Nahrungsmittelkrise Ostafrika
Neuankömmlinge warten auf ihre Registrierung für ein Flüchtlingscamp.
Neuankömmlinge aus Somalia warten auf ihre Registrierung für das Flüchtlingscamp Dadaab, Kenia. © Andy Hall/ Oxfam

Nahrungsmittelkrise Ostafrika

Von der aktuellen Dürre in Ostafrika sind schätzungsweise mehr als 13 Millionen Menschen betroffen. Laut den Vereinten Nationen herrscht inzwischen eine Hungersnot in sechs Gebieten im Süden Somalias. Fast die Hälfte aller Kinder, die aus Somalia in den Flüchtlingscamps im Süden Äthiopiens ankommen, ist unterernährt. Die Flüchtlingscamps in Kenia und Äthiopien stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen, während Tag für Tag Tausend und mehr neue Flüchtlinge eintreffen.

Viele Länder in der Region leiden während der viermonatigen Trockenzeit regelmäßig unter akutem Wassermangel. In Teilen der Region sind jedoch während der vorausgehenden Regenzeit nicht mehr genügend Niederschläge gefallen, oder sie sind sogar ganz ausgeblieben – in einigen der betroffenen Gebiete nun schon das zweite Jahr in Folge. Die Konsequenz sind Ernteverluste oder totaler Ausfall von Ernten, und die nächste Regenzeit wird nicht vor Oktober erwartet. Millionen von Menschen sind gefährdet durch Hunger und Unterernährung.

Rekordpreise für Nahrungsmittel

Karte von Äthiopien, Kenia und Somalia

Zentrum der Krise ist die Grenzregion zwischen Somalia, Äthiopien und Kenia. Die Lebensgrundlagen der Bevölkerung bestehen dort vor allem aus Ackerbau und Viehzucht. Aufgrund der Dürre sind bereits Hunderttausende von Ziegen, Schafen, Kamelen und Rindern verendet, in bestimmten Gebieten fast die Hälfte des gesamten Viehbestands. Für die Bäuerinnen und Bauern wird es schwierig, Futter für ihre Viehherden zu beschaffen.

Ebenso schwierig ist es, Tiere zu verkaufen, um mit den Einnahmen Nahrungsmittel für die Familien zu kaufen. Die Preise für Vieh sind wegen der Dürre auf einem Tiefststand; niemand kauft in der aktuellen Situation Vieh, das den nächsten Monat möglicherweise nicht übersteht. Für viele Familien sind ihre Nutztiere oft der einzige Besitz und Vermögenswert. Hingegen werden Rekordpreise für Grundnahrungsmittel wie Mais und Hirse bezahlt, aufgrund massiver Nachfrage und eines beschränkten Angebots. In Somalia ist der Preis für Hirse gegenüber dem Vorjahr um 240 Prozent gestiegen; Mais kostet doppelt, in manchen Gebieten dreimal so viel wie vor einem Jahr.

Oxfam ist vor Ort

Oxfam unterstützt bislang 2,8 Millionen Menschen in den Dürregebieten. Das Ziel ist es, diese Programme auf 3,5 Millionen Betroffene auszuweiten, die durch Nahrungsmittelhilfe, Einrichtung von Ernährungszentren, tierärztliche Maßnahmen sowie humanitäre Hilfe im Bereich Trinkwasser und Hygiene unterstützt werden sollen.


Oxfam in Ostafrika auf einer größeren Karte anzeigen

Oxfam ruft dringend zu Spenden für die von der Nahrungsmittelkrise betroffenen Menschen in Ostafrika auf:

Zum Spendenformular

Spendenkonto:
Oxfam Deutschland e.V.
Spendenkonto: 13 13 13
BLZ 370 205 00
Bank für Sozialwirtschaft
Kennwort: Nahrungsmittelkrise Ostafrika

07 | Februar | 2012

Humanitäre Hilfe: Lokale Akteure stärken

Weltweit steigt der Bedarf an humanitärer Hilfe. Trotzdem ist internationale Hilfe nach Katastrophen häufig nicht effizient genug und kommt zu spät. Zwei fast gleichzeitige Großkrisen im Jahr 2010 – das Erdbeben in Haiti und die Überschwemmungen in Pakistan – stellten die internationale Hilfe vor eine ernste Belastungsprobe. Bei der Hungernot am Horn von Afrika im vergangenen Jahr dauerte es trotz Frühwarnung mehrere Monate, bis ernsthaft reagiert wurde.

Um die Leistungsfähigkeit der internationalen Hilfe zu verbessern, ist es notwendig, die unmittelbar von einer Katastrophe oder einem Konflikt Betroffenen stärker in die Nothilfe einzubeziehen und den öffentlichen Behörden vor Ort, zivilgesellschaftlichen Akteuren und dem privaten Sektor eine größere Rolle einzuräumen. Dazu ist ein Aufbau lokaler Kapazitäten und Fähigkeiten erforderlich: Die Akteure vor Ort müssen in die Lage versetzt werden, bei der unmittelbaren Nothilfe, in der Katastrophenvorsorge oder beim späteren Wiederaufbau eigenverantwortlich wichtige Aufgaben zu übernehmen.

Geberländer, Vereinte Nationen und Hilfsorganisationen, bislang die Hauptakteure der internationalen Nothilfe, werden weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Für sie muss es aber künftig darum gehen, besser mit lokalen Akteuren zu kooperieren und auf eine effizientere Arbeitsteilung mit ihnen hinzuarbeiten. Hierbei muss gewährleistet bleiben, dass die grundlegenden Standards und Prinzipien der humanitären Hilfe eingehalten werden.

20 | Januar | 2012

Ostafrika: Schnellere Reaktion auf Krisenwarnungen notwendig

Obwohl früh genug vor einer Hungerkrise in Ostafrika gewarnt wurde, dauerte es viel zu lange, bis ausreichende internationale Hilfe mobilisiert wurde. Frühwarnsysteme hatten bereits im August 2010 eine akute Nahrungsmittelkrise für Teile Ostafrikas prognostiziert. Internationale Hilfe im benötigten Umfang verzögerte sich jedoch bis Juli 2011 – bis auch die Medien begannen, über das Thema zu berichten. Die Schwellenwerte für eine akute Krise waren zu diesem Zeitpunkt bereits weit überschritten.

Die Krise ist nicht nur die Folge der aktuellen Dürre, sondern hat strukturelle Ursachen, wie die jahrzehntelange Vernachlässigung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in Ostafrika. Dennoch hätte frühzeitige humanitäre Hilfe das Ausmaß der Krise mindern und den Betroffenen dabei helfen können, besser mit den negativen Auswirkungen fertig zu werden, zum Beispiel durch gezielte Maßnahmen zum Schutz des Viehbestands und zur Aufrechterhaltung lokaler Märkte.

Das internationale Hilfesystem – einschließlich Regierungen jeweils betroffener Länder, internationale Geber und Hilfsorganisationen – muss frühzeitig auf die Warnung vor einer Hungerkrise reagieren, damit diese im Idealfall noch verhindert werden kann: Sobald Frühwarnsysteme Alarm auslösen, muss damit begonnen werden zu handeln – nicht erst, wenn die Krise eingetreten ist. Die nächste große Nahrungskrise, die das Leben von Millionen von Menschen bedrohen könnte, zeichnet sich bereits in Westafrika ab.

19 | August | 2011

Oxfam bringt Wasser nach Dadaab in Kenia

Tausende Menschen aus Somalia strömen Tag für Tag in die Flüchtlingscamps Dadaab im Norden Kenias. Um eine ausreichende Wasserversorgung in den überfüllten Camps sicher zu stellen, organisiert Oxfam den Bau von Wasserleitungen und Wassertanks. Damit wird auch der Seuchengefahr begegnet.

Dieses Video zeigt den Alltag des Rohrlegers Silas Kipsang beim Bau einer Wasserleitung im Auftrag von Oxfam. Oxfam hat im Raum Dadaab bereits 37 Kilometer Wasserrohre verlegt und vier Hochtanks für Trinkwasser errichtet. Dadurch wurde die Wasserversorgung verbessert und die Einrichtung von Waschstellen ermöglicht.

12 | August | 2011

Dürre in Ostafrika: Oxfams Nothilfe im Juli 2011

Oxfam hat mit seinen Hilfsprojekten bisher über 1,3 Millionen Menschen in Kenia, Äthiopien und Somalia erreicht.

Kenia:

Neu errichtete Latrine im Dadaab-Flüchtlingscamp, Kenia. © OxfamIn den großen Flüchtlingscamps in Dadaab, rund 100 Kilometer von der Grenze zu Somalia entfernt, leben inzwischen fast 400.000 Menschen – ausgelegt waren die Camps ursprünglich nur für 90.000 Personen. Allein im letzten Monat sind weitere 40.000 somalische Flüchtlinge hinzugekommen. Dringend erforderlich ist daher eine Ausweitung der Kapazitäten und Programme in Dadaab. Im Bereich Wasser und Hygiene hat Oxfam im Juli fünf weitere Wassertanks errichtet. Tanklaster fahren bis zu zehnmal täglich die verschiedenen Camp-Standorte an und liefern Trinkwasser. Ein Schwerpunkt der Arbeit in Dadaab ist der Bau von Hygiene-Einrichtungen: 85 neue Latrinen sind fertiggestellt, 75 weitere werden noch gebaut. Übergangsweise kommen mobile Latrinen-Systeme zum Einsatz. Eine Pipeline wird gebaut, um ein neues Camp mit dem bestehenden Wassersystem eines 4 km entfernten Nachbarcamps zu verbinden. Gegenwärtig laufen die Vorbereitungen für ein weiteres Camp. Dort steht ein erster Wassertank bereit, 20 Latrinen befinden sich im Bau.

Nicht nur die somalischen Flüchtlinge in den Camps benötigen Unterstützung, sondern auch die kenianischen Kleinbauern in den umliegenden Distrikten Turkana und Wajir, die massiv von der Dürre betroffen sind. In beiden Bezirken finden Nothilfemaßnahmen in den Bereichen Nahrung, Wasser und Bargeldtransfers statt. In Wajir Bor führt Oxfam eine Notbelieferung mit Trinkwasser durch, damit die Versorgung aufrechterhalten bleibt, während das lokale Wasser-Komitee die örtliche Brunnenanlage saniert. In Ajawa und Qudama werden Regenwasserzisternen angelegt; in Süd-Wajir hat der lokale Oxfam-Partner WASDA inzwischen sechs Bohrlöcher instand gesetzt. Oxfams Hilfsprojekte erreichten bislang über 200.000 Menschen in Kenia.

Äthiopien:

Neue Wasserhähne in der Provinz Somali, Äthiopien. © O'Neill/OxfamNach Regenfällen in einigen Gebieten hat sich dort die Lage in den letzten Wochen etwas entspannt, nicht aber in weiten Teilen der Dürreprovinzen Somali und Oromia. Oxfam wird daher seine Aktivitäten ausweiten. In Oromia finden Belieferungen mit Tankfahrzeugen statt, um die Bevölkerung der trockensten Gebiete mit Wasser zu versorgen. Viele der vorhandenen Brunnen im Gebiet sind unbrauchbar und müssen repariert werden, der nächste Schritt ist eine Analyse des konkreten Bedarfs, die Oxfam zusammen mit den örtlichen Behörden durchführt. In anderen Gebieten der Region, in denen es in den letzten Wochen geregnet hat, werden Oxfam-Partner in Kürze Saatgut für die nächste Anbausaison verteilen, an voraussichtlich 13.000 Haushalte.

Der Aufbau des Programms im Flüchtlingscamp von Dolo Ado geht voran, allerdings erschwert die ungünstige Bodenbeschaffenheit vor Ort die Aushebung von Latrinen, Abwasserkanälen und Fundamenten. Aktuelles Planungsziel ist es, 40.000 Menschen in Dolo Ado mit Nothilfe zu erreichen, diese Zahl wird sich aber voraussichtlich noch erhöhen. Bislang sind ein Wassertank und vier Latrinen fertig gestellt worden, acht weitere Latrinen befinden sich im Bau. Wie in Kenia plant Oxfam, nicht nur die Flüchtlingsbevölkerung in den Camps, sondern auch die einheimische Bevölkerung zu unterstützen, entsprechende Vorbereitungen laufen gerade an. In Äthiopien hat Oxfams Hilfe bislang über 300.000 Menschen erreicht.

Somalia:

Oxfams Partner Havyoco versorgt das Dorf Waridaad in Somalia mit Trinkwasser. © OxfamDerzeit leben etwa 400.000 Binnenvertriebene in der Hauptstadt Mogadischu. Allein im Juli sind weitere 28.000 Menschen hinzugekommen, die meisten aus den Gebieten Lower Shabelle und Bakool, die vor drei Wochen offiziell zu Hungergebieten erklärt wurden. Insgesamt sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen landesweit 1.460.000 Menschen auf der Flucht.

Oxfam arbeitet in Somalia mit lokalen Partnerorganisationen zusammen. Im Juli haben unsere Partner in den Ernährungszentren in Mogadischu über 6.300 mangelernährte Kinder ambulant behandelt und Trinkwasser in mehr als 30 Vertriebenencamps geliefert. Weitere Partnerorganisationen stellen im Afgoye-Korridor Trinkwasser bereit und installieren in Lower Shabelle und Lower Juba Latrinen in Vertriebenencamps, setzen Bohrlöcher instand, reparieren Wasserpumpen und führen Gesundheitsberatung und Maßnahmen zur Existenzsicherung durch. Die Hilfsprojekte in Somalia erreichten insgesamt 888.000 Menschen.

Helfen Sie uns, mehr Menschen zu erreichen!

Zum Spendenformular

Oxfam und seine Partnerorganisation SAACID helfen Tausenden schwer mangelernährten Kindern in Mogadischu, sich von den Folgen der aktuellen Hungersnot zu erholen. In diesem Jahr hat SAACID bereits 66.000 mangelernährte Kinder zur Behandlung aufgenommen.
Ihre Spenden kommen an: Im Flüchtlingscamp Dadaab in Kenia baut Oxfam Latrinen, stellt die Trinkwasser-Versorgung sicher und führt Gesundheitsberatungen durch. Etwa 400.000 Flüchtlinge leben inzwischen in dem ursprünglich für 90.000 Menschen errichteten Camp – und täglich treffen ca. 1.500 neue Flüchtlinge ein.
Oxfam-Mitarbeiter in Großbritannien verladen Hilfsgüter, die für Flüchtlingscamps im Süden Äthiopiens bestimmt sind.
Oxfam Botschafterin Kristin Davis erzählt im Interview von BBC News von ihrem Besuch im Flüchtlingscamp Dadaab (Nord-Kenia).