Supermärkte
Foto: Supermarkt-Initiative bei der Grünen Woche in Berlin
Supermarkt-Initiative bei der Grünen Woche in Berlin. © Oxfam Deutschland

Supermärkte

Die großen Supermarkt-Ketten expandieren, ihr Einfluss wächst. Die sechs größten Lebensmitteleinzelhändler Edeka, Rewe, Lidl, Aldi, Metro und Tengelmann verfügen heute bereits über einen Anteil von ca. 90 Prozent am inländischen Marktvolumen. Nur wer kontinuierlich große Warenmengen in vorgegebener Qualität und zu niedrigen Preisen liefern kann, ist im Geschäft. Lieferanten und Erzeuger werden von den Supermarktketten im Preis gedrückt, unfaire Konditionen in die Verträge diktiert. Kleinbäuerinnen und -bauern und Arbeitskräfte am unteren Ende der Lieferkette haben das Nachsehen.

Oxfam setzt sich für menschenwürdige Arbeits- und faire Einkaufsbedingungen in der Lieferkette von Supermarktketten ein.

02 | Februar | 2012

Oxfam-Studie „Bittere Bananen“ stößt auf breite Resonanz

Die Studie „Bittere Bananen“, die Oxfam Deutschland Ende Dezember 2011 veröffentlicht hat, ist nicht nur bei den Medien auf breite Resonanz gestoßen. Inzwischen haben Fruchtvermarkter und Supermarktketten Gesprächsbereitschaft signalisiert. Lehrer/innen haben die Studie für den Unterricht zum Thema Wirtschaft und Menschenrechte bestellt.

Für den Report „Bittere Bananen“ waren 117 Arbeiter/innen in Ecuador befragt worden, die auf Plantagen und in der Verpackung der drei Bananen-Produzenten Noboa, Dole und Reybanpac sowie für deren Zulieferer arbeiten. Die Studie belegt untragbare Arbeitsbedingungen wie Hungerlöhne und Pestizidbelastung. Zugleich wird dargestellt, dass deutsche Supermarktketten durch ihre Preispolitik für diese Verletzungen der Arbeitsrechte mitverantwortlich sind. Oxfam Deutschland wird sich mit Vertreter/innen der Supermarktketten und Fruchtvermarkter treffen.

Zu den in der Studie angesprochenen Problemen gehören die Löhne. Sie reichen nicht aus, um eine Familie zu ernähren. Der durchschnittlich gezahlte Nettolohn liegt laut der befragten Bananenarbeiter/innen bei lediglich rund 237 US-Dollar, deutlich unter der staatlich definierten Armutsgrenze von 544 US-Dollar für eine vierköpfige Familie. Insgesamt gaben 83 Prozent der Befragten ein Familieneinkommen unterhalb der Armutsgrenze an.

Daneben gefährdet der Einsatz von Pestiziden die Gesundheit der Plantagenarbeiter/innen und Anwohner/innen. Obwohl das ecuadorianische Gesetz dies verbietet, werden immer noch gefährliche Pestizide von Flugzeugen aus auf die Felder gesprüht. 90 Prozent der Befragten auf den Zulieferplantagen gaben an, dass dies während ihrer Arbeitszeit erfolgte. Nach Aussage der auf den Plantagen von Noboa Befragten hatten sie keinerlei Schutzkleidung gegen Pestizide oder Arbeitsunfälle erhalten.

Oxfam fordert von den Supermarktkonzernen soziale Selbstverpflichtungen, die einen fairen Umgang mit Lieferanten und den dort Beschäftigten vorschreiben. Ebenso muss die Bundesregierung handeln: Sie muss die Einhaltung sozialer Mindeststandards innerhalb der Lieferkette gesetzlich vorschreiben und sicherstellen, dass unfaire Einkaufspraktiken kartellrechtlich verboten werden.

Die Studie basiert auf der von Oxfam Deutschland in Auftrag gegebenen Untersuchung durch die unabhängige ecuadorianische Forschungseinrichtung zu Agrarfragen SIPAE (Sistema de Investigación de la Problemática Agraria de Ecuador).

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22 | Juli | 2011

Aldi: Vorstoß bei Transparenz und sozialer Verantwortung

Vergangene Woche kündigten die Discountvorreiter Aldi Nord und Süd an, keine Bananen mehr von Lieferanten unbekannter Herkunft zu beziehen. Darüber hinaus wollen die Unternehmen bei der Auswahl der Lieferanten auf Einhaltung von Sozialstandards in der Produktion achten. Oxfam Deutschland begrüßt diesen Schritt grundsätzlich und wird dessen Umsetzung kritisch beobachten.

Oxfam und die weiteren Mitglieder des CorA-Netzwerks und der Supermarktinitiative hatten im April eine „Transparenzkampagne“ gestartet, mit der die Bundesregierung aufgefordert wird, Unternehmen gesetzlich zur Offenlegung ihrer Lieferanten sowie der Arbeitsbedingungen über die gesamte Lieferkette zu verpflichten.

Wenn Aldi tatsächlich für die Einhaltung von Sozialstandards bei seinen Lieferanten sorgt und seine Lieferkette  der Öffentlichkeit bekannt gibt, wäre dies ein großer Schritt in die richtige Richtung. Aldi-Süd preist sich bereits seit längerem als sozial verantwortliches Unternehmen, ohne dass sich die sozialen Bedingungen im Unternehmen entscheidend geändert hätten. Daher bleibt abzuwarten, ob den Worten diesmal Taten folgen.

20 | Juli | 2011

Vertane Chance bei Änderung des Verbraucherinformationsgesetzes

Oxfam kritisiert Streichung der Passage zu sozialen und ökologischen Produktionsbedingungen

Anlässlich der Beratung eines Entwurfs zur Änderung des Verbraucherinformationsgesetzes im Kabinett erklärt Franziska Humbert, Arbeitsrechte-Expertin bei Oxfam Deutschland:

„Mit der vorgeschlagenen Novelle zur Änderung des Verbraucherinformationsgesetzes vertut die Bundesregierung eine Chance, Verbrauchern Zugang zu Informationen über soziale und ökologische Produktionsbedingungen zu verschaffen. Die entsprechende Passage ist aus dem Entwurf vom 18. Januar 2011 ersatzlos gestrichen worden. Ohne die entsprechenden Informationen können Verbraucher bei der Wahl der Produkte keine informierte Entscheidung treffen – ein Votum mit dem Einkaufskorb ist so nicht möglich.“

Kontakt:

Dr. Franziska Humbert, Oxfam Deutschland e. V., 0171-2124106, fhumbert@oxfam.de

07 | April | 2011

Bundestag diskutiert Vorgehen gegen Preisdrückerei der Supermarktriesen

Heute befasst sich der Bundestag mit dem Antrag der SPD „Gegen Missbrauch von Marktmacht“. Darin fordert sie, eine unabhängige Ombuds-Stelle zur Untersuchung und Ahndung unfairer Einkaufspraktiken des Lebensmittel-Einzelhandels gegenüber seinen Lieferanten einzurichten.

Gut, dass sich der Bundestag mit dem Problem beschäftigt. Denn die Bundesregierung schaute bislang tatenlos zu, wie die führenden Supermarktketten knallhart ihre Nachfragemacht gegenüber Lieferanten einsetzen und ihnen unfaire Konditionen in die Verträge diktieren.

Das geht zu Lasten der Arbeiter/innen, Erzeuger/innen, Verbraucher/innen, der Umwelt und des Tierschutzes sowie kleinerer und mittlerer Unternehmen. Die Produzenten von Lebensmitteln trauen sich nicht, die unfairen Einkaufpraktiken öffentlich zu machen, da sie fürchten, dass sie dann die Aufträge der Lebensmittelketten verlieren.

Die vier größten Supermarktketten in Deutschland haben inzwischen rund 85 Prozent des gesamten Lebensmittelmarktes unter Kontrolle.

Mitmachen

Supermarktinitiative

In Deutschland und in der EU wird der Einzelhandel zunehmend dominiert von einer immer kleiner werdenden Anzahl von Supermarkt-Ketten. Die Versorgung der Verbraucher/-innen mit Lebensmitteln - ob von Landwirten oder anderen Zulieferern - wird immer mehr von Supermärkten kontrolliert. Sie diktieren ihren Zulieferern die Produktions-, Preis- und Lieferbedingungen und werden so zum "Gatekeeper" im Lebensmittelhandel. Die Zulieferer, die oft abhängig von einigen wenigen Supermärkten sind, geben den Preisdruck an ihre Arbeiter/-innen weiter. Akkordarbeit, längere Arbeitszeiten, schlechtere Arbeitsbedingungen und eine unsichere Arbeitssituation sind die Folge.

Seit Mitte der 1990er Jahre breiten sich Supermarkt-Ketten auch rasant in Entwicklungsländern aus. Ihr Einfluss nimmt zu. Vorangetrieben wird dieser Prozess unter anderem durch die Liberalisierung der Investitionsregeln in den Entwicklungsländern. Letztere verlieren damit die Möglichkeit, den Markteintritt und die Ausbreitung der Supermarktketten zu regulieren. Kleine Händler und Zulieferer werden so zunehmend ausgebootet.

Oxfam fordert,
  • dass Investitionsregeln in Handelsabkommen nicht liberalisiert werden. Arme Länder müssen die Möglichkeit haben, den Markteintritt und die Ausbreitung der Supermarkt-Ketten im eigenen Land zu regulieren,
  • dass die Einkaufsmacht der Supermärkte beschränkt wird und Konsument/-innen, Arbeiter/-innen und Produzent/-innen vor den negativen Auswirkungen geschützt werden,
  • dass Supermärkte ihre Einkaufspolitiken ändern und faire Preise and Lieferbedingungen einführen,
  • dass Regierungen in Nord und Süd, internationale Organisationen, wie die internationale Arbeitsorganisation und die Weltbank sowie Verbraucher/innen dafür sorgen, dass menschenwürdige Arbeitsbedingungen in den Zulieferketten der Supermärkte durchgesetzt werden.