Zwei Jahre Krieg im Jemen: 7 Millionen Menschen von extremer Hungersnot bedroht

Seit zwei Jahren herrscht Krieg im Jemen. Die daraus resultierende Krise bezeichnen die Vereinten Nationen als die schlimmste humanitäre Katastrophe aller Zeiten. Sieben Millionen Menschen droht eine extreme Hungersnot, 60 Prozent der Bevölkerung – 17 Millionen Menschen – haben nicht genug zu essen. Der Hilfsaufruf der Vereinten Nationen ist dramatisch unterfinanziert.
Frauen und Kinder holen Wasser an einem Tank in Khamir im Jemen.
Frauen und Kinder an einem Wassertank in Khamir. Aktuell unterstützt Oxfam die Menschen im Jemen vor allem durch die Bereitstellung von Trinkwasser und die Verteilung von Bargeld für Nahrungsmittel und andere lebenswichtige Güter.

Die vergessene Krise

Im März 2015 griff Saudi-Arabien mit mehreren verbündeten arabischen Staaten in den jemenitischen Bürgerkrieg ein und unterstützt seitdem den früheren Präsidenten im Kampf gegen die Houthi-Rebellen – vor allem durch Luftangriffe. Die Bombardements und die damit verbundene Zerstörung der Infrastruktur sowie die von der saudischen Militärkoalition verhängte Handelsblockade haben verheerende Auswirkungen für die Bevölkerung: Die jemenitische Wirtschaft liegt am Boden, und dringend benötigte Nahrungsmittelimporte werden erschwert.

Die Bevölkerung hungert

Die Kriegsparteien im Jemen und ihre internationalen Unterstützer haben das Land an den Rand einer Hungersnot gebracht. Zwei Jahre nach der Eskalation der Kämpfe im Jemen leiden fast sieben Millionen Menschen Not und sind von extremem Hunger bedroht. Mehr als zehn Millionen weitere Menschen leiden unter bedrohlichem Nahrungsmangel und benötigen humanitäre Hilfe.

Trotz aller internationalen Warnungen haben sich die Kämpfe nach Abbruch der letzten Friedensverhandlungen im August 2016 verschärft und weitere drei Millionen Zivilist/innen vom sicheren Zugang zu Nahrung abgeschnitten. Weite Teile der jemenitischen Bevölkerung leben bestenfalls von Brot und Tee, Erwachsene verzichten zugunsten ihrer Kinder oft ganz auf Mahlzeiten.

Die Kriegsparteien und die Hungerkrise

Luftangriffe der von Saudi-Arabien angeführten Koalition haben seit Beginn der Militärintervention vor zwei Jahren über 7.600 Menschen getötet, darunter 4.600 Zivilist/innen. Über drei Millionen Menschen wurden durch die Kämpfe vertrieben, und 70 Prozent der Bevölkerung (18,8 Millionen Menschen) benötigen humanitäre Hilfe. Damit spielt sich im Jemen gegenwärtig die weltweit größte humanitäre Krise ab.

In einem Land, das 90 Prozent seiner Nahrungsmittel importieren muss, wirkt sich die Zerstörung von Häfen, Straßen, Brücken, Lagerhallen und Märkten durch Luftangriffe dramatisch auf die Nahrungsversorgung aus. Zudem behindern Behörden internationale Hilfslieferungen und nehmen mitunter humanitäre Helfer/innen fest. Beides trägt dazu bei, dass ein Großteil der Zivilbevölkerung unter Mangelernährung leidet oder bereits lebensbedrohlich hungert.

Unzureichende Reaktion der internationalen Gemeinschaft

Die Vereinten Nationen haben den Bedarf für Nothilfe im Jemen auf 2,1 Milliarden US-Dollar veranschlagt, doch nur sieben Prozent davon sind derzeit durch Finanzierungszusagen der Geberländer gedeckt. Die katastrophale Versorgungslage wird von den Konfliktparteien und ihren Unterstützern bisher weitgehend ignoriert.

Oxfam fordert von den Kriegsparteien ein Ende der Kämpfe und von der internationalen Gemeinschaft schnelle Hilfe sowie den Stopp aller Waffenlieferungen.

Sajjad Mohamed Sajid, Oxfam-Landesdirektor im Jemen: „Die Kämpfe müssen sofort aufhören und Friedensgespräche wieder aufgenommen werden. Regierungen von Geberstaaten müssen dringend mehr Geld für humanitäre Hilfe bewilligen und die Waffenlieferungen an Kriegsparteien einstellen, sonst machen sie sich wissentlich an einer Hungersnot mitschuldig.“

Oxfams Arbeit im Jemen

Oxfam unterstützt seit über 30 Jahren die Menschen im Jemen. Seit Ausbruch der jüngsten Krise hat Oxfam dort bereits mehr als eine Million Menschen erreicht, vor allem durch die Bereitstellung von Trinkwasser und die Verteilung von Bargeld, mit dem Familien Nahrungsmittel und andere lebenswichtige Güter erwerben können.

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Hintergrundinformationen

Bericht (englisch): „Yemen pushed towards man-made famine“

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Jemen

Seit über 30 Jahren unterstützt Oxfam die Menschen im Jemen mit Wasser und Hygienemaßnahmen und bei der Sicherung ihrer Existenzgrundlagen. Nun haben schwere Kämpfe zwischen Regierungstruppen, ihren ausländischen Verbündeten und bewaffneten Oppositionsgruppen zu einer humanitären Krise geführt.

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