Arms Trade Treaty: Weltweite Kontrolle des Waffenhandels
Foto: Junge zielt mit einer Waffe © Nick Stern
Der Fotograf Nick Stern macht Bilder im Stil des Streetart-Künstlers Banksy und unterstützt damit Oxfams Forderung nach einer stärkeren Kontrolle des Waffenhandels. © Nick Stern
Falsche Grabsteine vor der Skyline New Yorks
Täglich sterben 2000 Menschen durch Waffen. Das Kampagnenbündnis „Control Arms“ fordert eine stärkere Kontrolle des Waffenhandels bei der UN-Konferenz in New York. © Andrew Kelly
Zum Auftakt der UN-Verhandlungen über ein Abkommen für Waffenhandelskontrollen s
Zum Auftakt der UN-Verhandlungen über ein Abkommen für Waffenhandelskontrollen setzen sich Bundestagsabgeordnete für ein rechtlich verbindliches, wirksames internationales Waffenhandelsabkommen ein. Berlin, 28. Juni 2012 © Oxfam Deutschland/Jörg Farys
Parlamentarier-Erklärung für ein rechtlich verbindliches, wirksames internati
Parlamentarier-Erklärung für ein rechtlich verbindliches, wirksames internationales Waffenhandelsabkommen: Unterschriften von Bundestagsabgeordneten. © Oxfam Deutschland/Jörg Farys
Foto: Interpretation von "Nichts sagen, nichts hören, nichts sehen"
"Control Arms"-Campaigner interpretieren die Haltung von Regierungen, die das Kontrollabkommen bei den VN ablehnen, als "Nichts sagen, nichts hören, nichts sehen". © Control Arms
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Arms Trade Treaty: Weltweite Kontrolle des Waffenhandels

Konventionelle Waffen sind die wahren Massenvernichtungswaffen unserer Zeit - jedes Jahr sterben hunderttausende Menschen durch ihren Missbrauch, werden verletzt oder in Armut getrieben. Bisher gibt es kaum verbindliche internationale Regeln, die den grenzüberschreitenden Handel mit Schusswaffen, Panzerfahrzeugen oder anderen konventionellen Rüstungsgütern einschränken würden.

Oxfam und viele andere Nichtregierungsorganisationen haben sich daher in der weltweiten Kampagne "Control Arms" für ein globales Abkommen zur Kontrolle des Waffenhandels (Arms Trade Treaty, ATT) eingesetzt. Im April 2013 wurde es auch dank unseres Drucks von den Vereinten Nationen beschlossen. Am 3. Juni 2013 haben es zahlreiche Regierungen unterzeichnet.

Damit das Abkommen in Kraft tritt, muss es noch von 50 Regierungen ratifiziert (in nationales Recht umgesetzt) werden. Dann werden Transfers von Waffen verboten sein, wenn damit im Empfängerland Kriegsverbrechen begangen oder systematisch die Menscherechte verletzt würden.

Wo Menschen weniger von Gewalt bedroht sind, können sie sich besser aus der Armut befreien. Deshalb wird der Kontrollvertrag künftig auch Oxfams Nothilfe und Entwicklungsarbeit zugute kommen.

Gruppen:
04 | Juni | 2013

UN: Staaten unterzeichnen Waffenhandelsabkommen

© Champion Hamilton
© Champion Hamilton

67 Staaten haben das neue UN-Kontrollabkommen zum Waffenhandel (Arms Trade Treaty,  ATT) unterzeichnet. Weitere haben ihre Unterschrift noch im laufenden Jahr angekündigt. Für Deutschland nahm Bundesaußenminister Guido Westerwelle an der Zeremonie bei den Vereinten Nationen in New York teil.

Zahlreiche Regierungsvertreter/innen stellten sich anschließend unter dem Motto „We made History!“ gemeinsam mit Campaigner/innen der „Control Arms“-Koalition vor die Kameras.

Jetzt müssen die Regierungen den Kontrollvertrag noch ratifizieren, also in nationales Recht umsetzen. In Deutschland soll dies noch in diesem Jahr geschehen. Nach der Ratifikation durch 50 Regierungen wird der ATT in Kraft treten. Oxfam und die anderen Control-Arms-Partner riefen alle Staaten auf, die ATT-Prinzipien schon vor dem Inkrafttreten zu befolgen, um Menschen auf der ganzen Welt so schnell wie möglich vor Krieg und Gewalt als Folge verantwortungsloser Waffentransfers zu bewahren.

Oxfam hat sich seit 2003 im Rahmen von Control Arms für das Waffenhandelsabkommen eingesetzt.

Fotogalerie "We made History" anschauen

ATT-Chronik anschauen: Eine Erfolgsgeschichte in Bildern

03 | April | 2013

Vereinte Nationen: Waffenkontrollvertrag verabschiedet

Kontrolle des Waffenhandels: Abstimmungstafel bei der UN-Generalversammlung

Eine überwältigende Mehrheit der UN-Mitgliedstaaten hat sich am 2. April in der UN-Generalversammlung auf einen Text für ein Abkommen zur Kontrolle des weltweiten Waffenhandels („Arms Trade Treaty“, kurz: „ATT“) geeinigt.

154 Staaten stimmten für den „ATT“, 23 enthielten sich. Nur der Iran, Syrien und Nordkorea stimmten dagegen. Dies ist ein starkes Signal, dass Staaten künftig keine Waffenlieferungen mehr ohne Rücksicht auf deren Folgen für das Leben und die Gesundheit unschuldiger Menschen durchführen dürfen.

Trotz einiger Mängel im Detail ist der Vertrag ein historischer Durchbruch. Erstmals werden damit überhaupt Exporte und Importe von konventionellen Rüstungsgütern auf internationaler Ebene verbindlich kontrolliert. Die Menschenrechte stehen dabei im Zentrum.

Die vorhergehende UN-Verhandlungskonferenz, die an das Konsensprinzip gebunden war, konnten Iran, Syrien und Nordkorea mit ihrem Veto noch scheitern lassen. Verhindern konnten sie den Vertrag jedoch nicht. Eine Gruppe von rund 100 Staaten legte das Dokument umgehend der Generalversammlung vor, die schließlich nach dem Mehrheitsprinzip entschied.

Am 3. Juni soll der Vertrag dann in New York feierlich unterzeichnet werden. Damit das Abkommen in Kraft treten kann, müssen es anschließend 50 Staaten ratifizieren, also in nationales Recht überführen.

Erfolg der Zivilgesellschaft

Oxfam hat sich seit 2003 gemeinsam mit einem breiten Bündnis internationaler Nichtregierungsorganisationen intensiv für einen Kontrollvertrag eingesetzt, der Menschen in Krisen- und Bürgerkriegsländern besser vor Waffengewalt schützen soll, die durch rücksichtslose staatliche Waffenlieferungen ausgelöst oder verschärft wird.

Dass es den „Arms Trade Treaty“ jetzt gibt, ist ein Triumph der globalen Zivilgesellschaft. Ohne die Kampagne „Control Arms“ („Waffen unter Kontrolle!“), die neben Oxfam von Amnesty International, dem internationalen Netzwerk gegen Kleinwaffen (IANSA) und vielen weiteren Organisationen getragen wird, wäre der „ATT“ nicht oder nicht so schnell auf die politische Tagesordnung gesetzt worden.

Nutzen überwiegt Mängel

Nicht alle unsere Forderungen konnten durchgesetzt werden. So werden künftig nicht alle konventionellen Waffen und Rüstungsgüter durch den Vertrag erfasst; zum Beispiel unbewaffnete Militärflugzeuge, Polizeiausrüstung, Handgranaten, Munition und Einzelteile für Waffen werden nur eingeschränkt kontrolliert. Ob auch Kampfdrohnen eingeschlossen sind, ist derzeit unklar. Es bleibt auch abzusehen, wie weit in der Praxis die Einschränkung von Waffenlieferungen durch die Berücksichtigung der Menschenrechte wirklich gehen wird. Und es gibt erhebliche Defizite bei der Transparenz, die Staaten über ihre Rüstungstransfers herstellen müssen.

Entwicklung profitiert

Dennoch kann der „ATT“ einen großen Gewinn für Millionen Menschen in aller Welt bedeuten, die mit alltäglicher Waffengewalt leben müssen. Staaten werden künftig wesentlich genauer prüfen müssen, wohin und an wen sie Militärgerät, Schusswaffen oder die dazugehörige Munition schicken, damit sie am Ende nicht für Kriegsverbrechen oder Menschenrechtsverletzungen benutzt werden.

Wo weniger Waffen im Umlauf sind und weniger Menschen davon bedroht sind, kann Entwicklung besser gedeihen. Deshalb hofft Oxfam, dass der Kontrollvertrag auch der eigenen Hilfsarbeit in vielen von Gewalt und Armut betroffenen Ländern zugutekommen wird.

25 | März | 2013

UNO: Entwurf zu Abkommen über Kontrolle des Waffenhandels ungenügend!

Die Verhandlungen über ein weltweites Abkommen zur Kontrolle des Handels mit konventionellen Waffen nähern sich dem Ende.

In den nächsten Tagen besteht eine einmalige Chance, skrupellosen Waffenlieferungen endlich einen Riegel vorzuschieben.Robert Lindner
Oxfam-Experte für das UN-Waffenhandels­abkommen

Der Vertrag soll Waffentransfers verhindern, die weltweit zu Kriegsverbrechen, Menschenrechtsverletzungen und Armut führen.

Der neueste Entwurf, der am Freitagabend in New York veröffentlicht wurde, weist allerdings schwerwiegende Mängel auf.

Schlupflöcher für Munition

„Sollte das Dokument in der jetzigen Form beschlossen werden, könnten künftig weiterhin Munition und viele weitere Arten von Rüstungsgütern weitgehend ungehindert in Spannungsgebiete geliefert werden“, sagt Robert Lindner, Oxfam-Experte für das UN-Waffenhandelsabkommen.

Gefährliche Ausnahmen

Der Entwurfstext sieht zudem gefährliche Ausnahmen für viele große Exportstaaten vor – zum Beispiel bestehen die USA, Russland, China und Indien auf Regelungen, die den Vorrang eigener Sicherheitsinteressen über den Schutz von Zivilisten vor bewaffneter Gewalt stellen.

„Trotz des bisher enttäuschenden Verhandlungsverlaufs: In den nächsten Tagen besteht eine einmalige Chance, skrupellosen Waffenlieferungen endlich einen Riegel vorzuschieben“, so Robert Lindner.

Eine Entscheidung bei den Verhandlungen wird für Donnerstag erwartet. Deutschland muss jetzt gemeinsam mit anderen Staaten mit Nachdruck dafür sorgen, dass die Schlupflöcher im Vertragsentwurf geschlossen werden!

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10 | März | 2013

UNO: Schlupflöcher bei Kontrolle des Waffenhandels schließen

Jedes Jahr sterben hunderttausende unschuldige Menschen, weil Staaten legal Waffen und Munition in Kriegs- und Krisengebiete liefern dürfen.

Auf Twitter? Thunderclap unterstützen!

In New York läuft die zweite Verhandlungsrunde zu einem Waffenhandelsabkommen bei den Vereinten Nationen. Dort müssen die Regierungen endlich strikte Kontrollen für den globalen Waffenhandel beschließen, fordern Oxfam und die britische Friedensorganisation Saferworld in ihrem neuen Bericht „Getting it right: The pieces that matter for an Arms Trade Treaty“.

Ohne Munition können Schusswaffen nicht töten, ohne Ersatzteile Panzer nicht eingesetzt und ohne Sicherheitstechnik friedliche Proteste nicht unterdrückt werden. Doch all diese Rüstungsgüter wären von dem jetzt verhandelten Kontrollabkommen kaum oder gar nicht erfasst. Skrupellose Regierungen und Kriminelle könnten sich deshalb künftig weiterhin problemlos mit tödlichem Gerät eindecken, kritisiert der Bericht.

Tödliche Schwachstellen im Entwurf

Der Bericht zeigt zahlreiche Mängel und Schlupflöcher in dem vorliegenden Entwurf für ein weltweites Abkommen zur Kontrolle des Waffenhandels auf. Vom 18. bis 28. März 2013 wird bei den Vereinten Nationen in New York erneut darüber verhandelt. Ein verbindliches und umfassendes Abkommen ist dringend erforderlich, sonst könnte zum Beispiel Russland aufgrund einer Ausnahmeregelung weiterhin legal Kriegsmaterial nach Syrien liefern.

Eine Minderheit von Staaten wehrt sich gegen die Schließung weiterer Schlupflöcher, zum Beispiel bezüglich der Kontrolle von Munitionsexporten. Oxfam hat die Bundesregierung aufgefordert, bei den Verhandlungen keine Kompromisse auf Kosten unschuldiger Opfer von Waffengewalt und Unterdrückung zu akzeptieren.

Mehr lesen

Getting it right: The pieces that matter for an Arms Trade Treaty

UN-Verhandlungen: Waffenhandel bald unter Kontrolle?

Vom 2. bis 27. Juli 2012 verhandeln die Vereinten Nationen in New York über einen globalen Waffenhandels-Kontrollvertrag.

Ob in Syrien, Jemen oder Somalia – überall auf der Welt sterben täglich unschuldige Menschen durch bewaffnete Gewalt. Oxfam ist bei seiner Arbeit in vielen Krisenländern unmittelbar damit konfrontiert und fordert deshalb seit 2003 im Rahmen der weltweiten Kampagne „Control Arms!“ gemeinsam mit Amnesty International, dem Internationalen Aktionsnetzwerk gegen Kleinwaffen (IANSA) und anderen internationalen Nichtregierungsorganisationen einen weltweiten Vertrag zur Kontrolle des Handels mit konventionellen Waffen (Arms Trade Treaty, kurz: ATT). Am 2. Juli haben Regierungen bei den Vereinten Nationen mit Verhandlungen darüber begonnen.

Es gibt Handelsregeln für Fossilien, aber nicht für Feuerwaffen

Robert Lindner, Oxfam-Koordinator für humanitäre Kampagnen: „Das Gros der in Kriegen und bei Menschenrechtsverletzungen verwendeten Waffen stammt aus legalen, staatlich genehmigten Lieferungen. Ermöglicht wird dies durch Lücken im Völkerrecht. Es ist kaum zu glauben, aber es gibt viel strengere internationale Vorschriften zum Beispiel für den Handel mit Fossilien oder Steinzeitbeilen als mit Gewehren, Panzern und Raketenwerfern.“

Menschenrechte schützen, Armut verhindern

Oxfams Kernforderung für einen Arms Trade Treaty ist die Schaffung einheitlicher Kriterien, nach denen Staaten künftig Ausfuhren, Einfuhren und andere grenzüberschreitende Rüstungsgeschäfte vor einer Genehmigung verbindlich prüfen müssen – gemäß der „goldenen Regel“: Waffen dürfen nicht geliefert werden, wenn ihre Empfänger sie mit großer Wahrscheinlichkeit für völkerrechtswidrige Kriege oder für systematische Menschenrechtsverletzungen verwenden würden oder wenn ein Waffengeschäft massiv zu Korruption und Armut beitragen würde.

Robert Lindner: „Um unverantwortliche Waffengeschäfte zu verhindern, bedarf es deutlich mehr Transparenz. Regierungen sollten ihren Parlamenten ein Mitspracherecht bei Genehmigungen von Rüstungstransfers einräumen und die Öffentlichkeit über ihre Entscheidungen umfassend informieren.“

Eine große Zahl von Staaten hat sich im Vorfeld der ATT-Verhandlungen grundsätzlich für ein Waffenhandelsabkommen ausgesprochen. Eine Minderheit, darunter Ägypten, China, Kuba, Russland und Pakistan, pocht jedoch auf ihre nationale Souveränität und wehrt sich gegen strikte Vorschriften.

Deutschland trägt als drittgrößter Rüstungsexporteur der Welt eine besondere Verantwortung.Robert Lindner
Oxfam-Koordinator für humanitäre Kampagnen
Zahnloses Abkommen verhindern

„Deutschland trägt als drittgrößter Rüstungsexporteur der Welt eine besondere Verantwortung. Zum einen muss in New York ein Kontrollvertrag beschlossen werden, der diesen Namen auch wirklich verdient. Eine Zustimmung ohne verpflichtende ‚goldene Regel‘ sowie ohne robuste Umsetzungs- und Überprüfungsmechanismen darf es nicht geben“, sagt Robert Lindner. „Ein zahnloses Abkommen wäre ein Freibrief für Kriegsverbrecher und ihre Waffenlieferanten.“

Abgeordnete für starken ATT

Mehr als 2.000 Parlamentarier/innen haben sich weltweit für einen starken Kontrollvertrag ausgesprochen. Der neuseeländische Abgeordnete und Präsident der „Parliamentarians for Global Action", Ross Robertson, hat diese „Stimmen“ stellvertretend für seine Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt am 3. Juli in New York zum Auftakt der ATT-Verhandlungen an UN-Generalsekretär Ban Ki-moon übergeben.

Video der Übergabezeremonie

Die jahrelangen Bemühungen um einen internationalen Vertrag zur Kontrolle des Waffenhandels tragen endlich Früchte – im April 2013 votierten 156 Staaten in der UN-Generalversammlung dafür.
Jedes Jahr sterben hunderttausende Menschen durch den Missbrauch von Waffen. Bislang gibt es keine international rechtlich verbindlichen Regeln, die den Handel mit konventionellen Waffen und Rüstungsgütern einschränken. Oxfam setzt sich mit anderen Nichtregierungsorganistionen für den Stopp unverantwortlicher Waffenlieferungen ein.
Robert Lindner | 25 | März | 2013
Es will einfach nicht Frühling werden hier in New York. Ein eisiger Wind weht am East River um das UN-Hochhaus. Auffallend viele Diplomaten und NGO-Beobachter...
Robert Lindner | 23 | Juli | 2012
Die letzte Verhandlungswoche hat begonnen, doch immer noch liegt kein Entwurf für das Abschlussdokument vor. Spätestens am Dienstagabend sollte der vorläufige...
Robert Lindner | 18 | Juli | 2012
New York, 16. Juli 2012. Montagmorgen – überall in New York stockt der Verkehr und mein gelbes Taxi steht im Stau. Gerade habe ich mir einen Stempel, der mir...
Judith Orland | 13 | Juli | 2012
Die Verhandlungen über ein rechtlich verbindliches, internationales Waffenhandelsabkommen, das sogenannte Arms Trade Treaty, kurz ATT, laufen bereits seit dem...