• Publikation
  • 23. März 2016

Migration und Flucht durch Klimawandel

Noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren so viele Menschen auf der Flucht wie heute. 2014 waren es rund 60 Millionen.

Vertriebene Menschen durch wetterbedingte Katastrophen
Anzahl der vertriebenen Menschen durch wetterbedingte Katastrophen (2008-2013)

Es gibt viele Gründe, warum Menschen ihre Heimat verlassen. In häufigen Fällen ist dies keine freiwillige Entscheidung, sondern das letzte Mittel, um etwa politischer Verfolgung zu entgehen und das nackte Überleben zu sichern, aber auch um ein Leben in Würde führen zu können mit der
Perspektive, der extremen Armut zu entkommen. Oft haben die Menschen dabei mit einem komplexen Bündel von Problemen wie Armut und Ungerechtigkeit, politischer Marginalisierung, Unterdrückung oder Konflikten zu kämpfen – und das womöglich noch bei wachsender Bevölkerung. Oft fehlt den Menschen auch ein gesicherter Zugang zu Land, Wasser und Märkten.

Der Klimawandel verschärft die Treiber für Migration und Flucht

Zu den ohnehin bestehenden Gründen, die Menschen zum Verlassen ihrer Heimat zwingen, kommt der Klimawandel verschärfend hinzu. Schätzungen zur Rolle des Klimawandels sind wegen der Komplexität des Zusammenspiels verschiedener Migrations- oder Fluchtursachen äußerst schwierig. Die Vorhersagen über das mögliche Ausmaß von Migration infolge des Klimawandels gehen daher weit auseinander – bis zum Jahr 2050 könnten zwischen 25 und 700 Millionen Menschen davon betroffen sein (micle 2012).

Einerseits zwingen Extremwetterereignisse wie Starkregenfälle, Überschwemmungen, Erdrutsche oder Tropenstürme Menschen zu überstürzter Flucht. Andererseits untergraben die schleichenden Folgen des Klimawandels – steigende Temperaturen, sinkende bzw. veränderte Niederschlagsmuster, Erosion von Böden, Versalzung des Trinkwassers oder der steigende Meeresspiegel – langsam die Lebensgrundlagen der Menschen.

Wie verwundbar Menschen gegenüber den Folgen des Klimawandels sind, hängt nicht nur vom Ausmaß der Folgen, sondern von zahlreichen weiteren Faktoren ab, darunter Armut, fehlende Gesundheitssysteme, mangelnde politische Mitsprache und bestehende Spannungen oder Konflikte. Die gleichen Probleme, die Menschen also seit jeher oft zu Migration oder Flucht zwingen, machen sie auch anfälliger gegenüber den Folgen des Klimawandels, der diese Probleme seinerseits verstärkt.