Der Krieg im Jemen dauert bereits mehr als zwei Jahre an und die Dimensionen sind erschütternd: allgegenwärtige Arbeitslosigkeit, Mangel an Trinkwasser und Nahrungsmitteln, fehlender Zugang zu Hygieneeinrichtungen und nun sogar die weltweit größte Cholera-Epidemie, für die kein Ende in Sicht zu sein scheint. Innerhalb von vier Monaten gab es über 500.000 Verdachtsfälle, fast 2.000 Menschen sind bereits an der Durchfallerkrankung gestorben. In dieser Zeit haben sich mehr Menschen im Jemen mit Cholera angesteckt als in irgendeinem anderen Land innerhalb eines ganzen Jahres.

So auch Chulud (Name geändert). Das fünf Monate alte Mädchen lebt mit ihrer Großmutter und ihrem Vater in dem von heftigen Angriffen heimgesuchten Distrikt Harad. Viele Einrichtungen wurden dabei zerstört – auch das Gesundheitszentrum. Zwei Tage nachdem das Mädchen an starkem Durchfall erkrankte, entschloss sich die Großmutter dazu, die Reise nach Sanaa auf sich zu nehmen. Dort befindet sich das nächste Krankenhaus, in dem Chulud vier Tage lang behandelt wurde. Doch viele Menschen können nicht einfach ins nächste Krankenhaus reisen: „Einige meiner Nachbarn sind an Cholera verstorben“, so die Großmutter.

Zelte vor dem Al-Sabʿin-Krankenhaus, in denen Cholera-Verdachtsfällte behandelt werden
Außerhalb des Al-Sabʿin-Krankenhauses in Sanaa wurden Zelte aufgestellt, wo Cholera-Verdachtsfälle zur Behandlung zugelassen werden. Je nach Bedarf werden Menschen ins Krankenhaus verlegt und erhalten dort eine zusätzliche Behandlung.

Der Bevölkerung fällt es schwer, der Cholera etwas entgegenzusetzen. Krieg, Not und Hunger haben sie geschwächt und demoralisiert. Das Gesundheitssystem ist praktisch zusammengebrochen. Viele Krankenhäuser wurden durch Bombenangriffe zerstört. Ärzte und Pflegepersonal haben häufig seit über einem Jahr keinen Lohn mehr erhalten. Dabei braucht es nicht viel, um Cholera in den Griff zu kriegen:

sauberes Wasser, Seife, Latrinen und andere Hygienemaßnahmen. Doch solange der Krieg im Jemen andauert, ist es kaum möglich, selbst das bereitzustellen. Wir fordern alle Konfliktparteien auf, sich sofort auf einen Waffenstillstand zu einigen, damit die Cholera landesweit bekämpft werden kann.
Nigel Timmins, Leiter der Nothilfeprogramme von Oxfam

Aufruf an die internationale Gemeinschaft

Die Situation im Jemen ist ein Armutszeugnis für die internationale Gemeinschaft. Bisher haben die Geberstaaten nur weniger als die Hälfte des von den Vereinten Nationen geschätzten Bedarfs an Nothilfe zugesagt. In anderen Zusammenhängen nennt man so etwas unterlassene Hilfeleistung. Geberstaaten müssen jetzt Ihre Nothilfe massiv verstärken und auch dafür sorgen, dass diese vor allem die Hilfsbedürftigsten erreicht.

Zudem müssen die Konfliktparteien jegliche Beschränkungen des Transports von Hilfsgütern und anderen lebenswichtigen Gütern aufheben. Die USA, Großbritannien und auch Deutschland müssen außerdem die Lieferung sämtlicher Waffen einstellen, die in völkerrechtswidriger Weise gegen zivile Ziele – einschließlich für die Seuchenbekämpfung wichtiger Infrastruktur – eingesetzt werden.

Oxfam ist vor Ort

Um Leben wie das von Chulud zu retten, ist Oxfam vor Ort und leistet akute Nothilfe. Wir stellen vor allem Trinkwasser bereit, verteilen Hygiene-Sets zum Schutz vor Cholera und unterstützen Familien mit Bargeld, damit Nahrungsmittel und andere lebenswichtige Güter erworben werden können. Seit Ausbruch der Krise haben wir bereits mehr als eine Million Menschen erreicht. Doch im Jemen sind mehr Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen als irgendwo sonst auf der Welt.

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