Die entwicklungspolitischen Erwartungen sind hoch. Zum einen müssen die G8 als führende Industrie-Nationen erklären, warum sie ihr Versprechen aus dem Jahr 2005, innerhalb von fünf Jahren die weltweite Entwicklungshilfe um 50 Milliarden Dollar zu erhöhen, um rund 20 Milliarden verfehlen werden. Um ihre Glaubwürdigkeit wiederherzustellen, müssen sie nun trotz Finanz- und Wirtschaftskrise Wege finden, um bis spätestens 2012 die Erhöhung um 50-Milliarden zu erreichen.
Die kanadische G8-Präsidentschaft will der Verbesserung der Mütter- und Kindergesundheit besondere Aufmerksamkeit widmen. Das ist dingend notwendig, denn bei diesen beiden im Jahr 2000 verabschiedeten Millennium-Entwicklungszielen (MDGs) gibt es bislang die wenigsten Fortschritte. Noch immer sterben pro Jahr über 350.000 Frauen aufgrund von Komplikationen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt. Dies sind Tag für Tag rund 1.000 Todesfälle von Frauen, die nicht sterben müssten, wenn sie Zugang zu Gesundheitsfürsorge hätten.
Die G8 müssen zudem dringend Maßnahmen zur Bekämpfung des weltweiten Hungers ergreifen. Im Zuge der Ernährungskrise ist die Zahl der Hungernden auf über eine Milliarde Menschen gestiegen – jeder sechste Mensch leidet gegenwärtig Hunger! Die Zusage des G8-Gipfels 2009 im italienischen L’Aquila, die Mittel für globale Ernährungssicherung deutlich zu erhöhen, muss daher unbedingt eingehalten werden – mit zusätzlichen Geldern, denn was bringt es, wenn das Geld aus anderen wichtigen Bereichen der Armutsbekämpfung einfach umgeschichtet wird?