Der Oxfam-Animationsfilm „Bittere Bananen“ ruft die Verbraucher/innen dazu auf, sich für mehr Transparenz in den Lieferketten der Supermärkte einzusetzen. Teilen Sie das Video!

Supermärkte

Die großen Supermarkt-Ketten expandieren, ihr Einfluss wächst. Die fünf größten Lebensmitteleinzelhändler Edeka, Rewe, Lidl, Aldi und Metro verfügen heute bereits über einen Anteil von ca. 90 Prozent am inländischen Marktvolumen. Nur wer kontinuierlich große Warenmengen in vorgegebener Qualität und zu niedrigen Preisen liefern kann, ist im Geschäft. Lieferanten und Erzeuger werden von den Supermarktketten im Preis gedrückt, unfaire Konditionen in die Verträge diktiert. Kleinbäuerinnen und -bauern und Arbeitskräfte am unteren Ende der Lieferkette haben das Nachsehen.

Oxfam setzt sich für menschenwürdige Arbeits- und faire Einkaufsbedingungen in der Lieferkette von Supermarktketten ein.

Unterstützen Sie unsere Kampagnenarbeit mit Ihrer Spende!

Gruppen:
17 | September | 2013

Marktmacht der Supermarktketten: Bundesregierung sieht keinen Handlungsbedarf

Im Rahmen einer kleinen Anfrage der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen musste die Bundesregierung zur Marktmacht der großen Supermarktketten und deren unlauteren Handelspraktiken Stellung nehmen. Ihr Fazit: Es bestehe kein Handlungsbedarf.

Doch die Realität sieht anders aus: So wurde beispielsweise Edeka erst kürzlich wegen ungerechtfertigter Rabattforderungen gegenüber seinen Lieferanten vom Kartellamt abgemahnt. Darüber hinaus prüft das Bundeskartellamt im Rahmen einer Sektoruntersuchung des Lebensmitteleinzelhandels die Machtverhältnisse zwischen Händlern und Herstellern. Denn die Einkaufsmacht der fünf großen deutschen Supermarktketten gegenüber ihren Lieferanten ist enorm: Aldi, Lidl, Rewe, Edeka und Metro teilen rund 90 Prozent des deutschen Lebensmittelmarktes unter sich auf.

Zwar sieht die Bundesregierung diese Problematik, einen Zusammenhang zwischen missbräuchlichen Forderungen gegenüber Händlern und der Ausbeutung der Arbeiter/innen am unteren Ende der Lieferkette will sie jedoch nicht sehen. So lägen ihr „keine gesicherten Kenntnisse vor, welchen Einfluss die genannten Supermarktketten auf die Arbeitsbedingungen und Umweltstandards in Entwicklungs- und Schwellenländern haben“.

Berichte wie beispielsweise Oxfams Mango-Studie oder Misereors Bananenstudie ignoriert sie dabei völlig. In der Oxfam-Studie wurden peruanische Mango-Exporteure untersucht, die über Großhändler deutsche Supermarktketten beliefern. Diese üben oftmals einen großen Preisdruck auf die Lieferanten aus und drängen sie, die Kosten gering zu halten. „Wenn die Lieferanten durch die Supermarktketten im Preis gedrückt werden, geben sie diese Konditionen entlang der Lieferkette weiter“, so Franziska Humbert von Oxfam. Die Arbeiter/innen am unteren Ende der Lieferkette sind dann die Leidtragenden, die unter Hungerlöhnen und Überstunden leiden.

Die Bundesregierung dagegen setzt auf freiwillige Lösungen und befindet, es gäbe „schon im geltenden Recht zahlreiche Regelungen, die Marktteilnehmer vor unlauteren Handelspraktiken schützen“. Laut Oxfam ist angesichts der Erfahrung aus Großbritannien, wo die Einführung eines freiwilligen Verhaltenskodexes nichts gebracht hat, das Bestehen auf Freiwilligkeit nicht länger tragbar: „Es müssen endlich geeignete gesetzliche Maßnahmen zur Verhinderung unfairer Einkaufspraktiken ergriffen werden“, so Humbert.

Hier finden Sie die Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen

16 | August | 2013

Kartellamt mahnt Edeka ab

Edeka-Filiale
Unfair: Edeka hat seine Nachfragemacht gegenüber Lieferanten missbräuchlich ausgenutzt. Foto: Patrick Wilken (CC-BY-NC)

Die Wettbewerbshüter des Kartellamts werfen Deutschlands größter Supermarktkette vor, ihre Marktmacht ausgenutzt zu haben, und mahnen sie wegen ihrer „missbräuchlichen“ Forderungen gegenüber seinen Lieferanten ab.

Edeka habe im Zuge der Übernahme der Plus-Filialen im Jahr 2009 ungerechtfertigte Rabatte von seinen Lieferanten gefordert. Laut Kartellamt seien rund 500 Lieferanten von diesen Handelspraktiken betroffen gewesen. „Nach unserer vorläufigen Bewertung hat Edeka hier jedoch die Grenze überschritten und ihre Nachfragemacht gegenüber den Lieferanten missbräuchlich ausgenutzt“, erklärt der Präsident der Behörde. Die Wettbewerbshüter kritisieren besonders all jene Forderungen, denen keine entsprechende Gegenleistung von Edeka gegenüber stand. Diese seien teilweise rückwirkend eingefordert worden.

Ein Bußgeld muss Edeka jedoch nicht zahlen. Dem Handelsunternehmen wurde lediglich eine Frist bis zum 20. September 2013 eingeräumt, um zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen.

Oft zahlen Kleinbauern den Preis
Der Kostendruck, der vom Lebens­mittel­­einzelhandel ausgeht, wird entlang der Wertschöpfungs­­­kette weitergegeben.Franziska Humbert
Oxfams Referentin für Unternehmens­verantwortung

Diese vorläufige Abmahnung bestätigt Oxfam in seiner Position zur Marktmacht der Supermarktketten. Der stark konzentrierte Lebensmitteleinzelhandel nutzt seine Marktmacht gegenüber Lieferanten aus und erzeugt dadurch einen enormen Preisdruck.

„Dieser Kostendruck, der vom Lebensmitteleinzelhandel ausgeht, z.B. in Form von unrechtmäßigen Rabatten, wird entlang der Wertschöpfungskette weitergegeben. Oft zahlen am Ende Kleinbauern sowie Arbeiter und Arbeiterinnen in Entwicklungsländern den Preis dafür. Sie arbeiten unter katastrophalen Arbeitsbedingungen zu einem viel zu geringen Lohn und machen zu viele Überstunden“, sagt Franziska Humbert, Referentin für Unternehmensverantwortung bei Oxfam.

Sanktionen für unfairen Handel!

Oxfam begrüßt den Vorstoß des Bundeskartellamts, gegen den Einsatz unfairer Handelspraktiken im Lebensmitteleinzelhandel vorzugehen.

Allerdings bleibt abzuwarten, was diese Abmahnung im Vergleich zu einem hohen Bußgeld bewirken wird. Es ist fraglich, ob Supermarktketten ohne empfindliche Sanktionen reagieren und in Zukunft unfaire Handelspraktiken unterlassen werden. Wir fordern daher, dass unfaire Einkaufspraktiken als solche gekennzeichnet werden und deren Verbot gesetzlich im Wettbewerbsrecht verankert wird. Zudem sollte eine Streitschlichtungsstelle eingerichtet werden, die den Einsatz unfairer Handelspraktiken effektiv ahnden und mit wirkungsvollen Sanktionen belegen kann.

10 | Juni | 2013

Oxfam-Studie: Ausbeutung in der Mango-Produktion in Peru

Oxfams neue Studie „Mangos mit Makel“ hat die Arbeitsbedingungen bei vier peruanischen Mango-Exporteuren untersucht, die über Großhändler deutsche Supermarktketten wie Aldi (Nord), Lidl, Edeka (Netto) und Metro (Real) beliefern. Sie kommt zu ernüchternden Ergebnissen. Zu den Ernte-Hochzeiten sind im peruanischen Mango-Sektor Arbeitstage von bis zu 14 Stunden kein Einzelfall.

Und nicht nur das: Trotz Überstunden liegen die Löhne vieler Mango-Arbeiter/innen unter der regionalen Armutsgrenze von 417 Euro pro Monat. Die Löhne entsprechen zwar dem geltenden Mindestlohn für die Landwirtschaft. Sie reichen jedoch bei weitem nicht aus, um eine ganze Familie zu ernähren. Zudem wird die Organisation in Gewerkschaften behindert. In keinem der untersuchten Betriebe gibt es eine Arbeitnehmerorganisation. In einer der Firmen haben kürzlich alle Arbeiter/innen ihren Job verloren, die sich für eine Gewerkschaftsgründung eingesetzt hatten.

Deutsche Supermärkte sind mitverantwortlich für diese Zustände. Die fünf größten Ketten – Aldi, Lidl, Rewe, Edeka und Metro – teilen rund 90 Prozent des gesamten deutschen Marktes unter sich auf. Ihre Einkaufsmacht und der damit verbundene Preisdruck auf die Lieferanten sind enorm. Diese wiederum reichen die Forderungen nach Niedrigpreisen an ihre Zulieferer aus Übersee weiter. Branchenkenner sprechen von einem „brutalen Markt“. Insbesondere Aldi, Lidl und Netto würden zu den Niedrigpreisen für Mangos beitragen. Denn mit ihren wöchentlichen Ausschreibungen entschieden sie jedes Mal neu über Preise und Abnahmemengen. Kein Lieferant oder Produzent wisse, wie viele Mangos letztendlich gekauft würden. Dadurch gebe es immer ein Überangebot. Wer auf seiner Ware sitzen bleibe, müsse diese dann noch billiger anbieten. Branchenkenner sprechen von einem „Casino-System“.

Auch die peruanischen Exporteure stehen unter Druck – in der Regel erhalten sie ihren Kaufpreis erst, wenn die Importeure ihrerseits das Geld von den Supermarktketten erhalten haben. Mit der von den Supermarktketten viel gepriesenen sozialen Verantwortung hat das wenig zu tun. Obwohl alle fünf Handelsunternehmen mittlerweile soziale Selbstverpflichtungen eingegangen sind, hat sich vor Ort bisher wenig verändert. Es gibt zwar vereinzelt Projekte, die bei ein paar wenigen Exporteuern zu Verbesserungen geführt haben. Doch insgesamt klafft in Bezug auf ihre soziale Verantwortung bei allen Supermarktketten noch eine Lücke zwischen Anspruch und Realität.

Oxfam fordert von den Supermarktketten, endlich umfassende und nachprüfbare soziale Selbstverpflichtungen einzugehen, um die Arbeitsbedingungen vor Ort zu verbessern. Auch die Politik muss handeln. Die Bundesregierung soll die Einhaltung sozialer Mindeststandards entlang der Lieferkette gesetzlich verankern und geeignete Maßnahmen zur Verhinderung unfairer Einkaufspraktiken ergreifen.

30 | Juli | 2012

Vorhang auf für „Bittere Bananen“ – Kurzfilm zu Arbeitsrechtsverletzungen in den Lieferketten deutscher Supermarktkonzerne

Hungerlöhne, gesundheitsgefährdender Pestizideinsatz und die Verletzung von Gewerkschaftsrechten sind nur einige der ausbeuterischen Arbeitsbedingungen, die zum Alltag von Beschäftigten auf den Zulieferplantagen der Supermarktketten Rewe, Lidl, Edeka, Metro oder Aldi gehören. Die tatsächlichen Arbeitsbedingungen stehen im krassen Widerspruch zu angeblichen sozialen Selbstverpflichtungen der Unternehmen. Der Oxfam-Animationsfilm „Bittere Bananen“ bringt dies satirisch auf den Punkt und ruft die Verbraucher/innen dazu auf, sich für mehr Transparenz in den Lieferketten der Supermärkte einzusetzen.

Das 90 Sekunden lange Video basiert auf der Oxfam-Studie „Bittere Bananen“. Der Einzelhandel wird in Deutschland und in der EU von wenigen Supermarktketten dominiert. Edeka, Rewe, Lidl, Aldi und Metro verfügen über einen Anteil von ca. 90 Prozent am inländischen Markt. Die Folge: Die Lieferanten werden im Preis gedrückt. Der dadurch entstehende Kostendruck wird auf die Plantagenarbeiter/innen abgewälzt.

Oxfam gehört zur Supermarktinitiative, einem Bündnis aus 25 Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften, das den Missbrauch der Einkaufsmacht von Supermarktketten aufdecken und begrenzen will. Die Supermarktinitiative fordert mit der Transparenzkampagne eine gesetzliche Offenlegungspflicht für Unternehmen zu deren sozialen und ökologischen Produktionsbedingungen. Die Bundesregierung muss handeln: Sie muss die Einhaltung sozialer Mindeststandards innerhalb der Lieferkette gesetzlich vorschreiben und sicherstellen, dass unfaire Einkaufspraktiken kartellrechtlich verboten werden.

In Deutschland und in der EU wird der Einzelhandel zunehmend dominiert von einer immer kleiner werdenden Anzahl von Supermarkt-Ketten. Die Versorgung der Verbraucher/-innen mit Lebensmitteln - ob von Landwirten oder anderen Zulieferern - wird immer mehr von Supermärkten kontrolliert. Sie diktieren ihren Zulieferern die Produktions-, Preis- und Lieferbedingungen und werden so zum "Gatekeeper" im Lebensmittelhandel. Die Zulieferer, die oft abhängig von einigen wenigen Supermärkten sind, geben den Preisdruck an ihre Arbeiter/-innen weiter. Akkordarbeit, längere Arbeitszeiten, schlechtere Arbeitsbedingungen und eine unsichere Arbeitssituation sind die Folge.

Seit Mitte der 1990er Jahre breiten sich Supermarkt-Ketten auch rasant in Entwicklungsländern aus. Ihr Einfluss nimmt zu. Vorangetrieben wird dieser Prozess unter anderem durch die Liberalisierung der Investitionsregeln in den Entwicklungsländern. Letztere verlieren damit die Möglichkeit, den Markteintritt und die Ausbreitung der Supermarktketten zu regulieren. Kleine Händler und Zulieferer werden so zunehmend ausgebootet.

Oxfam fordert,
  • dass Investitionsregeln in Handelsabkommen nicht liberalisiert werden. Arme Länder müssen die Möglichkeit haben, den Markteintritt und die Ausbreitung der Supermarkt-Ketten im eigenen Land zu regulieren,
  • dass die Einkaufsmacht der Supermärkte beschränkt wird und Konsument/-innen, Arbeiter/-innen und Produzent/-innen vor den negativen Auswirkungen geschützt werden,
  • dass Supermärkte ihre Einkaufspolitiken ändern und faire Preise and Lieferbedingungen einführen,
  • dass Regierungen in Nord und Süd, internationale Organisationen, wie die internationale Arbeitsorganisation und die Weltbank sowie Verbraucher/innen dafür sorgen, dass menschenwürdige Arbeitsbedingungen in den Zulieferketten der Supermärkte durchgesetzt werden.
Didier Leiton Valverde, Gewerkschafter aus Costa Rica, über Arbeitsbedingungen auf Bananen- und Ananasplantagen und die politische Debatte in Deutschland.
'Bittere Bananen' oder warum wir dringend mehr Transparenz in der Lieferkette brauchen. Kurzfilm zu Arbeitsrechtsverletzungen in den Lieferketten deutscher Supermarktkonzerne. © Oxfam Deutschland