Der Klimawandel bedroht weltweit die Lebensgrundlagen von Menschen
Verdorrte Ernten oder dezimierte Viehbestände wegen lang anhaltender Trockenheiten, überschwemmte Dörfer nach sintflutartigen Regenfällen oder Malaria sind in den armen Ländern nichts Neues – all dies plagt die Menschen dort seit jeher und gehört auch seit jeher zu den Ursachen der Armut. Mit dem Klimawandel aber verschärfen sich Häufigkeit, Heftigkeit und Dauer solcher Ereignisse. In der Konsequenz verschlechtern sich die oft ohnehin prekären Lebensbedingungen weiter, und die Menschen rutschen tiefer in die Armut.
Für die Menschen in den armen Ländern wird es immer wichtiger, sich an die Veränderungen anzupassen oder die drohenden Schäden abzumildern, etwa durch effizientere Bewässerungssysteme und Regenwasserspeicher oder bessere Frühwarnsysteme gegen Unwetterkatastrophen. Wegen der verbreiteten Armut sind die Möglichkeiten der Menschen häufig sehr begrenzt. Die schleichenden Veränderungen bedrohen zunehmend die Lebensgrundlagen der Menschen, etwa wenn wegen des steigenden Meeresspiegels Küstengebiete immer wieder überflutet werden und Grundwasserspeicher und Böden versalzen, oder wenn sich in Regionen, in denen Wasser schon immer knapp war, die jährlichen Niederschläge so sehr verringern, dass der Anbau von Getreide nicht mehr möglich ist. Aber auch ein einziger Sturm oder eine einzige Flut reichen oft schon aus, um die Lebensgrundlagen der Menschen komplett zunichte zu machen.
Klimawissenschaftler halten einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur von 2°C für die gerade noch zu bewältigende Obergrenze. Jenseits der 2°C-Schwelle droht der Klimawandel zu einer unumkehrbaren globalen Katastrophe zu werden, die langfristig viele Gesellschaften insbesondere in den armen Ländern schlicht überfordern und zusammenbrechen lassen könnte, unter dem Gewicht von Hunger und Unterernährung, Wassermangel, Epidemien, verschwindender Ökosysteme, steigendem Meeresspiegel und immer mehr und heftigeren Unwetterkatastrophen.
Was ist zu tun? Klimakiller abschalten!
Das wirksamste Mittel gegen solche Szenarien ist die größtmögliche Begrenzung des Klimawandels durch rasches und drastisches Absenken der weltweiten Treibhausgasemissionen – Modellrechnungen der Klimawissenschaftler sagen, um mindestens 80% bis zur Jahrhundertmitte. Derzeit aber wachsen die globalen Emissionen schneller, als selbst in den pessimistischsten Szenarien noch vor wenigen Jahren vorhergesagt. Ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 3°C, 4°C oder sogar 6°C gilt als möglich.
Der Abschied vom Zeitalter der fossilen Brennstoffe und die damit notwendige Transformation der industriellen Basis und der Energiesysteme sind eine gewaltige Herausforderung. Vor allem die reichen Industrieländer stehen in der Verantwortung, denn sie sind nicht nur maßgeblich für den Klimawandel verantwortlich, sie verfügen auch über die notwendigen Ressourcen. Der Umbau ist technologisch möglich, ökonomisch sinnvoll und angesichts der Zerstörung der Lebensgrundlagen der Menschen in den armen Ländern alternativlos. Dazu müssen sich die Regierungen gegen die Interessen der klimaschädlichen Industrien und der Betreiber der Klimakiller-Kohlekraftwerke durchsetzen.
Denn: der Klimawandel ist auch eine Folge der verfehlten Energiepolitik in den Industrieländern, einschließlich Deutschlands. Der Ausbau der regenerativen Energien in Deutschland geht zu langsam voran, die Wärmedämmung des Gebäudebestands wird nur halbherzig vorangetrieben, und der Emissionshandel schützt eher die Industrie vor Veränderung als das Klima. Bei uns sind mehr als 20 neue Kohlekraftwerke in Planung oder im Bau.
Ein weltweites Klimaschutzabkommen
2012 läuft die erste Verpflichtungsrunde des Kyoto-Protokolls aus, das bisher gültige internationale Vertragswerk gegen den Klimawandel, unter dem sich die reichen Länder zu konkreten Klimaschutzzielen bis 2012 verpflichtet hatten. Für die Zeit danach verhandeln die Regierungen seit Jahren um die Fortführung des Kyoto-Protokolls und um ein neues Abkommen. Damit das gelingt, müssten sich insbesondere die reichen Industrieländer schnell auf verbindliche Klimaschutzziele einigen, die langfristig ihre Emissionen gen Null absenken. Ferner müssen sich diese Länder auch verpflichten, die armen Länder angemessen finanziell und technologisch bei der klimafreundlichen Entwicklung und der Anpassung an die klimatischen Veränderungen zu unterstützen.
Die Verhandlungen stocken – der große UN-Klimagipfel von Kopenhagen Ende 2009 hat den Durchbruch nicht gebracht. Die seither verkündeten Klimaschutzziele der reichen Länder und die geplanten Klimaschutzmaßnahmen der Schwellenländer machen eine Erwärmung von mehr als 3°C wahrscheinlich. Das gefährdet die Lebensgrundlagen von Hunderten Millionen Menschen. Jetzt wird weiterverhandelt. Die nächste große Konferenz findet im Dezember 2010 in Mexiko statt.





