Jahrestreffen mit Nothilfeeinsatz

Wie fühlt es sich an, im Krisengebiet bei einem Nothilfeeinsatz zu sein, wenn ringsum Chaos herrscht, aber jede Sekunde zählt? Was macht eine Projektreise so besonders? Und wie steht es eigentlich um die vom Netzwerk geförderten Projekte in Burundi? Das und noch viel mehr erfuhren – und erlebten – die Teilnehmer/innen beim diesjährigen Netzwerktreffen auf Hof Kammesheidt.

Schulter an Schulter sitzt das Nothilfe-Einsatzteam auf Bänken um den Besprechungstisch. Konzentriert beugen sich die Frauen und Männer über die Blätter, die vor ihnen liegen: Informationen zur Lage. Ein schweres Erdbeben hat die Region erschüttert, es gibt viele Tote und Verletzte. Häuser und Infrastruktur sind weitgehend zerstört.

Das Licht in dem niedrigen Bereitschaftszelt ist schummrig. An den Wänden hängen Monitore, jede Sekunde kommen Neuigkeiten rein. Von draußen dringt der Lärm der Umgebung ins Zelt. Die Zustände sind chaotisch und die Informationen oft widersprüchlich. Aber das Team muss sich jetzt konzentrieren, Entscheidungen treffen. Und es muss schnell gehen – denn es geht darum, Leben zu retten.

 

Nothilfeeinsatz in Ausnahmesituation

Nothilfezelt
Vor dem eigens aufgebauten Nothilfezelt bekommen die Teilnehmer letzte Instruktionen, bevor die Nothilfe-Simulation startet.

Zum Glück ist dies nur eine Simulation. Es gab kein Beben, zumindest nicht hier. Und außerhalb des Zeltes wartet nicht das Chaos, sondern ein Idyll: der Hof Kammesheidt bei Essen. Hier fand am 15. März 2018 das „Unternehmer für Unternehmer“-Netzwerktreffen statt. Die lärmenden Umgebungsgeräusche kamen tatsächlich nur aus Lautsprechern, und die Menschen um den Tisch sind keine Mitarbeiter/innen einer Nothilfe-Organisation, sondern Mitglieder des „Unternehmer für Unternehmer“-Netzwerkes.

Wolfgang Prangl, Leiter Nothilfe bei Oxfam Deutschland
Wolfgang Prangl, Leiter Nothilfe bei Oxfam Deutschland, gibt einen Einblick, wie Oxfam bei Naturkatastrophen, Krisen und Konflikten möglichst schnell zur Stelle ist, um Nothilfe zu leisten.

Beim Netzwerktreffen sind sie für eine Weile in die Rolle des Kommunikationsfachmanns, der Sicherheitsbeauftragten oder des Koordinators bei einem Nothilfe-Einsatz nach einem schweren Erdbeben geschlüpft. Wolfgang Prangl, Leiter Humanitäre Hilfe bei Oxfam Deutschland, hat sie durch die Simulation geführt. Er war bereits bei vielen echten Einsätzen und weiß, worauf es ankommt. Auch das Zelt, in dem die Teilnehmer/innen sitzen, ist eines, das Oxfam tatsächlich bei Kriseneinsätzen nutzt.

Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sollte die Simulation ein Gefühl dafür vermittelt, was es heißt, in einer Krisenregion einen Nothilfeeinsatz durchzuführen. Dass das gelungen ist, bestätigt Teilnehmerin Miriam Weber von der HiQ Projects GmbH aus Köln, nachdem sie aus der Enge des Einsatzzeltes wieder zurück auf dem Hof Kammesheidt ist: „Wir haben dadurch ein ganz anderes Verständnis für die Leute gewonnen, die in solchen Situationen arbeiten. Die Ausnahmesituation wird greifbarer und verändert die eigene Sichtweise auf die Arbeit der Menschen vor Ort.“

 

Fortschritte in Burundi-Projekten

Jana Schindler
Jana Schindler von Oxfam Deutschland koordiniert die Entwicklungsprojekte in Burundi und gibt einen Einblick in die Fortschritte der letzten Monate.

Und die Nothilfe-Simulation war nicht die einzige Möglichkeit, beim „Unternehmer für Unternehmer“-Netzwerktreffen tiefere Einblicke in Oxfams Arbeit zu bekommen: Jana Schindler koordiniert bei Oxfam Deutschland als Referentin für Entwicklungszusammenarbeit Projekte in Burundi. In einem spannenden Vortrag erzählte sie von ihrer Arbeit. Sie erklärte, wie ein Förderprojekt entsteht, wie es geplant und überwacht wird.

Zudem stellte sie zwei Projekte vor, die durch das „Unternehmer für Unternehmer“-Netzwerk mitfinanziert werden, und zeigte auf, welche Fortschritte sie machen. Besonders schön: ein Video, das dokumentiert, wie dank der Unterstützung des „Unternehmer für Unternehmer“-Netzwerkes aus buchstäblich Nichts etwas Neues entstehen kann. Die Bäckerei eines der Projekte in Burundi war durch einen Erdrutsch zerstört worden. Die Frauen des Projektes bauten die Bäckerei an anderer Stelle wieder auf – etwas, das nur durch die Unterstützung des Netzwerkes möglich geworden ist.

Und das Interesse an den Projekten und Berichten war so groß, es riss auch nach Ende des Vortrags nicht ab: Auch danach stand Jana Schindler noch lange umringt von interessierten Unternehmerinnen und Unternehmern im Gespräch und hat viele spannende Fragen beantwortet.

 

Bericht von Projektreise nach Vietnam

Dr. Harald Steinhaus
Dr. Harald Steinhaus berichtet über die Reise nach Vietnam.

Ebenfalls viel zu erzählen hatte Dr. Harald Steinhaus beim Netzwerktreffen. Zusammen mit Arne von Hofe, dem Projektleiter von „Unternehmer für Unternehmer“ bei Oxfam Deutschland, war der Gründer von Steinhaus Informationssysteme in Datteln im Oktober 2017 zur Projektreise nach Vietnam aufgebrochen. Gemeinsam erzählten die beiden von ihren Erfahrungen und Begegnungen in Vietnam. Im Mittelpunkt standen dabei Fragen wie: Was machte die Reise besonders? Wie war der Austausch mit den Unternehmer/innen vor Ort? Welche bleibenden Eindrücke haben sie mit in die Heimat genommen?

Für Harald Steinhaus war der Besuch in Vietnam auf jeden Fall ein Erlebnis mit vielen bleibenden Eindrücken – und so manch anderen Unternehmer beim Netzwerktreffen hat sein anschaulicher Bericht angeregt, beim nächsten Mal auch mitzufahren …

 

Intensiver Austausch in entspannter Atmosphäre

Netzwerktreffen
Paola Bartels (links) und Ulrich Koch (Mitte) von der Crocco Deutschland GmbH im Gespräch mit Prof. Dr. Peter Burggräf von der StreetScooter Research GmbH (rechts).

Insgesamt war das Netzwerktreffen eine tolle Gelegenheit, in entspannter Atmosphäre mehr über Oxfams Arbeit zu erfahren und sich darüber auszutauschen.

Frank Kuntze von Kuntze Instruments GmbH aus Meerbusch war das erste Mal dabei und fasst es so zusammen: „Die Atmosphäre ist sehr persönlich, jeder ist ansprechbar, es gibt keine Distanz, alle Fragen werden offen beantwortet. Bisher war Oxfam für mich eine große Organisation, und es ist sehr schön, die Menschen hinter dieser Organisation kennenzulernen.“

Nicht zuletzt war das Treffen auch eine Gelegenheit, in Austausch mit anderen Mitgliedern des Netzwerks zu kommen.

Denn ob nach den Vorträgen, am Buffet oder zum Abschluss der Veranstaltung bei einem Glas Wein: Andere Menschen zu treffen, mit denen man über ein solches Engagement verbunden ist wie das des „Unternehmer für Unternehmer“-Netzwerks, ist etwas Besonderes und hat viele intensive Gespräche hervorgebracht. Gegen Ende der Veranstaltung gab es fast niemanden, der nicht ins Gespräch vertieft war mit einer anderen Unternehmerin oder einem anderen Unternehmer oder einem der Oxfam-Mitarbeiter/innen.

Es war wirklich ein gelungener Tag. Wir freuen uns schon aufs nächste Mal.