 | März | 2011

ISO 26 000 soll Unternehmen helfen, sozial verantwortlich zu handeln

Wer dem neuen globalen Leitfaden zur sozialen Verantwortung von Unternehmen und Organisationen folgt, darf auch in Zulieferbetrieben keine ausbeuterischen Arbeitsbedingungen dulden. Oxfam Deutschland hat die Verhandlungen zu ISO 26 000 seit 2007 begleitet und, gemeinsam mit anderen Nichteregierungsorganisationen, maßgeblich beeinflusst.
Hintergrund

Indische Landarbeiterinnen ernten täglich bis zu zehn Stunden lang Obst und Gemüse für die deutsche Metro-Gruppe, bekommen dafür aber nur 85 Eurocent Lohn. Das reicht selbst in Indien bei Weitem nicht aus, um eine Familie zu ernähren.

Der Ende 2010 verabschiedete Leitfaden ISO 26 000 soll Unternehmen dabei helfen, solche Missstände in ihrer Lieferkette zu beseitigen. Das war jedenfalls die Absicht der Verbraucherorganisationen und anderer Interessengruppen, die 2004 den Prozess bei der Internationalen Normungsorganisation (ISO) ins Leben riefen. Ob sie ihr Ziel wirklich erreicht haben, muss sich erst noch zeigen.

Entgegen früherer Gepflogenheiten waren bei der Entwicklung des Leitfadens zum ersten Mal Vertreter verschiedener Interessensgruppen vertreten: Unternehmen, Zivilgesellschaft, Gewerkschaften, Verbraucherorganisationen und Wissenschaft sowie Beratungsfirmen aus Industrie- und Entwicklungsländern weltweit. Gemeinsam mit anderen Nichtregierungsorganisationen konnte Oxfam sicherstellen, dass wesentliche Kernelemente sozialer Unternehmensverantwortung in das Regelwerk aufgenommen wurden.

Gesellschaftliche Verantwortung

So schließt bereits die Definition gesellschaftlicher Verantwortung auch die Geschäftspartner und Zulieferer von Organisationen und Unternehmen mit ein. Beispielsweise muss eine Firma, die dem Leitfaden folgt, dafür sorgen, dass in ihrer Lieferkette keine Kinderarbeit stattfindet.

Auch ist zu begrüßen, dass sich die Organisationen und Unternehmen mit allen Kernthemen der sozialen Verantwortung, angefangen von Menschen- und Arbeitsrechten, über Umwelt- und Verbraucherschutz, bis hin zu fairem Geschäftsgebaren und dem Verhalten gegenüber indigenen Bevölkerungsgruppen zumindest auseinandersetzen müssen. ISO 26 000 ist der erste Verhaltenskodex in diesem Bereich, der ausdrücklich vorsieht, Zulieferern faire Preise zu zahlen und angemessene Lieferzeiten einzuräumen.

Probleme des freiwilligen Verhaltenskodexes

Das große Manko des freiwilligen Verhaltenskodex ist, neben vagen Formulierungen, jedoch die Tatsache, dass seine Einhaltung ausdrücklich nicht überprüft wird. Es fehlt an konkreten Vorgaben, wie Unternehmen die Arbeitsbedingungen bei Zulieferern verbessern können. Außerdem steht jedem Unternehmen frei, ob es den Leitfaden befolgt oder nicht. Daher ist zu befürchten, dass sich viele Unternehmen auf die Einhaltung von ISO 26 000 berufen werden, ohne dies wirklich zu tun. Mit anderen Worten: Es besteht die Gefahr des „Greenwashing“. Bereits jetzt gibt es im Internet zahlreiche Angebote zur „Zertifizierung“ nach ISO 26 000, obwohl eine Zertifizierung in dem Leitfaden offiziell ausgeschlossen ist.

Trotz dieser Missbrauchsgefahr ist der Leitfaden ein Schritt in die richtige Richtung, denn er stellt klar, was gesellschaftliche Unternehmensverantwortung bedeutet. Die mangelnde Einhaltung von Umweltstandards und Menschenrechten, auch in der Lieferkette, kann eben nicht durch die Förderung eines lokalen Turnvereins kompensiert werden. Durch Bewusstseinsbildung kann ISO 26 000 Unternehmen dazu bringen, Umwelt- und Menschenrechte stärker zu achten.

Heutzutage stammen die Waren in Supermärkten und Bekleidungsgeschäften aus Fabriken und Farmen auf der ganzen Welt. Doch anstatt dass sich die Arbeiter/-innen aus der Armut befreien, werden sie systematisch um ihren gerechten Anteil an den Früchten der Globalisierung betrogen.

Üblicherweise auf der Basis von Kurzzeitarbeitsverträgen beschäftigt oder ganz ohne Arbeitsvertrag arbeiten die meisten Frauen unter großem Zeitdruck für Hungerlöhne unter oft gesundheitsschädlichen Bedingungen. Oft sind sie gezwungen, viele Überstunden einzulegen, um mit ihrem Lohn auszukommen. Die meisten bekommen weder Mutterschutz noch Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Die wenigsten treten in eine Gewerkschaft ein.

Eine der Hauptursachen für die unsicheren Beschäftigungsverhältnisse ist das neue Unternehmenskonzept: Durch internationale Fusionen und aggressive Preispolitiken hat sich die Marktmacht in der Hand einiger weniger Einzelhandelsunternehmen konzentriert. Unternehmen in der Größenordung von Wal-Mart (Umsatz im US-amerikanischen Finanzjahr 2009 401 Milliarden US-Dollar) oder Metro (Umsatz im Jahr 2008 68 Milliarden €) haben eine enorme Machtposition, durch die sie ihre Kosten und Geschäftsrisiken auf ihre Lieferanten verlagern können. Und diesen Druck verlagern die Lieferanten dann auf ihre Beschäftigten.

  • Seit der "Play Fair bei Olympia"-Kampagne im Jahr 2004 fordert Oxfam von Unternehmen, dass sie ihre Einkaufspraktiken ändern und so ihren Lieferanten ermöglichen, menschenwürdige Arbeitsbedingungen durchzusetzen.Oxfam Deutschland ist aber auch der Auffassung, dass gesetzliche Reglungen eingeführt werden müssen, die vorsehen, dass Unternehmen bei sich und in ihrer Lieferkette menschenwürdige Arbeitsbedingungen durchsetzen.
  • Insbesondere sollte die Politik Publizitätspflichten einführen, nach denen Unternehmen offenlegen müssen, wo und unter welchen sozialen und ökologischen Bedingungen sie produzieren.
  • Es sollten Haftungsregeln eingeführt werden, nach denen Unternehmen für die von ihnen zu verantwortende Missachtung der Menschen- und Arbeitsrechte durch ihre Zulieferer haften.

Oxfam Deutschland engagiert sich daher auf nationaler Ebene in dem Netzwerk Corporate Accountability ( CorA, www.cora-netz.de) und auf EU-Ebene in dem Netzwerk European Coalition for Corporate Justice (ECCJ, www.corporatejustice.org), die sich für die Einführung gesetzlicher Regelungen für die Durchsetzung sozialer und Umweltstandards in der Lieferkette von Unternehmen einsetzen.