Kampf um Al-Hudaida: Hunger, Flucht und Choleragefahr

Fast 800.000 Menschen leiden Hunger, 80.000 Menschen sind auf der Flucht und die Gefahr eines erneuten Choleraausbruchs ist groß. Die Lebensbedingungen in Jemens Hafenstadt Al-Hudaida verschlechtern sich rasant. Es gibt nur eine Lösung: ein sofortiger Waffenstillstand und ungehinderter humanitärer Zugang.
Ahmed flieht mit seinen Kindern aus Jemens Hafenstadt Al-Hudaida
Ahmed flieht mit seinen Kindern aus Jemens Hafenstadt Al-Hudaida

Ahmeds Familie ist auf der Flucht. Sie fliehen aus ihrer Heimatstadt Al-Hudaida – Jemens umkämpfter Hafenstadt am Roten Meer, die seit Anfang Juni von heftigen Gefechten und Luftangriffen heimgesucht wird. Sie sind seit 10 Stunden unterwegs, laufen durch Sandstürme. Ahmeds Tochter hat nichts in ihrem Magen – außer einer Tasse Tee, die sie am Morgen getrunken hat. So wie Ahmed und seinen Kindern geht es derzeit vielen Familien im Jemen, die vor den jüngsten Konflikten in Al-Hudaida fliehen.

80.000 Menschen auf der Flucht

Der Jemen kommt nicht zur Ruhe. Die Hafenstadt Al-Hudeida bereitet sich auf erneute massive Angriffe vor. In der Stadt wurden Truppen stationiert, Schützengräben gezogen und Barrikaden errichtet. Die Außenbezirke werden bombardiert.

80.000 Menschen sind bereits aus ihren Häusern geflohen. Etwa 46.000 Kinder, Frauen und Männer haben es geschafft, die Stadt zu verlassen. In Sicherheit sind sie allerdings noch lange nicht. Auf der Flucht droht ihnen Gefahr durch Kämpfe, Luftangriffe und Landminen.

Die Menschen leiden Hunger

Die Lebensbedingungen in der Stadt verschlechtern sich rasant. Nahrungsmittel werden immer knapper. Viele Geschäfte, Märkte und Bäckereien haben geschlossen. Nach Panikkäufen der Bevölkerung sind Grundnahrungsmittel wie Mehl und Öl, aber auch Kochgas schwer zu bekommen. Reis hat sich um 350 Prozent verteuert, Weizen um 50 Prozent und Öl um 40 Prozent. Gleichzeitig haben sich Haushaltseinkommen oft verringert, weil viele Fabriken schließen mussten.

Dabei war die Ernährungssituation in Al-Hudeida ohnehin schon kritisch. Ein Viertel der Kinder ist unterernährt. Seit dem vergangenen Jahr steht der Bezirk Al-Hudeida kurz vor einer Hungersnot. Fast 800.000 Menschen leiden Hunger.

Drohender Cholera-Ausbruch

Auch die Wasserversorgung ist bedroht. Teile des Wasser- und Abwassersystems von Al-Hudaida sind durch die Verteidigungsvorbereitungen und Luftangriffe beschädigt worden. Dadurch steigt das Risiko eines erneuten Cholera-Ausbruchs.

Zu unseren größten Befürchtungen gehört ein erneuter Cholera-Ausbruch. Im vergangenen Jahr war Al-Hudeida schwer von der Cholera betroffen, und ein neuer Ausbruch wäre katastrophal für die Menschen.
Muhsin Siddiquey, Leiter des Oxfam-Einsatzes im Jemen

Oxfam fordert sofortigen Waffenstillstand

Wir appellieren an den UN-Sicherheitsrat, der sich heute mit dem Thema befassen wird, höchsten diplomatischen Druck auszuüben, um die Kriegsparteien zu einem Waffenstillstand zu bewegen. Das Schicksal von 600.000 Menschen steht auf dem Spiel. Schon jetzt sind die Ressourcen knapp, und es ist zu befürchten, dass durch den Auftakt einer massiven Offensive viele Menschen getötet werden.

Die Weltgemeinschaft darf das nicht zulassen. Noch ist Zeit, die Zerstörung aufzuhalten. Die Unterstützer dieses Krieges, auch die in westlichen Hauptstädten, müssen aufhören, den Konflikt weiter anzuheizen. Stattdessen müssen sie maximalen Druck auf die Kriegsparteien ausüben, einen Waffenstillstand zu schließen. Wenn sie nicht schnell handeln, machen sie sich mitschuldig.

Oxfam ist vor Ort

Die Stadt mit Hilfsgütern zu versorgen ist schon jetzt schwierig und wird noch schwieriger, wenn die Kampfhandlungen zunehmen. Dennoch ist Oxfam vor Ort und unterstützt die Menschen im Jemen mit Trinkwasser, sanitären Anlagen sowie mit der Verteilung von Bargeld, mit dem Familien Nahrungsmittel und andere lebenswichtige Güter erwerben können. Im Norden der Stadt unterstützen wir 10.000 Menschen.

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Oxfam unterstützt seit über 30 Jahren die Menschen im Jemen. Seit Ausbruch der jüngsten Krise hat Oxfam dort bereits mehr als drei Millionen Menschen erreicht. Wir stellen vor allem Trinkwasser bereit und verteilen Bargeld, mit dem Familien Nahrungsmittel und andere lebenswichtige Güter kaufen können.

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