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  • 06. März 2013

Shea-Butterproduktion in Ghana: Frauen verdienen ihr eigenes Geld

Ghana wird als einziges westafrikanisches Land auf einem mittleren Platz auf dem Human Development Index (Wohlstandsindikator der Vereinten Nationen) geführt. Doch ist gerade der Norden Ghanas noch immer von Armut geprägt. In der Region rund um Tamale unterstützt Oxfam Großbritannien mit der Partnerorganisation NOGCAF (Northern Ghana Community Action Fund) Projekte zur Existenzsicherung für mehr als 500 Frauen.

Mariama Abukari aus Dimabi bricht früh am Morgen auf und macht sich auf den Weg zu den Shea-Nussbäumen. Die sechsfache Mutter erntet
die Nüsse und bringt sie zur Verarbeitung ins Dorf zurück. Hier wie in zehn weiteren Gemeinden hat Oxfams Partnerorganisation NOGCAF ein
Zentrum zur Gewinnung von Shea-Butter errichtet. Das Projekt gehört zu Oxfams Programmen zur Existenzsicherung von Frauen. Denn gerade
Ghanas Norden ist noch immer sehr arm. Im Vergleich zum wohlhabenderen Süden liegt hier die Armutsrate dreimal höher.

Besonders für Frauen ist es schwer, Geld zu verdienen.
Frauen besitzen nur sehr selten eigenes Land. Fati Paul, genannt „Madame“, ist die Leiterin von NOGCAF. Sie erzählt: „Eigentlich haben Frauen in Nord-Ghana kein Eigentum. Wenn sie etwas von den Ernteerträgen des Landes brauchen, das sie bestellen, müssen sie ihren Ehemann um Erlaubnis fragen.“ Aber durch den Zusammenschluss
der Frauen als Tungteeya Women’s Association unter dem Dach von NOGCAF haben sie mittlerweile vom Dorfvorsteher in Mbanaayili Land zur Bewirtschaftung überschrieben bekommen. Das ermöglicht den Frauen, weitere Shea-Plantagen anzulegen.

bekommen wir einen besseren Preis als auf dem lokalen Markt“, erklärt Abiba Zakaria, die Schatzmeisterin der Frauengruppe. Ihre Kenntnisse in Buchhaltung und Kassenführung hat Abiba sich in einem Training von NOGCAF angeeignet. Sie ist dafür verantwortlich, die Bücher zu prüfen und das Geld zur Bank zu bringen. „Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals eine so verantwortungsvolle Aufgabe haben würde. Ich durfte ja nicht einmal einen Schulabschluss machen“, sagt Abiba.

Einen Teil des Geldes, das die Shea-Butterproduzentinnen erwirtschaften, fließt direkt in die Gemeinden. In Mbanaayili konnten sie so den Bau eines Krankenhauses finanzieren und auch eine Schule gründen. Und von dem Geld, das die Frauen verdienen, können sie ihren Kindern den Besuch der Schule finanzieren. „Als meine Kinder älter wurden, habe ich ihnen sogar ein Fahrrad gekauft, damit sie nach Tamale in die weiterführende Schule fahren konnten“, erzählt Abiba. Und Mariama berichtet, dass sie endlich ihren Kindern die Schulkleidung kaufen kann, die sie brauchen.

Inzwischen läuft die Produktion der Shea-Butter so gut, dass die Frauen nach weiteren Abnehmern suchen. „Wir könnten mehr herstellen, als Body Shop bislang kauft“, sagt Abiba. Deshalb halten die Frauen nun nach neuen Möglichkeiten Ausschau, um ihre Erzeugnisse zu vermarkten.

Text: Manuel Schmitt/Adréana Peitsch