Der Klimawandel gefährdet Entwicklung und verschärft die weltweite Armut
Foto: Pflänzchen in trocknem Boden
Durch den Klimawandel trocknen die Böden in Mauretanien aus. © Ami Vitale/Oxfam

Der Klimawandel gefährdet Entwicklung und verschärft die weltweite Armut

Wir stecken mittendrin, im Klimawandel. Polkappen und Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt, Unwetterkatastrophen nehmen zu. Überschwemmungen oder Stürme zerstören Hab und Gut der Menschen, steigende Temperaturen begünstigen die Ausbreitung von Krankheiten wie Malaria, langanhaltende Dürren oder sintflutartige Regenfälle verringern und vernichten die Ernten. Die Folgen des Klimawandels treffen die in Armut lebenden Men­schen in den Entwicklungsländern am stärksten, obwohl sie kaum zu der Krise beigetragen haben.

Verantwortlich für den Klimawandel sind vor allem die Industrieländer, deren Wohlstand sich auch auf dem maßlosen Verbrauch fossiler Energien und dem damit verbundenen Ausstoß von Treibhausgasen gründet. Oft blockieren rückwärtsgewandte Politiker und die Interessen der Energiekonzerne den Eintritt ins Zeitalter der erneuerbaren Energien. Auch in Deutschland sind mehr als 20 neue Kohlekraftwerke in Planung oder im Bau.

Bis 2015 soll nun ein globales Klima-Abkommen verhandelt werden - darin müssen sich vor allem die reichen Länder dazu verpflichten, ihre Treibhausgasemissionen drastisch zu senken und die armen Länder bei der klimafreundlichen Entwicklung zu unterstützen, damit auch diese ihre Emissionen begrenzen können. Die armen Länder brauchen zudem finanzielle und technologische Unterstützung bei der Anpassung an die klimatischen Veränderungen. Sonst droht der Klimawandel, die mühsam erreichten Fortschritte bei der Bekämpfung weltweiter Armut wieder zunichte machen. Die hehren Ziele der Weltgemeinschaft, bis 2015 die Zahl der Hungernden und der in Armut lebenden Menschen zu halbieren, würden dann unerreichbar.

26 | März | 2012
Zwei neue Oxfam-Infoblätter zu den Themenkomplexen Klimawandel und Zugang zu sauberem Wasser sowie Klimawandel und Ernährungssicherheit sind online. Die beiden Papiere behandeln zwei zentrale Folgen des Klimawandels – und welche Herausforderungen sich dadurch für Menschen insbesondere in armen Ländern ergeben. In den Infoblättern wird auch von Strategien zur Anpassung an die unvermeidlichen Folgen des Klimawandels berichtet.
14 | März | 2012
Auf dem Treffen der EU-Umweltminister/innen hat die polnische Regierung ein Veto gegen einen Fahrplan für die Minderung von klimaschädlichen Treibhausgasen in der EU bis 2050 eingelegt. Damit hindert Polen die Europäische Union daran, mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz zu entwickeln – mit den negativen Folgen für die Glaubwürdigkeit der EU als Klima-Vorreiter.
30 | Januar | 2012
Eine heute in Brüssel vorgestellte Analyse der Europäischen Kommission über die ökonomischen Auswirkungen stärkeren Klimaschutzes ist laut Oxfam ein wichtiger Meilenstein für die dringend notwendige Anhebung des EU-Klimaschutzziels von derzeit 20 auf 30 Prozent Reduktion klimaschädlicher Treibhausgase bis 2020. Diese dürften laut der Analyse aber moderat ausfallen und würden überdies durch positive Effekte wie etwa verringerte Luftverschmutzung und sinkenden Energieverbrauch ausgeglichen.
13 | Dezember | 2011
Keine Entwarnung für die Menschen, denen der Klimawandel jetzt schon zunehmend die Ernten verdorren lässt oder von den Feldern spült: Zwar wurde auf der UN-Klimakonferenz in Durban beschlossen, das Kyoto-Protokoll mit einer zweiten Runde von Klimaschutzzielen für die Industrieländer zu verlängern und in den nächsten Jahren einen neuen, umfassenden Klimaschutzvertrag zu verhandeln. Allerdings haben Japan, Kanada und Russland schon angekündigt, dass sie beim Kyoto-Protokoll nicht mehr mitmachen wollen. Der neue Klimaschutzvertrag, der dann für alle Länder gelten soll, tritt wohl nicht vor 2020 in Kraft.
08 | Dezember | 2011
Oxfam hat gemeinsam mit Brot für die Welt, Germanwatch und der Heinrich-Böll-Stiftung eine Internetseite zu den finanziellen Hilfen Deutschlands für Klimaschutz und Anpassung in Entwicklungs- und Schwellenländern online gestellt.
07 | Dezember | 2011
Ob sich im südafrikanischen Durban das so dringend benötigte Paket bestehend aus zweiter Verpflichtungsrunde des Kyoto-Protokolls und einem Verhandlungsmandat für einen weiteren Klima-Vertrag schnüren lässt, ist wenige Tage vor Ende der Klimakonferenz offener denn je.
16 | November | 2011
Drei Klimazeuginnen aus Südafrika, Nigeria und Papua-Neuguinea berichten über die Folgen des Klimawandels in ihren Ländern.
16 | November | 2011
Der Klimawandel ist in vollem Gange. Besonders in armen Ländern leiden die Menschen unter seinen Folgen. Sich verändernde Trends, etwa bei den Regenzeiten in sub-tropischen Ländern oder die Zunahme von klimatischen Extremwetterlagen in Afrika, Asien oder Lateinamerika, wirken sich weltweit auf den Anbau von Grundnahrungsmitteln aus.
07 | Juli | 2011
Am 7. Juli haben sich die an dem Projekt beteiligten Stadtwerke gegen ein Kohlekraftwerk und für ein klimaverträglicheres Gaskraftwerk entschieden. Damit war die Kampagne „Keine Kohle für Kohle“ von Campact, der Klima-Allianz, Oxfam und vielen weiteren Organisationen und Gruppierungen ein voller Erfolg.
05 | Mai | 2011
Vor den Toren der diesjährigen E.ON-Aktionärsversammlung haben Oxfam und die Bürgerinitiativen „Stopp Staudinger“ und „Stade – Altes Land“ am 5. Mai 2011 ein symbolisches Tauziehen zwischen den Klimakillern von E.ON und den erneuerbaren Energien veranstaltet – und damit die Konzernpolitik von E.ON kritisiert.
Der Klimawandel bedroht weltweit die Lebensgrundlagen von Menschen

Verdorrte Ernten oder dezimierte Viehbestände wegen lang anhal­tender Trockenheiten, überschwemmte Dörfer nach sintflutartigen Regenfällen oder Malaria sind in den armen Ländern nichts Neues – all dies plagt die Menschen dort seit jeher und gehört auch seit jeher zu den Ursachen der Armut. Mit dem Klimawandel aber verschärfen sich Häufigkeit, Heftigkeit und Dauer solcher Ereignisse. In der Konsequenz verschlechtern sich die oft ohnehin prekären Lebensbedingungen weiter, und die Menschen rutschen tiefer in die Armut.

Für die Menschen in den armen Ländern wird es immer wichtiger, sich an die Veränderungen anzupassen oder die drohenden Schäden abzumildern, etwa durch effizientere Bewässerungssysteme und Regenwasserspeicher oder bessere Frühwarnsysteme gegen Unwetterkatastrophen. Wegen der verbreiteten Armut sind die Möglichkeiten der Menschen häufig sehr begrenzt. Die schleichenden Veränderungen bedrohen zunehmend die Lebensgrundlagen der Menschen, etwa wenn wegen des steigenden Meeresspiegels Küstengebiete immer wieder überflutet werden und Grundwasserspeicher und Böden versalzen, oder wenn sich in Regionen, in denen Wasser schon immer knapp war, die jährlichen Niederschläge so sehr verringern, dass der Anbau von Getreide nicht mehr möglich ist. Aber auch ein einziger Sturm oder eine einzige Flut reichen oft schon aus, um die Lebensgrundlagen der Menschen komplett zunichte zu machen.

Klimawissenschaftler halten einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur von 2°C für die gerade noch zu bewältigende Obergrenze. Jenseits der 2°C-Schwelle droht der Klimawandel zu einer unumkehrbaren globalen Katastrophe zu werden, die langfristig viele Gesellschaften insbesondere in den armen Ländern schlicht überfordern und zusammenbrechen lassen könnte, unter dem Gewicht von Hunger und Unterernährung, Wassermangel, Epidemien, verschwindender Ökosysteme, steigendem Meeresspiegel und immer mehr und heftigeren Unwetterkatastrophen.

Was ist zu tun? Klimakiller abschalten!

Das wirksamste Mittel gegen solche Szenarien ist die größtmögliche Begrenzung des Klimawandels durch rasches und drastisches Absenken der weltweiten Treibhausgas­emissio­nen – Modellrechnungen der Klimawissenschaftler sagen, um mindestens 80% bis zur Jahrhundertmitte. Derzeit aber wachsen die globalen Emissionen schneller, als selbst in den pessimistischsten Szenarien noch vor wenigen Jahren vorhergesagt. Ein Anstieg der globalen Durchschnitts­temperatur um 3°C, 4°C oder sogar 6°C gilt als möglich.

Der Abschied vom Zeitalter der fossilen Brennstoffe und die damit notwendige Transformation der industriellen Basis und der Energiesysteme sind eine gewaltige Herausforderung. Vor allem die reichen Industrieländer stehen in der Verantwortung, denn sie sind nicht nur maßgeblich für den Klimawandel verantwortlich, sie verfügen auch über die notwendigen Ressourcen. Der Umbau ist technologisch möglich, ökonomisch sinnvoll und angesichts der Zerstörung der Lebensgrundlagen der Menschen in den armen Ländern alternativlos. Dazu müssen sich die Regierungen gegen die Interessen der klimaschädlichen Industrien und der Betreiber der Klimakiller-Kohlekraftwerke durchsetzen.

Denn: der Klimawandel ist auch eine Folge der verfehlten Energiepolitik in den Industrieländern, einschließlich Deutschlands. Der Ausbau der regenerativen Energien in Deutschland geht zu langsam voran, die Wärmedämmung des Gebäudebestands wird nur halbherzig vorangetrieben, und der Emissionshandel schützt eher die Industrie vor Veränderung als das Klima. Bei uns sind mehr als 20 neue Kohlekraftwerke in Planung oder im Bau.

Ein weltweites Klimaschutzabkommen

Ende 2012 läuft die erste Verpflichtungsrunde des Kyoto-Protokolls aus, das bisher gültige internationale Vertragswerk gegen den Klimawandel, unter dem sich die reichen Länder zu konkreten Klimaschutzzielen bis 2012 verpflichtet hatten. Für die Zeit danach verhandeln die Regierungen seit Jahren um die Fortführung des Kyoto-Protokolls und um ein neues Abkommen. Damit das gelingt, müssten sich insbesondere die reichen Industrieländer schnell auf verbindliche Klimaschutzziele einigen, die langfristig ihre Emissionen gen Null absenken. Ferner müssen sich diese Länder auch verpflichten, die armen Länder angemessen finanziell und technologisch bei der klimafreundlichen Entwicklung und der Anpassung an die klimatischen Veränderungen zu unterstützen.

Die Verhandlungen stocken – der große UN-Klimagipfel von Kopenhagen Ende 2009 hat den Durchbruch nicht gebracht. Seit der UN-Klimakonferenz in Durban ende 2011 wird nun weiterverhandelt, mit dem Ziel, das Abkommen bis 2015 zu verabschieden. Die seither verkündeten Klimaschutzziele der reichen Länder und die geplanten Klimaschutz­maß­nah­men der Schwellenländer machen jedoch eine Erwärmung von 3-4°C wahrscheinlich, die aktuell beobachteten trends sogar 5-6°C. Das gefährdet die Lebensgrundlagen von Hunderten Millionen Menschen. 

Jan Kowalzig | 16 | Mai | 2012
Ab heute ist Bonn wieder von tausenden Diplomaten, Regierungsexperten und Vertretern von Nichtregierungsorganisationen (darunter Oxfam, aber wir sind nur zu fünft) bevölkert – zwei Wochen internationales Flair in der ehemaligen Hauptstadt, wie übrigens jedes Jahr um diese Zeit, wenn die Regierungsdelegationen aus 190 Ländern zur turnusmäßigen Zwischenkonferenz der Nebenorgane der Klimarahmenkonvention in Bonn versammeln.
Jan Kowalzig | 18 | April | 2012
Jedes Land hat so seine Spezialitäten. Tortillas zum Beispiel. Die kann Mexiko besser als wir. Dafür haben wir die Currywurst. Wir sind auch ziemlich gut beim Klimaschutz, Deutschland und Europa. Das ist so die landläufige Wahrnehmung, mit der etwa die Regierungsdelegationen der Europäischen Union bei den internationalen Klima-Konferenzen gerne aufwarten, gemäß der Linie: Wir tun viel, die anderen müssen noch nachsitzen.
Jan Kowalzig | 22 | März | 2012
Ärgerlich, dass die Schulden-, Euro- oder Finanz-Krise immer wieder anderen wichtigen Themen die Aufmerksamkeit stiehlt. Gestern ist zum Beispiel im Zuge der Veröffentlichung der Planzahlen für den Bundeshaushalt 2013 fast völlig untergegangen, dass die Bundesregierung im nächsten Jahr nicht nur ihren geplanten Wortbruch hinsichtlich der Mittel für die Armutsbekämpfung weiter manifestiert, sondern auch, dass sie für den Klimaschutz, genauer: die Energiewende, 2013 knapp eine Milliarde Euro weniger ausgeben möchte als bisher vorgesehen.
Jan Kowalzig | 10 | März | 2012
Eigentlich keine Überraschung – es hatte sich schon während der Vorbereitungen der letzten Wochen abgezeichnet, dass mehr Klimaschutz in Europa mit der polnischen Regierung zurzeit nicht zu machen ist. Jetzt hat sie die Notbremse gezogen, und beim turnusmäßigen Ratstreffen der EU-Umweltminister/innen in Brüssel am vergangenen Freitag eine Beschlussvorlage der dänischen EU-Ratspräsidentschaft mit einem Veto blockiert – gegen die 26 übrigen EU-Regierungen.
Jan Kowalzig | 1 | März | 2012
Erst kündigten es nur einige Artikel im Netz an, nun ist es offiziell: eine wichtige Finanzierungssäule der deutschen Energiewende ist weggebrochen – weil der Preis für Verschmutzungsrechte im Emissionshandel statt bei den erhofften 17 Euro pro Tonne Kohlendioxid seit Monaten bei nur 7-9 Euro herumdümpelt. Die Einkünfte aus der Versteigerung der CO2-Zertifikate fließen in das eigens eingerichtete Sondervermögen „Energie- und Klimafonds“ (EKF). Aus dem EKF werden zum Beispiel die erneuerbaren Energien oder die energetische Gebäudesanierung gefördert, aber auch Gelder für arme Länder zur Bewältigung des Klimawandels bereitgestellt.