Krieg im Jemen: „Das Massensterben muss enden“

981 Tote, davon über 300 Kinder: Noch nie forderte der Krieg im Jemen so viele zivile Opfer wie diesen August. Schuld daran: die Rücksichtslosigkeit der Kriegsparteien und das Versagen der politischen Unterstützerstaaten. Heute finden Friedensgespräche in Genf statt. Der Schutz der Zivilbevölkerung muss dort ganz oben auf der Agenda stehen.
Der Jemenit Ahmed mit seinen Kindern
Ahmed ist mit seinen Kindern aus seiner Heimat Al-Hudaida im Jemen vertrieben worden

Der Krieg im Jemen hält bereits 3,5 Jahre an – mit verheerenden Folgen, besonders für die Zivilbevölkerung. Seit März 2015 wurden nach Angaben der Vereinten Nationen über 17.000 Zivilist/innen getötet oder verletzt. Allein im August starben 981 Menschen, darunter 300 Kinder. Die tatsächlichen Opferzahlen liegen vermutlich höher. Verantwortlich für die andauernden Völkerrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen sind die beteiligten Kriegsparteien.

Im Jemen wird inzwischen auf alles und jeden geschossen. Menschen, die auf Hochzeiten, Beerdigungen oder zum Markt gehen, riskieren ihr Leben. Das Leid, dem die Menschen ausgesetzt werden, ist unerträglich, ein Angriff auf unsere gemeinsame Menschlichkeit. Die mächtigsten Staaten dieser Welt versagen dabei, für die Einhaltung ihrer Werte einzustehen. Es ist ein schändliches Kapitel doppelzüngiger Diplomatie, verdeckten Deals und offener Scheinheiligkeit. Im Jemen finden regelmäßig Kriegsverbrechen statt. Die Täter und direkt Beteiligten müssen hierfür zur Verantwortung gezogen werden. Das Massensterben muss enden.
Muhsin Siddiquey, Oxfams Landesdirektor im Jemen

Angriffe auf Märkte, Krankenhäuser und Schulen

Trotz der Zusicherung einer Feuerpause im Kampf um die Hafenstadt Al-Hudaida gab es Anfang August einen Mörserangriff auf einen belebten Markt, der 41 Zivilist/innen tötete – darunter sechs Kinder und vier Frauen. Weitere 111 Zivilist/innen wurden verletzt. Auch bei einem weiteren Mörserangriff auf ein städtisches Krankenhaus kam es zu zivilen Opfern.

Am 9. August wurden ein Markt und ein Bus mit Schulkindern bombardiert, wobei 100 Zivilist/innen zu Tode kamen, die meisten davon Jungen unter 13 Jahren. Innerhalb der folgenden Woche wurden bei einem weiteren Luftangriff mindestens 22 Kinder und vier Frauen getötet.

Ein UN-Bericht listet zahlreiche weitere Attacken auf: 16 Fischer wurden durch einen Luftangriff getötet, eine Frau durch einen Heckenschützen, zwei Kinder durch eine Streubombe. Schulen, Wohnhäuser, Bauernhöfe und andere Orte wurden angegriffen und viele unschuldige Familien getroffen.

Oxfam fordert sofortigen Schutz der Zivilbevölkerung

Die Zahl der zivilen Opfer im Jemen-Krieg hat im August einen neuen Höchststand erreicht. Schuld daran sind die Rücksichtslosigkeit der Kriegsparteien gegenüber Zivilist/innen und das Versagen der politischen Unterstützerstaaten, das Massensterben zu stoppen.

Heute finden Friedensgespräche in Genf statt. Wir appellieren an Kriegsparteien und internationale Staatenvertreter, dort den Schutz von Zivilist/innen ganz oben auf die Agenda zu setzen – denn das Schicksal von 600.000 Menschen steht auf dem Spiel.

Oxfam ist vor Ort

Hilfsorganisationen haben große Probleme vor Ort zu helfen, da die Kämpfe und Straßenblockaden ihre Arbeit erschweren. Zerstörte Wasserversorgung und Sanitäreinrichtungen in Al-Hudaida sowie anderen Teilen des Landes führen dazu, dass Tausende Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser haben und die Cholera-Gefahr steigt.

Dennoch ist Oxfam vor Ort, um die Menschen im Jemen zu unterstützen. Soweit es uns möglich ist, versorgen wir sie mit Trinkwasser, stellen sanitäre Anlagen bereit und verteilen Bargeld, mit dem Familien Nahrungsmittel und andere lebenswichtige Güter erwerben können. Seit Ausbruch der Krise haben wir bereits mehr als drei Millionen Menschen erreicht. Doch im Jemen sind mehr Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen als irgendwo sonst auf der Welt.

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