Kleinbäuerliche, ökologisch nachhaltige Landwirtschaft
Größere Ernten durch Anbaumethoden, die die Bodenfruchtbarkeit verbessern. © Kar
Größere Ernten durch Anbaumethoden, die die Bodenfruchtbarkeit verbessern. © Karen Robinson/Oxfam

Kleinbäuerliche, ökologisch nachhaltige Landwirtschaft

500 Millionen kleinbäuerliche Betriebe in Entwicklungsländern produzieren Nahrung für nahezu zwei Milliarden Menschen – fast ein Drittel der Menschheit.
Quelle: Oxfam International

Schätzungen zufolge leben im Jahr 2050 neun Milliarden Menschen auf der Erde. Für alle müssen also genug Nahrungsmittel produziert werden, und zwar so, dass die ökologischen Grenzen nicht überschritten und Armut und Benachteiligung beendet werden.

Potenzial der kleinbäuerlichen Landwirtschaft erschließen

Eine riesige Chance, um die Produktion von Nahrungsmitteln zu steigern, die Ernährungssicherheit zu verbessern und die Anfälligkeit gegen Krisen zu reduzieren, liegt darin, das enorme Potenzial der kleinbäuerlichen Landwirtschaft zu erschließen und ihre Funktion als Rückgrat des Ernährungssystems zu stärken.

Regierungen und Konzerne müssen Politiken und Unternehmenspraktiken einführen, die den Zugang von Kleinbauern zu natürlichen Ressourcen wie Land und Wasser, Technologie, Beratung und Märkten sicherstellen. Dies gilt insbesondere für Frauen, die vielfach benachteiligt sind. Studien zeigen, dass die Ernteerträge um 20 bis 30 Prozent gesteigert werden können, wenn Frauen die gleichen Chancen wie Männer haben, Landwirtschaft zu betreiben.

Ökologisch nachhaltige Landwirtschaft steigert Ernteerträge

Die Landwirtschaft muss insgesamt weniger Agrarchemikalien und Düngemittel einsetzen und weniger verschwenderisch produzieren, um zukünftige Krisen bewältigen zu können.

  • Organischer Dünger und Gründünger reduzieren die Abhängigkeit von teuren Kunstdüngern, deren Preis an den Erdölpreis gekoppelt ist.
  • Agroforstwirtschaft (die Verbindung von Elementen der Land- und Forstwirtschaft) und der Anbau von Zwischenfrüchten können die Bodenfruchtbarkeit verbessern und helfen, die Einkommensgrundlagen von Produzent/innen zu verbreitern.
  • Integriertes Pestizidmanagement reduziert die Notwendigkeit des Einsatzes teurer Agrarchemikalien.
  • Das Auffangen von Wasser reduziert den Bedarf an Bewässerung und hilft, mit unerwarteten Regenfällen besser umzugehen.
  • Bodenschutztechniken erhalten Nährstoffe im Boden und erhöhen die Produktivität.

Solche Praktiken sind äußerst vielversprechend. Die wohl umfassendste Studie1 hat 286 ökologisch nachhaltige Agrarprojekte in 57 Ländern untersucht und im Schnitt eine Steigerung der Ernteerträge um 79 Prozent festgestellt.

Die Förderung einer kleinbäuerlichen, ökologisch nachhaltigen Landwirtschaft zahlt sich dreifach aus: Sie verbessert die Ernährungssituation, reduziert Armut und mindert die Folgen des Klimawandels durch umweltverträglichen Anbau.


Weitere Informationen zum Thema

Für eine Welt ohne Hunger – auf die Frauen kommt es an! [PDF; 78 KB]

Entwicklungshilfe der Bundesrepublik Deutschland für ländliche Entwicklung und Ernährungssicherheit in 2008 [PDF; 43 KB]


1: Jules Pretty et al., ‘Resource-Conserving Agriculture Increases Yields in Developing Countries’, Environmental Science and Technology, 40:4, 2006, pp. 1114−9. Die 79 Prozent beziehen sich auf 360 zuverlässige Erntevergleiche von 198 Projekten. Die Ergebnisse waren weit gestreut, mit einem Anstieg der Erträge um 100 Prozent oder mehr bei 25 Prozent der Projekte.

24 | Februar | 2012

Westafrika: Frühzeitige Intervention ist nötig

Viele Herden finden nicht genügend Futter. © Aubrey Wade /Oxfam

Die Dürre in Westafrika hat zu einer starken Verknappung der Lebensmittel und einem starken Anstieg der Preise für Nahrung in der Region geführt. Betroffen sind Menschen in Niger, Tschad, Mali, Mauretanien, Burkina Faso und in Teilen von Senegal. Besonders stark gefährdet ist die Bevölkerung in Niger. In den nächsten Monaten könnte hier die Nahrungsversorgung von Millionen von Menschen ernsthaft gefährdet sein.

Die Lage könnte sich weiter verschlimmern, wenn die vorhandenen Vorräte aufgebraucht sind. Um rechtzeitige vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen, hat das Welternährungsprogramm nun dazu aufgerufen, besonders gefährdete Gruppen mit Nahrungsmittelhilfen zu unterstützen, beispielsweise zusätzliche Lebensmittelpräparate für schwangere und stillende Frauen sowie für besonders kleine Kinder. Auch Oxfam ist an den Hilfsaktionen beteiligt. Noch kann verhindert werden, dass die Krise ein schlimmeres Ausmaß annimmt. Erst kürzlich hat eine Oxfam-Studie gezeigt, dass eine frühzeitige Intervention entscheidend ist, um die Folgen von Nahrungsmittelknappheit einzugrenzen.

Helfen Sie den Menschen vor Ort:

Unterstützen Sie Oxfams Arbeit in Westafrika mit Ihrer Spende

Mehr lesen:

Drohende Nahrungskrise in der Sahelzone

07 | September | 2011

Keine leichte Kost – Die Dokumentation „Taste the waste“

Mehr als die Hälfte aller Lebensmittel in Deutschland landen auf dem Müll – obwohl sie noch genießbar sind. Die extreme Verschwendung von Nahrungsmitteln zeigt Filmemacher Valentin Thurn in der neuen Dokumentation „Taste the waste“.

Oxfam unterstützt die Dokumentation „Taste the waste“. Sehen Sie hier den Trailer:

Der Film zeigt, dass viele Nahrungsmittel schon kurz nach der Ernte entsorgt werden, da sie nicht den genormten Standards entsprechen. Produkte, die zu groß oder zu klein geraten sind, oder nicht der Idealform entsprechen, werden weggeschmissen. In den Supermärkten sowie durch Engpässe während des Transports werden zusätzlich jeden Tag unverdorbene Lebensmittel weggeworfen. Jährlich sind es allein in Deutschland 15 Millionen Tonnen Lebensmittel. Das entspricht 500.000 Lastwagen – hintereinander aufgereiht würden sie von Berlin bis Peking reichen.

Während diese Herstellungs- und Konsumkultur weiter für Überfluss sorgt, hungern zeitgleich Millionen von Menschen.

Auch dem Klima schadet die unverhältnismäßige Produktion von Nahrung: Für die Landwirtschaft werden immer mehr Ackerflächen benötigt – 95 Prozent aller Rodungen werden dadurch verursacht. Viele gezüchtete Pflanzensorten benötigen riesige Mengen von Wasser und Chemikalien, um wie gewünscht zu gedeihen. Die begrenzten Ressourcen dieser Erde werden ausgebeutet.

„Taste the waste“ ist ein Aufruf an Konsumenten und Politiker zugleich: Während der Wintermonate sollten Südfrüchte im Supermarkt nicht länger als selbstverständlich gelten. Halb aufgebrauchte Lebensmittel dürfen nicht weiter achtlos weggeworfen werden. Politiker müssen Gesetze einführen, die beispielsweise Supermärkten verbieten, unverdorbene Lebensmittel zu entsorgen.

Besuchen Sie die Veranstaltungen der „Taste the Waste“-Aktionswochen.

22 | Juni | 2011

Versorgung mit Nahrungmitteln in Indien

Auf einer Oxfam-Journalistenreise durch Indien wurden Menschen zu ihrer Lebenssituation und ihrem Zugang zu Nahrungsmitteln befragt.

 Im Video „A Broken System“ erfahren Sie unter anderem, wie ein spezielles Verteilungssystem, das eigentlich die in Armut lebende Bevölkerung Indiens mit Nahrungsmitteln versorgen soll, oftmals seine Zielgruppe verfehlt:

Das Video „Hunger: death and disease“ dokumentiert, wie Menschen gezwungen sind, sich zwischen dringend benötigten Medikamenten und ihrer täglichen Mahlzeit zu entscheiden:

16 | Juni | 2011

Weltweite Oxfam-Umfrage: Hohe Nahrungsmittelpreise verändern Ernährungsgewohnheiten

© Tom Pietrasik

Weltweit zeigen sich die Menschen über die steigenden Preise von Nahrungsmitteln besorgt. Dies geht aus einer unabhängigen Umfrage in 17 Ländern unter mehr als 16.000 Menschen hervor, die im Rahmen der Oxfam-Kampagne "Mahlzeit!" erstellt wurde.

Demnach finden 66 Prozent der Befragten die steigenden Nahrungsmittelpreise sehr beängstigend. 53 Prozent haben in den letzten zwei Jahren ihre Konsumgewohnheiten geändert; 39 Prozent von ihnen hauptsächlich aufgrund höherer Nahrungsmittelpreise.

Die Oxfam-Ernährungsumfrage wurde vom Marktforschungsinstitut GlobeScan in den folgenden 17 Ländern durchgeführt: Australien, Brasilien, Deutschland, Ghana, Großbritannien, Guatemala, Indien, Kenia, Mexiko, den Niederlanden, Pakistan, den Philippinen, Russland, Spanien, Südafrika, Tansania und den USA.

Die Top Ten unter den Lebensmitteln weltweit sind: Nudeln (9 Prozent), Fleisch (6 Prozent), Reis (5 Prozent), Pizza (5 Prozent), Geflügel (5 Prozent), Fisch und Meeresfrüchte (4 Prozent), Gemüse (3 Prozent), chinesisches Essen (2 Prozent), italienisches Essen (2 Prozent) und mexikanisches Essen (2 Prozent).

Die Vorstellung, dass die Preise für Weizen und Reis bis 2030 um 120% bzw. 130% steigen könnten, ist für die meisten Menschen beunruhigend. Gerade in Ländern wie beispielsweise Kenia, Ghana und Tansania würde die Situation brenzlig: Bei der aktuellen Umfrage kam heraus, dass schon heute nur ein Drittel der Befragten täglich genug zu essen haben.

Hier können Sie den Bericht herunterladen und mehr dazu erfahren.

Trotz Regen und Kälte demonstrierten am Samstag, den 21. Januar 2012, tausende Menschen in Berlin unter dem Motto „Wir haben es satt!“ gegen die Agrarindustrie und für eine neue Agrarpolitik.