Landgrabbing: Eine animierte Einführung ins Thema Landraub © Oxfam

Landgrabbing

In Guatemala besitzen weniger als acht Prozent der landwirtschaftlichen Produzenten nahezu 80 Prozent der Landflächen. In Brasilien gehört einem Prozent der Bevölkerung fast die Hälfte des Landes.

In einer Welt, in der natürliche Ressourcen immer knapper werden, entscheidet der Zugang zu Land und Wasser über Leben oder Sterben. Wasser ist bereits heute noch knapper als Land. Die Staaten des Mittleren Ostens gehören zu den größten Aufkäufern von Land in Afrika, – nicht, weil sie zu wenig Land haben, sondern zu wenig Wasser.

Die Landwirtschaft ist mit einem globalen Frischwasserverbrauch von 70 Prozent für die Wasserknappheit mitverantwortlich.

Nahrungsmittelanbau wird vernichtet

Mit dem verschwenderischen Einsatz von Nahrungsmitteln für Agrosprit und steigendem Fleischkonsum steigt die Konkurrenz um die Landnutzung zwischen Nahrungs- und Futtermittel sowie Sprit. Die Nahrungsmittelkrise im Jahr 2008 hat dazu geführt, dass Investoren umfangreich Land pachten oder kaufen. Seit dem Jahr 2000 wurden 773 solcher Geschäfte bekannt und getätigt. Sie umfassen insgesamt 33 Millionen ha Fläche. Knapp die Hälfte dieser Landgeschäfte betrafen Afrika. Viele Landgeschäfte werden im Geheimen abgeschlossen und bleiben unbekannt.

Agrarkonzerne sichern sich zunehmend wichtige Wasser- und Landrechte. Sie bauen z.B. Getreide für Biosprit oder Futtermittel für den Export an. Oftmals bieten Regierungen Flächen feil, welche als unverkauft und ungenutzt gelten. Doch in den wenigsten Fällen liegt das Land tatsächlich brach; meist wird es von mittellosen Familien zum Anbau von Nahrungsmitteln verwendet. Diesen Kleinbauern und -bäuerinnen fehlt dann der Zugang zu Land und Wasser, um sich und ihre Familien zu versorgen. Ihr Grundrecht auf Nahrung wird verletzt.

Existenzgrundlage durch Agrarkonzerne bedroht

Wenn Agrosprit und Futtermittel für den Export in Industrieländer Landflächen in Anspruch nehmen, die die Menschen vor Ort zum Überleben benötigen, läuft etwas grundlegend falsch. Um die Welternährung zu sichern, müssen Land- und Wasserrechte für Kleinbauern und –bäuerinnen gesichert werden, jegliche staatliche Förderung von Agrosprit abgebaut und der Fleischkonsum reduziert werden.

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Hier finden Sie Materialien zum Thema Landgrabbing:

Gruppen:
19 | März | 2014

Landwirtschaft in Burkina Faso – Gefahren durch die Neue Allianz der G8

Viele Menschen in Burkina Faso haben als Folge von Dürren und Wetterextremen mit
Viele Menschen in Burkina Faso haben als Folge von Dürren und Wetterextremen mit kargem Weideland und wenig Erträgen zu kämpfen. © Andy Hall/Oxfam

Vergangene Woche reiste Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale nach Ouagadougou, Burkina Faso. Sie führte Gespräche mit Partnerorganisationen von Oxfam, mit Regierungsvertretern und Mitarbeitern der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Dabei konnte sie sich ein genaues Bild der landwirtschaftlichen Probleme und der Regierungspolitik des westafrikanischen Landes machen.

Die Regierung plant inländische und ausländische Investoren anzusiedeln

Anlass für ihre Reise war ein Treffen bezüglich der „Neuen Allianz für Ernährungssicherung der G8“, zu welchem Oxfam zum Austausch mit Vertretern der burkinischen Landwirtschaft und Zivilgesellschaft eingeladen hatte. Im Mittelpunkt der Diskussionen standen Pläne der Regierung, inländische und ausländische Investoren anzusiedeln, um die landwirtschaftliche Produktion zu fördern und Arbeitsplätze zu schaffen.

Diese Pläne bergen große Gefahren:

  • Vernachlässigung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft
  • Landgrabbing
  • Umweltprobleme
  • Gentechnik und Abhängigkeit von Konzernen wie Monsanto beim Saatgut

Das Projekt begünstigt eindeutig Investoren und fördert nicht schwerpunktmäßig die kleinbäuerliche Landwirtschaft. Deutschland spielt eine wichtige Rolle in der „Neuen Allianz“, so dass dieses Thema uns weiter beschäftigen wird.

Lesen Sie den kompletten Reisebericht in unserem Blog.

 

25 | April | 2013

„Mahlzeit!“-Kampagne zu Landgrabbing zeigt Wirkung

Truck mit der Aufschrift: „Stand and deliver“

Oxfam hat sich im Rahmen seiner „Mahlzeit!“-Kampagne dafür eingesetzt, dass die Weltbank etwas gegen Landgrabbing unternimmt. Dank vielfältiger Aktionen und Lobbygespräche ist in der Weltbank vor und während ihrer Frühjahrstagung am 18./19. April einiges in Bewegung gekommen:

  • Weltbank-Präsident Jim Yong-Kim hat sich ausführlich zu Landrechten geäußert und die Risiken von großflächigen Landgeschäften („Landgrabbing“) anerkannt.
  • Die Oxfam-Kampagne hat eine breite, ernsthafte Debatte in der Weltbank angestoßen. Am Rande des Frühjahrstreffens wurde viel über Land diskutiert, u.a. wurde bekannt, dass bei der Streitschlichtungsstelle der Weltbank-Tochter IFC wöchentlich zwei Beschwerden über Probleme in den geförderten Projekten eingingen, von denen sich 60 Prozent auf Landkonflikte beziehen.
  • Die Weltbank hat sich öffentlich verpflichtet, die neuen freiwilligen UN-Leitlinien für Landrechte umzusetzen. Das ist eine gute Nachricht! Denn so können die Landrechte von marginalisierten Menschen besser geschützt werden.
  • Eine unabhängige Evaluierungskommission der Weltbank wird prüfen, inwieweit die eigenen Weltbank-Programme der letzten Jahre die Landrechte von Menschen gestärkt haben.
  • Die Weltbank hat zugestimmt, dass Landrechte ein zentraler Bestandteil bei der Überprüfung ihrer eigenen Regeln in diesem Jahr sein sollen.

Mehr als 50.000 Menschen haben den Aufruf an den Weltbank-Präsidenten unterschrieben. Vielen Dank an alle Unterstützer/innen!

Da Kim die Unterschriften nicht selbst entgegennehmen wollte, hat Oxfam kurzerhand einen Truck gemietet, der während der Frühjahrstagung um das Weltbank-Gebäude gefahren ist. Die Aufschrift lautete: „Landgrabbing kostet Leben. Mehr als 50.000 Menschen haben bereits Stellung bezogen. Es wird Zeit, dass die Weltbank strengere Regeln gegen Landgrabbing einführt.“ Wir wissen von Mitarbeiter/innen der Weltbank, dass dies viel Aufmerksamkeit erregt hat.

Die Arbeit geht weiter. Versprechen sind natürlich erst mal nur Versprechen. Oxfam wird sich dafür einsetzen, dass die Weltbank Wort hält.

18 | April | 2013

Weltbank zeigt erste Reaktion

Der Unterschriftenaktion ist beendet. Danke an alle, die mitgemacht haben!

Beim Frühjahrstreffen der Weltbank wird diese Woche über die weltweiten Rahmenbedingungen für Landkäufe und -verkäufe diskutiert. Bisher werden die Landrechte der armen Bevölkerungsschichten dabei außer Acht gelassen.

Tausende Menschen haben Oxfams Aufruf an den Weltbank-Präsidenten Jim Yong Kim unterschrieben. Darin fordern wir alle Vertreter/innen der Weltbank auf, sich bei diesem entscheidenden Treffen einzusetzen:

  • für eine nachhaltige Existenzsicherung für Menschen in armen Ländern!
  • für die Einstellung aller Landgeschäfte, die zu Landgrabbing führen!
  • für international verbindliche Regeln für Landgeschäfte, bei denen die Rechte und Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung geachtet werden!

Bislang hat die Weltbank sich verweigert, unseren Aufruf entgegenzunehmen. Deshalb werden wir am 18. und 19. April das Gebäude der Weltbank in Washington mit einem auffälligen LKW umkreisen. Darauf prangen unsere Forderungen: Die Weltbank soll sich für wirkungsvolle Regeln für die bislang unkontrollierte Landnahme einsetzen und den Landraub weltweit stoppen. Die Kongressteilnehmer/innen sollen sehen, dass sich mehr als 50.000 Menschen weltweit gegen Landgrabbing stark machen, und beim Weltbank-Frühjahrstreffen entsprechend handeln.

Am 17. April zeigte die Weltbank immerhin eine erste Reaktion, indem sie auf eine Twitter-Nachricht von Coldplay reagierte. Coldplay hatte das exklusive neue Video „In my place“ den von Landraub betroffenen Menschen gewidmet und tausende Coldplay-Fans aufgerufen, Oxfams Aufruf gegen Landgrabbing zu unterstützen.

Nach dem Ende des internationalen Frühjahrstreffens der Weltbank werden wir an dieser Stelle von der Reaktion der Weltbank und den Ergebnissen des Treffens berichten.

04 | Oktober | 2012

Ohne Landgrabbing könnte eine Milliarde Menschen mehr satt werden

Der weltweite Ausverkauf von Land führt zu Hunger, Gewalt und zu einem Leben in Armut.Marita Wiggerthale
Oxfams Agrarexpertin

Agrarland mit einer Fläche fast sechs Mal so groß wie Deutschland wurde im letzten Jahrzehnt überwiegend an internationale Investoren verkauft oder verpachtet. Oftmals werden ländliche Bevölkerungsgruppen, die das Land bisher bearbeiteten und davon lebten, vertrieben. Das zeigt der Oxfam-Bericht „Our Land, Our Lives“ („Unser Land, unser Leben“).

Demnach wurden mehr als 60 Prozent dieser Landgeschäfte in Ländern getätigt, die ohnehin bereits schwer von Hunger betroffen sind. Das verkaufte oder verpachtete Land geht in der Regel der einheimischen Nahrungsmittelproduktion verloren. Es würde ausreichen, um in der lokalen Produktion eine Milliarde Menschen mit Nahrungsmitteln zu versorgen. „Immer mehr Menschen werden vertrieben, oft mit Gewalt, ohne vorherige Konsultation oder Entschädigung“, sagt Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale.

Weltbank-Projekte auf Eis legen

Wir fordern die Weltbank auf, großflächige Land-Akquisitionen für sechs Monate ruhen zu lassen. Die Weltbankgruppe spielt in Landfragen eine bedeutende Rolle, da sie großflächig in Land investiert, die Landvergabe-Politik armer Länder beeinflusst und geringe Standards für die internationale Gemeinschaft setzt.

Die Weltbank ist in der einzigartigen Lage, zu verhindern, dass Landgrabbing einer der größten Skandale des 21. Jahrhunderts wird. Mit der Überprüfung ihrer Politik kann die Weltbank ein Zeichen für alle Investoren und Regierungen setzen und helfen, Menschenrechtsverletzungen zu stoppen.

„Die Weltbank muss dafür sorgen, dass die Landrechte armer Menschen gestärkt und die Ernährungssicherung nicht bedroht werden. Investitionen sollten Entwicklung fördern, nicht armen Menschen schaden“, sagt Wiggerthale.

Jetzt unterzeichnen:

Appell an Weltbank-Präsident Jim Yong Kim (englisch)

Mehr lesen:

Oxfam-Bericht: Our Land, Our Lives: Time out on the global land rush (englisch)

Was haben das Opernhaus von Sydney, das Washington Monument und die Sagrada Familia in Barcelona gemeinsam?