Gelder für Entwicklung
Eine Frau hält ein Bündel Zwiebeln in die Luft
Entwicklungshilfe kann Existenzen sichern. © Kieran Doherty/Oxfam
Foto: Hände vor Wandtafel
Industrienationen müssen arme Länder bei der Armutsbekämpfung unterstützen. © Geoff Sayer/Oxfam
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Gelder für Entwicklung

Um Entwicklung fördern zu können, sind ausreichende Finanzmittel unerlässlich. Die Regierungen armer Länder stehen daher in der Verantwortung, ihre eigenen Einnahmen zu steigern und mehr Mittel für zentrale Bereiche der Armutsbekämpfung, wie Bildung, Gesundheitsfürsorge und die Entwicklung des ländlichen Raums, aufzubringen. Die reichen Industrienationen, beispielsweise Deutschland, müssen arme Länder bei der Armutsbekämpfung unterstützen und vor allem ihre Versprechen zur Erhöhung der Entwicklungshilfe einhalten.

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05 | April | 2013

Gefährlicher Abwärtstrend: Immer weniger Geld für Entwicklungszusammenarbeit

Foto: Mann hält Geldschien in seiner Hand
Geoff Sayer/OXFAM

Reiche Länder haben 2012 weniger Geld für Entwicklungshilfe ausgegeben als im Vorjahr. Dies ist bereits die zweite Kürzung in Folge, nachdem auch 2011 die Mittel für Entwicklung gesunken waren.

Diese besorgniserregenden Zahlen veröffentlichte in dieser Woche die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Weltweit wird bei den Ärmsten gespart

In Zahlen ausgedrückt heißt das:

  • Die weltweite öffentliche Entwicklungszusammenarbeit (ODA) sank von 133,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2011 auf 125,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2012.
  • Die Kürzungen treffen besonders die ärmsten Länder (LDCs). Hier kamen 2012 insgesamt 12,8 Prozent weniger Gelder an als im Vorjahr.

Für Menschen in armen Ländern bedeutet weniger Entwicklungsfinanzierung häufig weniger Zugang zu Trinkwasser, Nahrungsmitteln und lebensrettenden Medikamenten. Schon vor den aktuellen ODA-Kürzungen hat die Finanzkrise die Haushalte vieler armer Länder enorm belastet. Gleichzeitig kämpfen sie mit gestiegenen Nahrungsmittelpreisen und den immensen Kosten des Klimawandels.

Am drastischsten kürzten die von der Eurokrise betroffenen Länder Spanien, Italien, Griechenland und Portugal ihre Entwicklungsetats. Aber auch Deutschland, Frankreich, die Niederlande und Belgien nahmen Kürzungen vor. Die Zusage, bis 2015 mindestens 0,7 Prozent ihres Bruttonationaleinkommens für Entwicklung auszugeben, gerät damit in den meisten reichen Ländern endgültig außer Reichweite.

Deutschland gab 2012 zum Beispiel nur 0,38 Prozent seines Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit aus. Und im neuen Haushaltsjahr setzt sich der Trend fort: 2013 hat sich der Etat für Entwicklung um 87 Millionen verkleinert, und auch für 2014 sind schon weitere Kürzungen geplant. 

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Dabei ginge es auch anders: Dass zum Beispiel Großbritannien trotz schwieriger Wirtschaftslage das 0,7-Prozent-Ziel erreichen wird, zeigt deutlich, dass es sich bei den Beschlüssen um eine Frage der Prioritäten und des politischen Willens handelt. Auch Einnahmen aus der geplanten Finanztransaktionssteuer, die sich allein in Deutschland auf schätzungsweise zehn Milliarden Euro jährlich belaufen werden, sollten dazu genutzt werden, der globalen Verantwortung nachzukommen, statt Haushaltssanierungen auf Kosten der Ärmsten vorzunehmen.

Fordern Sie Angela Merkel und Peer Steinbrück dazu auf, Gelder aus der Finanztransaktionssteuer für weltweite Armutsbekämpfung zu verwenden!

E-Mail an die Spitzenkandidaten senden
26 | März | 2013

Großbritannien erfüllt Entwicklungszusagen, Deutschland enttäuscht erneut

Die britische Regierung hat angekündigt, ihre internationalen Versprechen einzulösen: Trotz schwieriger Wirtschaftslage wird Großbritannien in diesem Jahr 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) für Entwicklung ausgeben. Damit ist Großbritannien das erste G8-Land, das dieses Ziel erreichen wird.Die Bundesregierung hingegen scheint sich mit dem Eckwertebeschluss zum Bundeshaushalt 2014 vergangene Woche wohl endgültig von ihrer globalen Verantwortung verabschieden zu wollen.

Dieser Beschluss sieht vor, den Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung um 14 Million Euro auf 6,28 Milliarden Euro zu kürzen. Doch die reale Kürzung ist weitaus höher. 231 Millionen Euro für Programmausgaben für den internationalen Klima- und Umweltschutz sind aus dem Sondervermögen Energie- und Klimafonds (EKF) in den BMZ-Etat verschoben und eingerechnet worden. Diese Mittel aus dem EKF standen im vergangenen  Jahr noch zusätzlich zum BMZ-Haushalt zur Verfügung. De facto bedeutet dies also eine Kürzung des BMZ-Haushaltes um insgesamt 245 Millionen Euro – satte 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bereits im letzten Jahr waren die Mittel für das BMZ um 86 Millionen Euro gekürzt worden.

„Mit dem Eckwertebeschluss macht die Bundesregierung erneut eine Rolle rückwärts. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zwar wiederholt betont, das internationale Versprechen umzusetzen, und 0,7 Prozent des BNE für Entwicklung einzusetzen, stattdessen fällt Deutschland weiter hinter andere Geberländer wie Großbritannien, Schweden, Norwegen, Luxemburg, Dänemark und die Niederlande zurück“ , so Jörn Kalinski, Leiter der Lobby- und Kampagnenarbeit bei Oxfam Deutschland.

2011 lag die deutsche Quote lediglich bei 0,39 Prozent. „Statt weiterer Kürzungen und Rechenschiebereien wären mehr Investitionen in die Zukunft armer Ländern angezeigt gewesen. Die Bunderegierung ist gefordert, ein deutliches Signal zu setzen, und sicherzustellen, dass Einnahmen aus der geplanten Finanztransaktionssteuer auch zur Bekämpfung von Armut und Klimawandel eingesetzt werden.“

09 | November | 2012

Oxfam: Armutszeugnis statt globaler Verantwortung

Der Haushaltsauschuss des Deutschen Bundestages hat den Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) um 125 Millionen auf 6,3 Milliarden gekürzt. Marion Lieser, Geschäftsführerin Oxfam Deutschland, kommentiert die Entscheidung.

„Mit dieser Sparmaßnahme wirft die Bundesregierung ihre globale Verantwortung über Bord und betreibt Haushaltskonsolidierung auf dem Rücken der Menschen in armen Ländern.

Bundeskanzlerin Merkel hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, das Ziel, bis 2015 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklung auszugeben, erreichen zu wollen. Nun hat ihr die Regierungsmehrheit im Haushaltsausschuss einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mit der gestrigen Entscheidung hat die Bundesregierung ihre Glaubwürdigkeit in der Entwicklungsfinanzierung endgültig diskreditiert und hat sich ein Armutszeugnis ausgestellt.

13 | April | 2012

Weltweite Entwicklungszusammenarbeit geht zurück

Die Sparbemühungen in reichen Ländern sorgen für ein böses Erwachen: Die Menschen in armen Ländern werden von den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise getroffen, die sie nicht verursacht haben. Das belegen die gesunkenen Zahlen der weltweiten Mittel für Entwicklungszusammenarbeit im Jahr 2011.

DieStatistik der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) von Anfang April zeigt, dass im vergangenen Jahr weltweit 3,4 Milliarden US-Dollar weniger für Entwicklungszusammenarbeit aufgewendet wurden als 2010. Die öffentliche Entwicklungshilfe betrug 2011 insgesamt 133,5 Milliarden US-Dollar.

... als würde man sich Haare abschneiden, um Gewicht zu verlieren.Tobias Hauschild
Experte für Entwicklungs­finanzierung bei Oxfam

Zahlreiche Länder, z.B. Belgien, Griechenland, Österreich und Spanien, haben ihre Mittel zum Teil drastisch reduziert, weil sie ihre Schuldenlast reduzieren und ihre Haushaltsdefizite durch Kürzungen auf der Ausgabenseite senken wollen. „Bei der ohnehin geringen Höhe der Entwicklungshilfe haben Kürzungen hier allerdings den gleichen Effekt, als würde man sich Haare abschneiden, um Gewicht zu verlieren“, so Tobias Hauschild, Experte für Entwicklungs­finanzierung bei Oxfam Deutschland.

Für die armen Länder hingegen schlagen die Kürzungen der lebenswichtigen Entwicklungshilfeleistungen schmerzhaft zu Buche.

Die deutschen Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit sind 2011 entgegen dem Trend um 5,9 Prozent auf 14,5 Milliarden US-Dollar gestiegen. Dennoch, gemessen an der Wirtschaftskraft entspricht dies nur 0,4 Prozent (2010 waren es 0,39 Prozent). Bis 2015 will die Bundesregierung 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) für Entwicklung ausgeben – bei dem derzeitigen Schneckentempo wird sie dieses Ziel allerdings nie erreichen.

Die Bekämpfung der weltweiten Armut und insbesondere die Verwirklichung der Millennium-Entwicklungsziele erfordern neben politischem Willen, leistungsfähigen Staaten und aktiven Bürgern auch ausreichend Geld. Vor diesem Hintergrund fand im März 2002 die erste Weltkonferenz zur Entwicklungsfinanzierung unter dem Dach der Vereinten Nationen im mexikanischen Monterrey statt. Sie endete mit dem "Monterrey Consensus", der Vereinbarungen darüber beinhaltete, wie sowohl in den Entwicklungsländern als auch international mehr öffentliche und private Finanzmittel für Entwicklung aufgebracht werden können, wie die extreme Auslandsverschuldung der armen Länder zu überwinden sei und welche Rolle der Handel und institutionelle Fragen spielen sollten.

Um die Millennium-Entwicklungsziele bis 2015 zu erreichen, haben die Staats- und Regierungschefs der acht weltweit führenden Industriestaaten (G8) auf dem Gipfel in Gleneagles im Jahr 2005 versprochen, bis 2010 die jährliche weltweite Entwicklungshilfe gemeinsam mit anderen Geberländern um 50 Milliarden Dollar zu erhöhen und die Hilfe für Afrika zu verdoppeln. Nach Berechnungen der OECD wird diese Zusage um etwa 21 Milliarden Dollar verfehlt.

Während viele Geberländer wie z.B. Spanien oder Großbritannien ihre Zusagen einhalten, verfehlen wichtige Geber wie Deutschland, Frankreich oder Italien ihre Ziele. Beispielsweise hatte die Bundesregierung damals zugesagt, die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit von 0,28% des Bruttonationaleinkommens im Jahr 2004 bis 2010 auf 0,51% zu steigern. Sie wird jedoch aller Voraussicht nach nur eine Quote von 0,40% erreichen. Statt 14,4 Milliarden US-Dollar wird sie 2010 nur etwa 11,3 Milliarden US-Dollar bereitstellen - zwischen Anspruch und Realität klafft somit eine Lücke von 3,1 Milliarden Dollar.

Das einige Länder ihre Zusagen nicht einhalten, hat gravierende Folgen: Mit 21 Milliarden Dollar ließen sich der Schulbesuch aller bisher von Bildung ausgeschlossener Kinder finanzieren (16-Milliarden-Finanzlücke) sowie Medikamente, die das Überleben von zwei Millionen Müttern und Kindern sichern könnten (5 Milliarden).

In 84 Sekunden erklärt dieses Animationsvideo knapp, was eine Finanztransaktionssteuer beinhaltet und was sie zur „Steuer gegen Armut“ macht.
Im viralen Film "Eine schwere Geburt" machen Heike Makatsch, Stephan Grossmann, Mark Waschke und Rike Eckermann auf die Finanztransaktionssteuer und die Verwendung der Einnahmen daraus aufmerksam.
Wie und vor allem dass Entwicklungshilfe funktioniert, zeigt dieser animierte Kurzfilm auf anschauliche Art und Weise.
Ein weiterer Trickfilm, der zeigt wie Entwicklungshilfe funktioniert.