• Pressemitteilung
  • 20. April 2011
  • Berlin

Oxfam kritisiert Biosprit-Politik der Bundesregierung

Da immer mehr Getreide für Biodiesel und Bioethanol angebaut wird, verknappt sich das Angebot an Grundnahrungsmitteln.
Wenn die Bundes­regierung an der unverantwortlichen Biospritpolitik festhält, treibt sie die Preise für Grund­nahrungsmittel in die Höhe und nimmt eine Verschärfung der Hungersituation billigend in Kauf.Marita Wiggerthale
Oxfams Agrarexpertin

„Biosprit verknappt Grundnahrungsmittel“

Die Bundesregierung habe beim Biosprit auf ganzer Linie versagt, kritisiert die Entwicklungsorganisation Oxfam. „Wider besseren Wissens hält Bundeskanzlerin Merkel an der unsinnigen Biosprit-Politik fest“, sagt Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale. Da immer mehr Getreide für Biodiesel und Bioethanol angebaut würde, verknappe sich das Angebot an Grundnahrungsmitteln. Die Folge: die Lage auf den Weltgetreidemärkten sei sehr angespannt und die Preise seien stark gestiegen. Grundnahrungsmittel würden für immer mehr Menschen in armen Ländern unbezahlbar. „Biosprit ist offensichtlich ein Preistreiber bei Grundnahrungsmitteln“, so Wiggerthale.

EU importiert Bioethanol aus den USA

Im Jahr 2010 sei, trotz hoher EU-Einfuhrzölle, der Import von Bioethanol aus den USA sprunghaft auf 151 Mio. Liter angestiegen. Ein Schlupfloch bei den Einfuhrzöllen mache dies möglich. Verschwenderische vierzig Prozent der US-amerikanischen Maisproduktion würden für die Produktion von Bioethanol eingesetzt. Die Lagerbestände bei Mais seien dadurch drastisch zurückgegangen. Der Weltmarktpreis für Mais habe ein neues Rekordhoch erreicht und liege über dem bisherigen Höchstwert im Juni 2008. „Finanzspekulation und die Biokraftstoffpolitik sind für die hohen Maispreise verantwortlich“, so Wiggerthale. Höhere Maispreise in Zentral- und Südamerika seien die Folge. In Mexiko schlage sich dies in höheren Tortilla-Preisen nieder.*

Biodiesel bestimmt Preise für pflanzliche Öle

Analysen belegen, dass die Nachfrage nach Biodiesel einen großen Einfluss auf die Nachfrage und die Preise von pflanzlichen Ölen hat.** Mittlerweile hat der Non-Food Bereich bei pflanzlichen Ölen einen Anteil von 20 Prozent. „Seit Mitte 2010 war daher die Steigerung der Weltmarktpreise am zweitstärksten bei pflanzlichen Ölen“, so Wiggerthale. Den pflanzlichen Ölen komme aber als Grundnahrungsmittel eine große Bedeutung für die Ernährungssicherung zu.

Biosprit-Politik unverantwortlich

Die Bundesregierung befinde sich mit ihrer Biosprit-Politik auf dem Holzweg, so Wiggerthale. Die angespannte Lage auf den Weltagrarmärkten fordere eine schnelle Abkehr von der Beimischungsquote und eine Zurücknahme der staatlichen Förderung. „Wenn die Bundesregierung an der unverantwortlichen Biospritpolitik festhält, treibt sie die Preise für Grundnahrungsmittel in die Höhe und nimmt eine Verschärfung der Hungersituation billigend in Kauf“, erklärt Wiggerthale. Zudem seien die positiven Beiträge des Biosprit für den Klimaschutz sehr umstritten.

Zahlen und Fakten:

  • Die EU importierte im Jahr 2010 776 Mio. Liter Ethanol und 2,2 Mrd. Liter Biodiesel.
  • Folgende Länder exportierten im Jahr 2010 Bioethanol in die EU (Reihenfolge nach Menge): Brasilien (40 Prozent der EU-Ethanol-Importe), USA (19,5 Prozent), Ägypten (6 Prozent), Bolivien (5 Prozent), Peru (4 Prozent), Guatemala (4 Prozent), Sudan (3 Prozent), Türkei, Südkorea, Norwegen, Argentinien, Pakistan, Kambodscha, Costa Rica, Ukraine, Schweiz und Nicaragua.

Tabellen und Grafiken zum Download [PDF | 451 KB]

* www.fao.org/giews/english/gfpm/GFPM_04_2011.pdf
** LMC (2010): Global Supply, Demand and Challenges in the Oil & Oilseed Market. Global Agricultural Congress. Brussels, 30th September 2010.

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