Um diese abstruse Konzentration von Reichtum zu veranschaulichen: Wäre das Weltvermögen ein Kleinwagen, gehörte der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung gerade einmal der mitgelieferte Wagenheber. Willkommen in der Welt der Ungleichheit! Die ist weitaus dramatischer als wir dachten. Neue Daten, vor allem aus Indien und China, belegen, dass die ärmere Hälfte sehr viel weniger besitzt als bislang angenommen.

Wir dürfen dieser skandalösen Entwicklung nicht länger zusehen
Marion Lieser

Wir dürfen dieser skandalösen Entwicklung nicht länger zusehen: Extreme Ungleichheit sprengt den sozialen Zusammenhalt, behindert den Kampf gegen die Armut und schafft den Nährboden für Demokratiekritiker und Feinde einer solidarischen Gesellschaft.

In den USA hat der Milliardär Trump die Wahl auch deshalb gewonnen, weil es ihm gelungen ist, Wählerinnen und Wähler für sich zu gewinnen, die ihre Arbeit verloren und das Gefühl haben, sozial und wirtschaftlich im Abseits zu stehen. Ähnliches gilt für die Brexit-Entscheidung der Briten.

Auch in Deutschland fühlen sich Menschen von der Globalisierung, dem demographischen Wandel und den veränderten Arbeitsverhältnissen überfordert und ausgegrenzt. Die Gefahr ist, dass sie sich Parteien zuwenden, die Sündenböcke anbieten, aber keine Lösungen. Das dürfen wir nicht zulassen.

Ursachen der Ungleichheit

Die Ursachen der globalen Ungleichheitskrise sind bekannt: Großkonzerne und Superreiche treiben die Ungleichheitskrise an. Sie drücken sich durch allerlei Tricks davor, Steuern zu zahlen und nutzen ihr Geld und ihren Einfluss, Regeln zu ihren Gunsten schaffen. Um die Interessen von Finanzinvestoren zu bedienen, drücken Konzerne Löhne und Lieferantenpreise, die so immer weniger an den Gewinnen beteiligt werden. Mitschuld an der wachsenden Ungleichheit hat außerdem eine Politik, die sich immer noch von der fatalen Vorstellung leiten lässt, Märkte bräuchten möglichst wenig Regulierung.

Die Alternativen liegen auf der Hand: Wir brauchen ein Wirtschaftssystem, dass alle Menschen im Blick hat und berücksichtigt. Ein System von dem die Mehrheit aller Menschen profitiert, nicht nur extrem Reiche; in dem Erfolg davon abhängt, ob jemand Talent hat und für eine Idee brennt, nicht weil er oder sie privilegiert geboren wurde; in dem jeder von seiner Arbeit leben kann und in der alle Kinder die gleichen Bildungschancen haben.

Dazu braucht es weltweit Regierungen, die im Interesse des Gemeinwohls und der sozialen Menschenrechte handeln. Und Unternehmen, die ihrer sozialen Verantwortung nachkommen, gerechte Steuerbeiträge zum Wohl der Gesellschaft leisten, faire Löhne zahlen und die Rechte ihrer Mitarbeiter respektieren.

Unsere Forderungen

Eine Kernforderung in diesem Zusammenhang ist Steuergerechtigkeit: Wir brauchen Steuern auf besonders hohe Einkommen und Vermögen, damit auch extrem reiche Personen ihren fairen Anteil zum Gemeinwohl beitragen. Der ruinöse Steuerwettlauf nach unten muss gestoppt werden, durch einen weltweit geltenden Mindeststeuersatz und das globale Ende von Steuerbefreiungen für Unternehmen. Und wir müssen endlich Steueroasen trockenlegen, mittels Transparenz und geeigneter Sanktionen.

Damit sich etwas zum Positiven bewegt, sind wir alle gefordert. Jede und jeder kann etwas tun, im Kleinen wie im Großen. Es kommt auf uns an: jetzt protestieren!

5 Kommentare

Dagegen ein schönes Beispiel für Rawls‘ Differenzprinzip*:

https://www.welt.de/wirtschaft/article161217175/Warum-Oxfams-Reichen-Studie-in-die-Irre-fuehrt.html
„Die Globalisierung kommt somit keineswegs nur den Reichen in den USA und anderen Industrieländern zugute, sondern schafft auch zunehmenden Wohlstand in Schwellen- und Entwicklungsländern. Den enormen Beitrag der Marktwirtschaft zur Reduzierung der weltweiten Armut aber verschweigt Oxfam.
Die Globalisierung nutzt den Superreichen zweifelsohne. Denn der internationale Austausch vergrößert den Markt für ihre Produkte. Doch der Aufstieg eines global aufgestellten Unternehmens wie Microsoft hat nicht nur den Gründer reich gemacht, sondern kommt auch vielen Arbeitnehmern und Aktionären weltweit zugute. Schließlich besitzt der IT-Riese in etlichen Staaten Produktions- und Forschungsstätten.
Und keinem der knapp 800 Millionen Menschen, die laut Weltbank in absoluter Armut leben, da sie weniger als knapp zwei Dollar am Tag zur Verfügung haben, ginge es besser, wenn Bill Gates weniger erfolgreich gewesen wäre.“

*„Social and economic inequalities are to satisfy two conditions: (a) They are to be attached to positions and offices open to all under conditions of fair equality of opportunity; and (b), they are to be to the greatest benefit of the least advantaged members of society. (Rawls 1993, pp. 5–6. The principles are numbered as they were in Rawls' original A Theory of Justice.)“
https://plato.stanford.edu/entries/justice-distributive/#DifPri

Dazu: https://cellediefreieseite.wordpress.com/2017/01/15/wir-sind-affen-ii/

Wie wäre es denn mal mit der Headline „Von den 8 reichsten Männern dieser Welt schafft jeder einzelne mehr Arbeitsplätze als 99 % der Weltbevölkerung zusammen?“

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