Der Oxfam-Animationsfilm „Bittere Bananen“ ruft die Verbraucher/innen dazu auf, sich für mehr Transparenz in den Lieferketten der Supermärkte einzusetzen. Teilen Sie das Video!

Supermärkte

Die großen Supermarkt-Ketten expandieren, ihr Einfluss wächst. Die fünf größten Lebensmitteleinzelhändler Edeka, Rewe, Lidl, Aldi und Metro verfügen heute bereits über einen Anteil von ca. 90 Prozent am inländischen Marktvolumen. Nur wer kontinuierlich große Warenmengen in vorgegebener Qualität und zu niedrigen Preisen liefern kann, ist im Geschäft. Lieferanten und Erzeuger werden von den Supermarktketten im Preis gedrückt, unfaire Konditionen in die Verträge diktiert. Kleinbäuerinnen und -bauern und Arbeitskräfte am unteren Ende der Lieferkette haben das Nachsehen.

Oxfam setzt sich für menschenwürdige Arbeits- und faire Einkaufsbedingungen in der Lieferkette von Supermarktketten ein.

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01 | Dezember | 2014

Geplanter Zusammenschluss von Edeka und Kaiser’s Tengelmann muss verhindert werden

Am 4. November 2014 hat Edeka die geplante Übernahme von Kaiser’s Tengelmann beim Kartellamt angemeldet. Das Unternehmen hat die Absicht, die 450 Kaiser’s Tengelmann-Märkte zum Sommer nächsten Jahres zu übernehmen. Bis zum März hat das Bundeskartellamt Zeit, die geplante Übernahme zu überprüfen und gegebenenfalls zu untersagen.

Marktmacht und Gefahren für Leben und Gesundheit  

Bereits jetzt teilen sich nur noch vier Unternehmen – Edeka, Rewe, die Schwarzgruppe und Aldi – 85 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels und können mit dieser Marktmacht ihren Lieferanten Konditionen und Preise diktieren. Die Lieferanten wiederum geben diesen Preisdruck weiter, was hier und in Entwicklungsländern Gesundheit und Leben gefährdet. Das bedeutet zum Beispiel, dass Einkommen von Kleinbäuerinnen und -bauern in der Bananenindustrie in Ecuador und Kolumbien unter der Armutsgrenze liegen (s. Oxfam-Studie zu Bananenpreisen).

In einigen Betrieben gibt es wegen des Preisdrucks nicht einmal Schutzkleidung bei der Arbeit mit Pestiziden. Die schwerwiegenden negativen Auswirkungen des Preisdrucks in der Lieferkette sind bereits durch viele Studien belegt. Die geplante Übernahme und die Verstärkung der Marktmacht von Edeka würden diesen Preisdruck auf Lieferanten und die negativen Auswirkungen noch weiter verschlimmern.

Das Bundeskartellamt muss den Zusammenschluss verhindern

Das Bundeskartellamt selbst hat in seiner jüngst veröffentlichten Sektoruntersuchung diese Einkaufsmacht der Supermarktketten bestätigt. Darin schreibt das Bundeskartellamt auch, dass in Zukunft der Erwerb eines Lebensmitteleinzelhändlers durch eines der großen Handelsunternehmen einer vertieften Prüfung der Auswirkungen auch auf die Beschaffungsmärkte bedarf. Das Bundeskartellamt hat erst kürzlich Edekas Missbrauch seiner Nachfragemacht im Zuge der Übernahme der Plus-Märkte in 2009 gegenüber seinen Lieferanten bestätigt. Daher ist zu befürchten, dass sich so ein Missbrauch in Form von unfairen Einkaufspraktiken bei dieser Übernahme wiederholt und sich die Marktmacht von Edeka noch verstärkt. Deshalb muss das Bundeskartellamt die Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch Edeka im bereits hoch konzentrierten Lebensmittelmarkt verhindern.

17 | Oktober | 2014

Bundeskartellamt bestätigt Marktmacht im Lebensmitteleinzelhandel

In seiner im September veröffentlichten „Sektoruntersuchung Lebensmitteleinzelhandel“ stellt das Bundeskartellamt fest, dass die Wettbewerbsbedingungen in Deutschland von einer Spitzengruppe aus Edeka, Rewe, der Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland) und Aldi dominiert werden. Die Schlussfolgerungen des Bundeskartellamts bestätigen die Ergebnisse von Oxfam-Studien zur Fruchtbranche wie „Billige Bananen: Wer zahlt den Preis?“, nach denen die Einkaufsmacht der vier großen Supermarktketten es diesen ermöglicht, Nahrungsmittelhersteller und Lieferanten im Preis zu drücken. Dies wiederum ist eine der Hauptursachen für Einkommen unterhalb der Armutsgrenze und schlechte Arbeitsbedingungen für Beschäftigte und Kleinbäuerinnen und -bauern in Produktionsländern wie Ecuador, Peru und Kolumbien.

Die ausführliche Stellungnahme von Oxfam zur Sektoruntersuchung können Sie hier herunterladen.

 

24 | September | 2014

Preiskampf um Bananen: Deutsche Discounter bedrohen Existenzen in Anbauländern

Bananenstudie von Oxfam
© Gilvan Barreto / Oxfam

Durch das Preisdumping deutscher Supermarktketten – allen voraus der großen Discounter – wird der gesetzliche Mindestpreis von 6,22 US-Dollar pro 43-Pfund-Kiste Bananen in Ecuador systematisch unterlaufen. Besonders hart trifft der Preiskampf die kleinbäuerlichen Betriebe mit weniger als zehn Hektar Anbaufläche, Tausende von ihnen haben bereits ihre Existenz verloren. Rund drei Viertel der Einkünfte von Bananenarbeiter/innen in Ecuador liegen unterhalb der Armutsgrenze.

Auch in Kolumbien, wo es keinen Mindestpreis gibt, trägt der Preisdruck maßgeblich zu einer Verschlechterung sozialer und arbeitsrechtlicher Standards bei. Das ergibt der Oxfam-Bericht „Billige Bananen: Wer zahlt den Preis?“.
 
Oxfam fordert die Supermarktketten auf, den Preisdruck auf ihre Lieferant/innen zu verringern und auf diese Weise Tausende Existenzen in Anbauländern sicherzustellen. Die Bundesregierung muss die Marktmacht der Supermärkte beschränken, unfaire Einkaufspraktiken eindämmen und dazu beitragen, die kleinbäuerliche Produzent/innen sowie die Arbeitsrechte der Beschäftigten in der Lieferkette zu stärken.

17 | Juli | 2014

EU entscheidet: Keine Eindämmung der Supermarktmacht

Anderthalb Jahre nach Veröffentlichung des Grünbuchs zu unlauteren Handelspraktiken im Lebensmittelsektor entschied die EU-Kommission nun: Es wird keine europaweite Regulierung zu unfairen Handelspraktiken geben, stattdessen sollen die Mitgliedstaaten selbst aktiv werden. „Das ist eine herbe Enttäuschung. Die EU hat zwar erkannt, dass Supermarktketten durch ihre Marktmacht Lebensmittelhersteller und -lieferanten unter erheblichen finanziellen Druck setzen und teilweise in ihrer Existenz bedrohen. Dennoch bleibt die EU untätig und überlässt es den Mitgliedstaaten, einzuschreiten“, sagt Franziska Humbert, Handelsexpertin bei Oxfam Deutschland. „Damit folgt sie den Interessen der Wirtschaft, die auf rein freiwillige Maßnahmen setzt und die von ihr gegründete  „Supply Chain Initiative (Initiative zur Lieferkette)“ als ausreichend ansieht. Produzierende und Arbeitnehmer/innen hier und in Entwicklungsländern haben das Nachsehen.“

96 Prozent der Zulieferer leiden unter unfairen Handelspraktiken

Die Untersuchung der EU hätte nicht deutlicher gegen die Supermarktketten ausfallen können. Dennoch belässt sie es milde bei Hinweisen und Empfehlungen.  In ihrer Mitteilung zu unfairen Handelspraktiken in der Lebensmittellieferkette (KOM(2014)472/2) vom 15. Juli 2014 kommt die Kommission zum Schluss, dass 96 Prozent der  europäischen Zulieferer unter Handelspraktiken leiden. Daneben stellt sie auch fest, welche unfairen Handelspraktiken Supermarktketten am häufigsten einsetzen: nämlich rückwirkende  Änderung der Vertragsbedingungen, übermäßige Verlagerung von Kosten und Risiken auf Lieferanten und unfaire Beendigung der Lieferbeziehung. Doch die EU bleibt passiv und verweist auf die unterschiedlichen nationalen Gesetzeslagen, die einen europaweiten Kampf gegen Marktmissbrauch unmöglich machten.  Zwar kritisiert die EU,  dass die unterschiedlichen Rechtslagen den Binnenmarkt gefährden und sieht die die Grenzen freiwilliger Maßnahmen wie der  „Supply Chain Initiative“ sehr deutlich. Sie bekräftigt auch immer wieder, wie wichtig unabhängige Stellen sind, um Lieferanten vor Repressalien der Supermarktketten zu schützen. Auf eine Regulierung jedoch wartet man vergeblich. Diese Chance hat die EU vorerst vertan. Nun sind wieder die einzelnen Mitgliedstaaten gefragt, für faire Handelspraktiken einzustehen.

Oxfam und die Supermarktinitiative

Seit 2008 setzt sich Oxfam Deutschland zusammen mit der Supermarkt-Initiative, einem Verbund von 26 Organisationen aus den Bereichen Entwicklung, Menschenrechte, Landwirtschaft und Gewerkschaften für die Eindämmung des Missbrauchs der Marktmacht und der negativen Auswirkungen auf Verbraucher/innen, Arbeiter/innen und Produzent/innen in Deutschland, der EU und in Übersee ein. Unter anderem fordern sie gemeinsam von der Bundesregierung und der EU, verbindliche Maßnahmen einzuführen, um effektiv gegen den Einsatz unlauterer Handelspraktiken vorgehen zu können.

In Deutschland und in der EU wird der Einzelhandel zunehmend dominiert von einer immer kleiner werdenden Anzahl von Supermarkt-Ketten. Die Versorgung der Verbraucher/-innen mit Lebensmitteln - ob von Landwirten oder anderen Zulieferern - wird immer mehr von Supermärkten kontrolliert. Sie diktieren ihren Zulieferern die Produktions-, Preis- und Lieferbedingungen und werden so zum "Gatekeeper" im Lebensmittelhandel. Die Zulieferer, die oft abhängig von einigen wenigen Supermärkten sind, geben den Preisdruck an ihre Arbeiter/-innen weiter. Akkordarbeit, längere Arbeitszeiten, schlechtere Arbeitsbedingungen und eine unsichere Arbeitssituation sind die Folge.

Seit Mitte der 1990er Jahre breiten sich Supermarkt-Ketten auch rasant in Entwicklungsländern aus. Ihr Einfluss nimmt zu. Vorangetrieben wird dieser Prozess unter anderem durch die Liberalisierung der Investitionsregeln in den Entwicklungsländern. Letztere verlieren damit die Möglichkeit, den Markteintritt und die Ausbreitung der Supermarktketten zu regulieren. Kleine Händler und Zulieferer werden so zunehmend ausgebootet.

Oxfam fordert,
  • dass Investitionsregeln in Handelsabkommen nicht liberalisiert werden. Arme Länder müssen die Möglichkeit haben, den Markteintritt und die Ausbreitung der Supermarkt-Ketten im eigenen Land zu regulieren,
  • dass die Einkaufsmacht der Supermärkte beschränkt wird und Konsument/-innen, Arbeiter/-innen und Produzent/-innen vor den negativen Auswirkungen geschützt werden,
  • dass Supermärkte ihre Einkaufspolitiken ändern und faire Preise and Lieferbedingungen einführen,
  • dass Regierungen in Nord und Süd, internationale Organisationen, wie die internationale Arbeitsorganisation und die Weltbank sowie Verbraucher/innen dafür sorgen, dass menschenwürdige Arbeitsbedingungen in den Zulieferketten der Supermärkte durchgesetzt werden.
Didier Leiton Valverde, Gewerkschafter aus Costa Rica, über Arbeitsbedingungen auf Bananen- und Ananasplantagen und die politische Debatte in Deutschland.
'Bittere Bananen' oder warum wir dringend mehr Transparenz in der Lieferkette brauchen. Kurzfilm zu Arbeitsrechtsverletzungen in den Lieferketten deutscher Supermarktkonzerne. © Oxfam Deutschland
Nichtregierungsorganisationen decken immer wieder katastrophale Arbeitsbedingungen auf: Löhne unter Existenzminimum, gesundheitsgefährndende Pestizide, Verletzungen gesetzlicher Arbeitszeiten, Frauendiskriminierung, Kinderarbeit oder Einschüchterungsversuche der Gewerkschaften. Das CorA-Netzwerk für Unternehmensverantwortung und das Forum Menschenrechte weisen anhand einzelner Fallbeispiele und Themen auf den Handlungsbedarf und nötige Umsetzungsschritte hin.
Deutsche Unternehmen sind immer wieder an gravierenden Menschenrechtsverletzungen im Ausland beteiligt. Das CorA-Netzwerk für Unternehmensverantwortung und das Forum Menschenrechte fordern die Regierung auf, umfassende Offenlegungspflichten für Unternehmen über soziale und ökologische Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit einzuführen.
Das Bundeskartellamt hat nun die von uns geforderte Sektoruntersuchung des Lebensmitteleinzelhandels zum Abschluss gebracht und veröffentlicht. Die Analyse untermauert die Ergebnisse unserer Studien: Die größten deutschen Supermarktketten drücken Nahrungsmittelhersteller und Lieferanten im Preis und diktieren für sich günstige Konditionen.
Der Bericht „Billige Bananen: Wer zahlt den Preis?“ beschäftigt sich mit den Folgen des Preisdumpings deutscher Supermarktketten für die kleinbäuerlichen Produzenten und Plantagenarbeiter/innen in Ecuador und Kolumbien.
Prof. Dr. Helmut Köhler hat im Auftrag von Oxfam Deutschland die Rechtslage untersucht und Reformvorschläge für EU- und nationales Recht unterbreitet
Die von Oxfam veröffentlichte Studie "Mangos mit Makel" zeigt, dass Arbeiter/innen in den peruanischen Anbaugebieten nicht nur mit einem Gehalt unterhalb der Armutsgrenze abgespeist werden, sondern auch Arbeitstage von bis zu 14 Stunden alltäglich sind. Deutsche Supermarktketten haben diese Zustände mitzuverantworten.
Für die Oxfam-Studie „Bittere Bananen“ wurden 117 Arbeiter/innen in Ecuador befragt, die auf Plantagen und in der Verpackung der drei Bananen-Produzenten Noboa, Dole und Reybanpac sowie für deren Zulieferer arbeiten. Die Studie belegt untragbare Arbeitsbedingungen wie Hungerlöhne und Pestizidbelastung.
Wie Metro seine Marktposition in Indien auf Kosten von Landarbeiter/innen und Angestellten ausbaut
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