El Niño: weltweites Extremwetter

Zwei Frauen sitzen auf einem trockenem Boden vor einem gegrabenen Loch.
El Niño hat die Trockenheit in Äthiopien intensiviert. Wasserknappheit ist für viele Menschen zum Problem geworden.

In Kürze

Das Klimaphänomen El Niño ist dieses Jahr besonders intensiv. An vielen Orten auf der Welt  führt es zu extremen Wetterereignissen wie Dürren und Überschwemmungen. In Armut lebende Menschen sind davon besonders betroffen – über 60 Millionen Menschen leiden dieses Jahr unter Wasserknappheit, Hunger und Krankheiten.

El Niño ist ein wiederkehrendes globales Wetterphänomen, bei dem sich zunächst im Pazifischen Ozean Meeresströmungen und Winde verändern und sich das Wasser an der Meeresoberfläche erwärmt. Was sich harmlos anhört, hat weitreichende Auswirkungen auf globale Wettermuster: Je nach Region sind extreme Trockenheit oder starke Regenfälle die Folge.

El Niño tritt ungefähr alle sieben bis acht Jahre auf. Der aktuelle El Niño (2015–2016) ist besonders intensiv.

Aktuelle Folgen von El Niño

Oxfam schätzt, dass durch El Niño dieses Jahr mehrere zehn Millionen Menschen mit Hunger, Wasserknappheit, Überschwemmungen und Krankheiten konfrontiert sind. Die Auswirkungen von El Niño sind in großen Teilen Afrikas sowie in Süd- und Mittelamerika, in der Karibik, in Asien und im Pazifik zu spüren.

In Paraguay beispielsweise haben Fluten schon im Dezember 2015 große Zerstörungen angerichtet; weitere Überschwemmungen in Südamerika werden für Februar und März erwartet.

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Hintergründe

Wie begegnet Oxfam El Niño vor Ort?

  • Äthiopien: In den letzten 12 bis 18 Monaten hat Äthiopien unregelmäßige Regenfälle und Dürren erlebt. Durch El Niño intensiviert, hat die Trockenheit nun zu Wasserknappheit, Hunger und Krankheiten geführt: Die Regierung Äthiopiens schätzt, dass über 10 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind.
    Zusätzlich zu seinen langfristigen Projekten in Äthiopien plant Oxfam, mehr als 770.000 Menschen mit Nothilfe zu unterstützen, beispielsweise mit sauberem Wasser, Hygieneeinrichtungen und Nahrungsmittelhilfe. Wir liefern Trinkwasser per Lastwagen, bauen Wasserreservoirs, stellen Schutzimpfungen bereit, geben Tierfutter aus und verteilen Bargeld an Binnenflüchtlinge.
  • Mittelamerika: Oxfam schätzt, dass mehr als zwei Millionen Menschen in El Salvador, Guatemala, Nicaragua und Honduras auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind, weil die Dürre Ernteerträge verringert hat. Oxfam hat betroffene Bäuerinnen und Bauern mit Nahrungsmittel-Gutscheinen unterstützt.
  • Papua-Neuguinea: Rund drei Millionen Menschen in Papua-Neuguinea sind von den Folgen von El Niño betroffen: Trockenheit und in höheren Lagen auch starker Frost haben Ernteerträge beeinträchtigt, Nahrungsmittel werden knapp. Die Regierung warnt, dass dies die schlimmste Dürre seit 20 Jahren sein könnte. Oxfam hilft vor Ort mit Wasser und Hygieneeinrichtungen und bietet Hygieneberatung an, um den Ausbruch von Krankheiten zu verhindern.
  • Südliches Afrika: Ausbleibender Regen hat im südlichen Afrika zu Ernteausfällen geführt. Besonders betroffen ist die Maisernte in Südafrika, eine wichtige Nahrungsquelle für die gesamte Region. Im Oktober gab es so wenig Regen wie seit 30 Jahren nicht mehr. Oxfam schätzt, dass die Ernährung von bis zu drei Millionen Menschen in Malawi und 1,5 Millionen Menschen in Simbabwe gefährdet sein wird. In beiden Ländern unterstützen wir Bäuerinnen und Bauern, die von der Dürre betroffen sind, mit Bargeld und Nahrungsmittel-Gutscheinen.

El Niño ist bald vorbei – ist dann alles wieder gut?

Das El-Niño-Phänomen selbst wird sich zwar im Laufe des Frühjahrs wieder abschwächen, doch die Folgen werden in den betroffenen Ländern noch lange darüber hinaus zu spüren sein. Die genauen Daten hängen von der Anbausaison des jeweiligen Landes ab.

In Südafrika beispielsweise wird erwartet, dass unberechenbare Regenfälle und Trockenperioden die Ernten um 25% verringern. Derart schlechte Ernten dieses Jahr werden sich auch auf 2017 auswirken.

Besteht zwischen El Niño und dem Klimawandel einen Zusammenhang?

Wie genau El Niño und der weltweite Klimawandel in einem Zusammenhang stehen, wird noch erforscht. Einige Forscher sagen allerdings voraus, dass besonders intensive El Niños aufgrund des Klimawandels häufiger als in der Vergangenheit auftreten könnten.

Der Klimawandel verstärkt zudem die Auswirkungen von El Niño – Trockenheit einerseits, Überschwemmungen andererseits – durch die allgemein beschleunigte Verdunstung.

Hilft das Pariser Klimaabkommen bei der Reaktion auf Klimaphänomene wie El Niño?

Im Dezember 2015 wurde in Paris ein globales Abkommen gegen den Klimawandel beschlossen. Die globale Erwärmung soll unter deutlich unter 2°C und nach Möglichkeit auch unter 1,5°C begrenzt bleiben. Dafür soll der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase in den kommenden Jahrzehnten drastisch sinken. Um dieses Ziel schrittweise zu erreichen, werden alle Länder nun in 5-Jahres-Zyklen neue Klimaschutz-Selbstverpflichtungen vorlegen.

Aber die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit bleibt groß. Die Klimaschutzziele der ersten Periode weisen eher auf eine Erwärmung um rund 3°C bis Ende des Jahrhunderts hin – mit drastischen Folgen für die armen  Länder. Schwach blieb das Ergebnis von Paris auch in der Frage der finanziellen Unterstützung der armen Länder. Gerade die Anpassung an die klimatischen Veränderungen wird nach wie vor sträflich vernachlässigt.

Es bleibt also viel zu tun. Einige Länder brauchen dringend mehr und bessere humanitäre Hilfe etwa nach Unwetterkatastrophen oder nach schweren Dürren. Nötig sind Nahrungsmittelhilfe, finanzielle Unterstützung, Zugang zu sauberem Wasser und Hygieneeinrichtungen sowie die Behandlung von Menschen, die an Mangelernährung leiden. Es muss aber auch deutlich mehr investiert werden, damit die Menschen sich langfristig an die künftigen Veränderungen infolge des Klimawandels besser anpassen können, etwa durch veränderte Anbaumethoden, Bewässerungssysteme, Katastrophenvorsorge und Frühwarnsysteme.

Auch beim Klimaschutz müssen alle Regierungen mehr tun, um langfristig vollständig aus den fossilen Energien auszusteigen. Reiche Länder wie Deutschland müssen dabei jetzt vorangehen – und nun den Ausstieg aus der besonders klimaschädlichen Kohlekraft in die Wege leiten.