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  • 19. März 2013

Meine Geschichte: Enam Hoque über WASH (Wasser-, Sanitärversorgung und Hygieneaufklärung) im Südsudan

Enam Hoque arbeitet für Oxfam als Wasseringenieur in der Provinz Upper Nile, Südsudan. Oxfam versorgt dort Flüchtlinge in mehreren Camps mit sauberem Wasser, baut Latrinen und führt Gesundheitsberatungen durch. Seit Ende 2011 sind mehr als 200.000 Menschen aus dem Sudan in den Südsudan geflohen.

Du arbeitest seit September 2012 in Upper Nile. Wie war die Situation, als du angefangen hast?

Damals lebten rund 38.000 Menschen im Flüchtlingscamp in Jamam. Während der Regenzeit gab es überall Überschwemmungen, auch im Flüchtlingscamp. Deswegen mussten die Menschen von dort dringend umgesiedelt werden. Im August wurde ein neues Camp eröffnet, in Gendressa. Als ich ankam, war die Umsiedlung der Flüchtlinge gerade in vollem Gange.

Anfangs hatten wir ziemliche Schwierigkeiten bei der Wasserversorgung, weil es nur einen einzigen Brunnen gab, gleichzeitig trafen immer mehr Flüchtlinge ein. Wegen der Regenzeit war das Gebiet von der Umwelt abgeschnitten, der Nachschub musste auf dem Luftweg eingeflogen werden, was sehr hohe Transportkosten verursachte. Es dauert generell sehr lange, bis Nachschub hier vor Ort eintrifft, wir planen drei bis sechs Monate im Voraus.

Was machte Oxfam in dieser Situation?

Das war eine schwierige Zeit. Oxfam bohrte zahlreiche Brunnen in Jamam, aber fast alle erwiesen sich als unergiebig. Deswegen setzten wir Wassertanker ein und transportierten das Wasser von dem Brunnen im benachbarten Bantiko nach Jamam, was 25 Kilometer entfernt ist. Inzwischen gibt es von dort eine Pipeline-Verbindung, die eine ständige Versorgung mit Wasser garantiert.

Insgesamt hat sich die Wasserversorgung stabilisiert. Wir können nun pro Person und Tag über 20 Liter zur Verfügung stellen und liegen damit über dem Mindeststandard. (Der lebensnotwendige Grundbedarf an Wasser liegt bei 7,5 bis 15 Liter pro Tag, Anm. d. Red.) Als ich ankam, lagen wir noch ungefähr bei acht, maximal neun Litern pro Person.

Bei den Brunnen hatten wir Fehlbohrungen zwischen 60 und 70 Prozent, bis wir auf Wasser stießen. Jetzt sind wir besser ausgerüstet. Durch die Geräte, die wir mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes beschafften, haben wir die Effizienz der Bohrungen erheblich gesteigert: Neun von zehn Bohrungen sind jetzt erfolgreich. Die Sanitärversorgung hat sich auch verbessert. Es gibt nun eine Latrine für 16 bis 17 Personen – vorher teilten sich 30 Menschen eine Latrine.

Welches sind die Herausforderungen für die nächsten sechs Monate?

Für uns ist es wichtig, dass wir gut auf die nächste Regenzeit vorbereitet sind, denn das ist die Zeit, in der es viele Probleme gibt. Beispielsweise werden durch die Überschwemmungen viele Latrinen beschädigt und müssen ersetzt werden. Die Trockenzeit nutzen wir deshalb dazu, Nachschub und Ersatzteile zu beschaffen. Wenn ab Juni/Juli der Regen einsetzt, wird die Arbeit für uns sehr schwierig, weil wir weitgehend von der Umwelt abgeschnitten sind.   

Eine andere Herausforderung ist die Finanzierung der Hilfsmaßnahmen – für den Südsudan stehen bislang immer noch zu wenige Hilfsgelder zur Verfügung. Dann ist da noch das Risiko von Krankheiten und Seuchen: 2012 hatten wir Fälle von Hepatitis und Cholera in den Camps. Wir hoffen, in der nächsten Saison durch die verbesserten Wasserkontrollen und andere Maßnahmen dieses Risiko in den Griff zu bekommen.

Du kommst ursprünglich aus Bangladesch. Wie gehst du mit den Einsatzbedingungen hier vor Ort um, und wie hältst Du den Kontakt zu deiner Familie?

Den Kontakt zu meiner Familie zu halten ist in der Tat nicht so einfach: Ich fahre nach Bunj, um eine stabile Verbindung für ein Ferngespräch zu bekommen. Ansonsten nutze ich das Internet und Skype, um in Kontakt zu bleiben. Was die Einsatzbedingungen angeht: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben nach circa acht Wochen Arbeit in der Regel eine Woche Erholungsurlaub. In der Trockenzeit ist es sehr heiß und staubig, in der Regenzeit gibt es häufig Probleme mit Malaria. In der letzten Saison waren ca. zehn bis 20 Prozent aller Mitarbeiter betroffen, auch ich selber.