WASH: Trinkwasser, Sanitärversorgung und Hygiene
Wofür steht die Abkürzung WASH?
WASH ist die Abkürzung für „Water, Sanitation, Hygiene“, übersetzt: Trinkwasser, Sanitärversorgung und Hygiene. WASH-Maßnahmen verschaffen Menschen in Notlagen oder strukturell benachteiligten Regionen Zugang zu sauberem Wasser, sicheren sanitären Einrichtungen und grundlegender Hygiene.
In der internationalen Nothilfe hat Oxfam im Bereich Trinkwasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH) eine führende Rolle.
Sauberes Wasser ist ein Menschenrecht
2,1 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Das ist ein Viertel der Weltbevölkerung. Dabei ist der Zugang zu sauberem Wasser in ausreichender Menge und zu bezahlbaren Preisen ein Menschenrecht.
Das Ziel „Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen“ wurde 2015 bei der Festlegung der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals) der Vereinten Nationen als Ziel Nummer 6 aufgenommen.
Gemäß der geltenden Minimum-Standards für die humanitäre Hilfe benötigt ein Mensch mindestens 15 Liter Wasser pro Tag zum Trinken, Kochen und Waschen. Dieses Wasser bereitzustellen, ist eine immens wichtige Aufgabe.
Kinder an der Pangai-Grundschule in Tonga waschen sich die Hände. Besonders bei Naturkatastrophen auf entlegenen Inseln des Süd-Pazifikstaats ist der Zugang zu sauberem Trinkwasser nicht immer gewährleistet. Gemeinsam mit unseren lokalen Partnerorganisationen haben wir an krisensicherem Zugang zu Trinkwasser gearbeitet.
WASH ist lebenswichtig
In Notsituationen, wie kriegerischen Auseinandersetzungen und Naturkatastrophen, fehlt es häufig an Trinkwasser, Sanitäranlagen oder Hygieneprodukten. Neben der ohnehin schon bestehenden Notlage verschärft sich die Situation der Menschen während einer Krise oftmals und führt zusätzlich zu lebensgefährlichen Gesundheitskrisen.
Krankheiten wie Cholera oder Typhus werden über verunreinigtes Wasser übertragen und breiten sich schnell aus, wenn Menschen in unhygienischen Verhältnissen auf engem Raum zusammenleben.
Innovative Lösungen für Trinkwasser, Sanitärversorgung und Hygiene
Wir wollen nicht nur akute Not lindern, sondern die Gemeinschaften auch stärken, damit sie langfristig widerstandsfähiger gegen Krisen werden.
Deshalb setzen wir auf nachhaltige Wasserversorgung, die auch dann noch zuverlässig funktioniert, wenn die Nothilfe beendet ist.
Gemeinsam mit lokalen Partnern und Expert*innen haben wir daher zahlreiche WASH-Innovationen entwickelt. Zu diesen Innovationen zählt unser robuster und leicht montierbarer Wassertank aus Stahlelementen außen und undurchlässigem Textil an der Innenseite, der sich seit Jahrzehnten in der humanitären Hilfe bewährt.
In Regionen wie Gaza oder Somaliland, wo das knappe Grundwasser häufig mit Salz verunreinigt ist, errichten wir solarbetriebene Anlagen, die dieses Wasser zu Trinkwasser aufbereiten.
Unsere Wasseringenieur*innen und Gesundheitsspezialist*innen arbeiten eng mit den Nutzer*innen der Anlagen zusammen, um ihre spezifischen Bedürfnisse zu erfüllen.
Oxfams Stahl-Wassertank im Geflüchtetencamp Jewi in der Region Gambella (Äthiopien).
WASH-Innovation: Ein aufblasbarer Betontank als Wasserspeicher
Als erste NGO setzen wir einen aufblasbaren Betontank in einem afrikanischen Land ein, um Menschen mit Trinkwasser zu versorgen.
Der Tank wurde von der britischen Firma DEPLOY entwickelt und produziert. Er wird zusammengefaltet platzsparend transportiert und erst vor Ort zu seiner vollen Größe aufgebaut.
Die Außenhülle des Tanks besteht aus einem speziellen zementhaltigen Textil, im Inneren ist er mit einer wasserdichten Membran ausgestattet. So kombiniert der aufblasbare Betontank die Haltbarkeit von Beton mit der Flexibilität von Gewebe und ist dadurch deutlich widerstandfähiger und langlebiger als herkömmliche Kunststofftanks.
Der Tank kann schnell und einfach installiert werden. Dazu wird er einfach aufgeblasen und von außen befeuchtet. Die Hülle härtet innerhalb von 48 Stunden aus und es entsteht ein Tank, der 14.000 Liter Wasser fassen kann.
Im Sommer 2025 hat Oxfam mehrere aufblasbare Betontanks im dürregeplagten kenianischen Bezirk Turkana installiert. Sie stehen in der Nähe einer Schule und versorgen sowohl die Schüler*innen und Lehrkräfte als auch die umliegende Kommune mit Wasser. „Der Zugang zu Wasser ist eine der größten Sorgen der Menschheit“, sagt Mercy Kieni, WASH-Expertin bei Oxfam in Kenia.
Installation von aufblasbaren Betontanks im Bezirk Turkana, Kenia
WASH-Innovation: Moderne Handwaschanlagen
Hygiene rettet Leben – deshalb brauchen Menschen in Notsituationen leicht installierbare Handwaschstationen, die so schnell wie möglich zum Einsatz kommen.
Wenn Menschen, die vor Krisen und Katastrophen Schutz suchen, auf engstem Raum zusammenleben müssen, haben ansteckende Krankheiten wie Cholera ein leichtes Spiel. Das Händewaschen mit Seife kann in solchen Situationen mehr Todesfälle verhindern als jede andere Maßnahme. Wichtig ist, so schnell wie möglich genügend Waschgelegenheiten in der Nähe von Latrinen und an öffentlichen Orten aufzustellen.
Oxfams wassersparende, langlebige, leicht installierbare Handwaschstation ist so konzipiert, dass jeder Mensch sich bequem die Hände waschen kann. Für ein optimales Ergebnis haben wir mehrere Prototypen in Camps für Geflüchtete getestet und das Feedback der Nutzer*innen in die Entwicklung einfließen lassen. Besondere Merkmale sind:
- Höhenverstellbare Stativbeine, die Kindern und Menschen mit eingeschränkter Mobilität den Zugang ermöglichen
- Die Bereitstellung von Seifenwasser
- Spiegel, die insbesondere Kinder ermutigen, zu bleiben und ihre Hände länger zu waschen
In der Demokratischen Republik Kongo, in Äthiopien und Bangladesch haben sich die Handwaschstationen bereits bewährt: Verbunden mit Informationen zur Hygiene steigerten sie das Händewaschen in den Camps für Geflüchtete um 60 Prozent. Auch nach sechs Monaten Nutzung waren 99 % der Stationen noch voll funktionsfähig, ein Indiz für die erfolgreiche Mitbestimmung der Nutzer*innen im Entwicklungsprozess.
Duaa Abu Sabha benutzt eine Handwaschstation, die Oxfam für Geflüchtete im Gebiet Al-Mawasi im Gouvernement Khan Yunis im Gazastreifen aufgestellt hat.
WASH-Innovation: Trenntoiletten
Herkömmliche Grubenlatrinen bringen verschiedene Nachteile mit sich, zum Beispiel die schwierige Entsorgung des Fäkalschlamms, der in Gruben oder riesigen Behältern gesammelt wird.
Bereits seit 2010 hat Oxfam daher gemeinsam mit Partnerorganisationen Trenntoiletten in mehreren Camps für Geflüchtete eingerichtet. Inzwischen stehen allein in Gambella, Äthiopien, fast 4.000 Trenntoiletten. Das Design wurde im Laufe der Zeit verbessert, wodurch sich auch die Betriebs- und Wartungskosten erheblich verringert haben.
Viele Organisationen haben mittlerweile die Trockentoiletten mit Flüssig- und Feststofftrennung als praktische Option für Notfälle erkannt und übernommen.
Die wichtigsten Vorteile von Trenntoiletten (UDDT) gegenüber herkömmlichen Trockentoiletten sind:
- Geringere Geruchsbildung und Insektenvorkommen
- Einfachere Entleerung
- Bessere Weiterverarbeitung des Feststoffs zu Kompost für die Landwirtschaft
- Bessere Hygiene und geringer Belastung mit Krankheitserregern
- Keine Grabungen von Gruben notwendig
Besondere Trockentoilette: Eine Trenntoilette, die Urin von festen Ausscheidungsprodukten trennt (UDDT = Urine-diverting dry toilet) in Gambella, Äthiopien.
WASH-Projekt: Solarbetriebene Entsalzung in Somaliland
In den ländlichen Gebieten Sool und Sanaag der somalischen autonomen Region Somaliland ist der Zugang zu sauberem Trinkwasser ein großes Problem. Die meisten Grundwasserquellen sind versalzen, es herrscht Wasserknappheit. Mit solarbetriebenen Entsalzungsanlagen schaffen wir daher eine zukunftsfähige, bezahlbare und zuverlässige Wasserversorgung für die Bevölkerung.
Erfahrungen haben gezeigt, dass der Betrieb und die Wartung hochtechnischer Anlagen zur solarbetriebenen Grundwasserentsalzung die Kapazitäten von Nutzer*innen-Verwaltungen überschreiten können. Deshalb geht Oxfam hier einen neuen Weg und überträgt das anspruchsvolle Management der Anlagen privaten Unternehmen mit technischem Know-how, die unter Vereinbarungen mit der öffentlichen Hand einen günstigen und langfristigen Zugang zu Trinkwasser sicherstellen können.
In enger Zusammenarbeit mit der Regierung von Somaliland und mit den betroffenen Gemeinschaften (besonders mit Frauen und Jugendlichen) wurde das Projekt vorangetrieben und umgesetzt. Mit den solarbetriebenen Entsalzungsanlagen in den Gebieten Sool und Sanaag werden 30.000 Menschen erreicht.
Das Managementsystem ist im aktuellen Projekt erfolgversprechend gestartet und soll als Musterbeispiel für die Trinkwasserversorgung in anderen dürregefährdeten Regionen und Ländern dienen.
Wie funktioniert eine solarbetriebene Entsalzungsanlage?
Entsalzungsanlagen wandeln versalzenes Grundwasser durch Umkehrosmose um: Salzhaltiges Wasser wird mit hohem Druck durch eine halbdurchlässige Membran gepresst, die Salze und andere Verunreinigungen zurückhält. An geeigneten Standorten wie in Somaliland kann der dafür erforderliche Energiebedarf mit Strom aus Solaranlagen gedeckt werden.
Schematische Darstellung von solarbetriebener Entsalzung und Verteilung von Trinkwasser. Betrieb und Wartung übernehmen lokale Mitarbeiter*innen privater Partnerunternehmen mit technischem Know-how.
Sauberes Wasser und eine saubere Umwelt dürfen kein Luxus sein! Gemeinsam machen wir Trinkwasser und sanitäre Einrichtungen für alle zugänglich. Unterstützen Sie uns jetzt mit Ihrer Spende.
Weitere Informationen zu unserer Arbeit im Bereich Trinkwasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH) finden sich auf unserer englischsprachigen WASH-Seite.
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WASH ist die Abkürzung für „Water, Sanitation, Hygiene“, und steht für „Trinkwasser, Sanitärversorgung und Hygiene“. WASH-Maßnahmen verschaffen Menschen in Notlagen oder strukturell benachteiligten Regionen Zugang zu sauberem Wasser (beispielsweise durch die Aufbereitung und den Transport von Wasser), zu sicheren sanitären Einrichtungen (wie Latrinen) und zu grundlegender Hygiene (zum Beispiel durch das Verteilen von Menstruationsunterwäsche und Hygiene-Sets und Schulungen).
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Verschmutztes Wasser ist lebensgefährlich: Krankheiten wie Cholera oder Typhus werden über verunreinigtes Wasser übertragen und breiten sich schnell aus, wenn Menschen in unhygienischen Verhältnissen auf engem Raum zusammenleben.
Sauberes Wasser ist wichtig für den Erhalt der Gesundheit der Menschen: Flüssigkeitsmangel schwächt das Immunsystem und die Leistungsfähigkeit. Zudem führt ein Mangel an sauberem Wasser oft zu mangelnder Hygiene.
Hygienemaßnahmen wie das regelmäßige Händewaschen sind wichtig, um die Ausbreitung von Krankheiten einzudämmen. Gemäß der geltenden Minimum-Standards für die humanitäre Hilfe benötigt ein Mensch daher mindestens 15 Liter Wasser pro Tag zum Trinken, Kochen und Waschen.
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In vielen einkommensschwachen Ländern sind es hauptsächlich Frauen und Mädchen, die das Wasser beschaffen. Die voranschreitende Klimakrise erschwert diese Aufgabe: In Dürrezeiten legen Frauen und Mädchen auf der Suche nach Wasser immer weitere Strecken zurück. Diese langen Wege sind nicht nur gefährlich, sie fressen auch Zeit, in der die Frauen und Mädchen weder Geld verdienen noch sich bessere Einkommensmöglichkeiten erschließen können (zum Beispiel durch Bildung).
Wenn es keine Waschmöglichkeiten für eine angemessene Menstruationshygiene gibt, sind Mädchen zudem oft gezwungen, während ihrer Periode zu Hause zu bleiben. Ein schlechter Zugang zu Wasser wirkt sich daher besonders nachteilig auf Frauen und Mädchen aus.
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1962 bohrte Oxfam erstmals Brunnen für palästinensische Geflüchtete in Jordanien und steht seitdem gemeinsam mit lokalen Partnern bei humanitären WASH-Maßnahmen weltweit in vorderster Linie. Seit den 1980er-Jahren reagiert Oxfam auf WASH-Bedarfe mit innovativen Lösungen. Allein 2023 konnten 7,7 Millionen Menschen erreicht werden.
Bei der Verteilung standardisierter Hygiene-Sets sowie bei vorgefertigten und schnell montierbaren Latrinen-Lösungen hat Oxfam Pionierarbeit geleistet.
Inzwischen übernimmt Oxfam führende Rollen in internationalen Netzwerken wie dem Global WASH-Cluster sowie häufig in humanitären Einsätzen. Von Oxfam entwickelte WASH-bezogene Leitlinien und Schulungen finden auch unter anderen Organisationen breite Anwendung.
Dabei betrachten wir WASH nicht isoliert, sondern als Bestandteil eines ganzheitlichen Ansatzes in der Nothilfe – besonders im Zusammenhang mit Ernährungssicherheit, dem Aufbau von Lebensgrundlagen sowie Schutzmaßnahmen für Frauen, Kinder und weitere besonders gefährdete Gruppen.