Das reichste Prozent hat sein Treibhausgasbudget für 2026 bereits ausgeschöpft
Nach nur zehn Tagen hat das reichste Prozent der Weltbevölkerung seinen fairen Anteil am jährlichen Treibhausgasbudget verbraucht und plündert von nun an das der übrigen Weltbevölkerung.
Jedes Jahr errechnet Oxfam den „Pollutocrat Day”, den Tag, an dem das weltweit reichste Prozent sein jährliches Treibhausgasbudget bereits ausgeschöpft hat – also die Menge an CO2, die pro Kopf jährlich emittiert werden darf, um die Erderwärmung im langfristigen Durchschnitt auf maximal 1,5 Grad zu begrenzen. Dieser Tag fällt 2026 auf den 10. Januar und macht deutlich, wie unverhältnismäßig stark die Reichen und Superreichen für die Klimakrise verantwortlich sind.
Allein durch Superyachten und Privatjets erzeugt ein*e superreiche*r Europäer*in in rund einer Woche so viel Treibhausgase wie ein Mensch aus dem ärmsten Prozent der Weltbevölkerung in seinem gesamten Leben. Neben den Emissionen, die Superreiche durch ihren Lebensstil verursachen, tragen sie auch für die Emissionen jener Industrien Verantwortung, in die sie ihren Reichtum investieren. Untersuchungen von Oxfam zeigen, dass jede*r Milliardär*in im Durchschnitt durch die Unternehmen in seinem Investitionsportfolio für jährlich 1,9 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich ist und damit die Welt weiter in den Klimakollaps treibt.
Folgen des exzessiven CO2-Ausstoßes
Die Emissionen des reichsten Prozent in nur einem Jahr werden bis zum Ende des Jahrhunderts schätzungsweise 1,3 Millionen hitzebedingte Todesfälle verursachen. Darüber hinaus verursachen die extremen Emissionen der Superreichen wirtschaftliche Schäden in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen bis 2050 in Höhe von bis zu 44 Billionen US-Dollar an wirtschaftlichen Schäden.
Ab dem 11. Januar plündern die Reichen und Superreichen die Treibhausgasbudgets der übrigen Weltbevölkerung.
Die Superreichen müssen nicht nur ihre Treibhausgasemissionen drastisch senken, sondern sollten auch finanziell stärker in die Verantwortung genommen werden, um weltweit die Klimaziele zu erreichen und die Lebensgrundlage des Menschen zu schützen.
Die reichsten Menschen und Unternehmen verfügen zudem über unverhältnismäßig viel Macht und Einfluss auf die Politik. So nahmen beispielsweise 1600 Lobbyist*innen von Unternehmen der fossilen Energieindustrie an der jüngsten UN-Klimakonferenz COP30 in Brasilien teil. „Durch ihre immense Macht und ihren Reichtum nehmen Superreiche und ihre Unternehmen großen Einfluss auf die Politik und schwächen die globale Klimapolitik“, ergänzt Jan Kowalzig.
Oxfam fordert Regierungen auf, die Emissionen von Superreichen zu reduzieren und sie zur Finanzierung von Klimaschutz und Anpassung stärker in die Verantwortung zu nehmen, etwa durch die Besteuerung von hohen Vermögen. Es braucht zudem weltweit eine Steuer auf die Gewinne von Öl-, Gas- und Kohleunternehmen. Sie könnte nach Oxfam-Schätzung jährlich bis zu 400 Milliarden US-Dollar einbringen, was den Kosten der Klimaschäden im Globalen Süden entspricht. Außerdem sollten emissionsintensive Luxusgüter wie Superyachten und Privatjets stärker besteuert werden. Insgesamt braucht es nach Ansicht von Oxfam ein auf Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit basierendes Wirtschaftssystem, das Mensch und Umwelt an erste Stelle setzt.
Redaktionelle Hinweise
- Zur Berechnung des 10. Januar: Gemäß dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen müssen die weltweiten Emissionen bis 2030 auf 24 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent pro Jahr reduziert werden (vgl. UNEP); bleiben die Anteile der verschiedenen Treibhausgase konstant (vgl. World Resources Institute), ergeben sich für 2030 etwa 17,8 Milliarden Tonnen Kohlendioxid (CO2). Für 2030 ist mit einer Weltbevölkerung von rund 8,5 Milliarden Menschen zu rechnen (vgl. UN). Daraus ergibt sich ein verträgliches pro-Kopf-Level von 2,1 Tonnen CO2 pro Jahr im Jahr 2030. Daten des Stockholm Environment Institut zeigen, dass 2023 das reichste 1 Prozent der Weltbevölkerung für pro-Kopf-Emissionen von 75,1 Tonnen CO2 pro Jahr bzw. 0,206 Tonnen CO2 pro Tag verantwortlich war (vgl. Oxfam). Damit sind die durchschnittlich 2,1 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr zur Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze für das reichste Prozent bereits nach 10,2 Tagen erreicht.
- Laut dem Oxfam-Bericht „Klima der Ungleichheit“ (November 2023) reichten die Emissionen des reichsten Prozent im Jahr 2019 aus, um 1,3 Millionen Todesfälle aufgrund von Hitze zu verursachen.
- Die Oxfam-Berechnung zu den möglichen Erträgen einer weltweiten Steuer auf Gewinne fossiler Unternehmen (jährlich 400 Milliarden US-Dollar) ist hier aufgeschlüsselt.
- Der Oxfam-Bericht „Carbon Inequality Kills“ (Oktober 2024) sowie die zugehörige deutsche Analyse kommen zu dem Ergebnis, dass allein die Konsumemissionen des reichsten Prozent der Weltbevölkerung über vier Jahrzehnte (1990–2030) enorme wirtschaftliche Netto-Schäden verursachen, von denen Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen am stärksten betroffen sind. Zwischen 1990 und 2050 werden diese Länder wirtschaftliche Schäden in Höhe von insgesamt 44 Billionen US-Dollar verzeichnen.
- Der Internationale Gerichtshof (IGH) hat bestätigt, dass Länder gesetzlich verpflichtet sind, ihre Emissionen so weit zu reduzieren, dass das universelle Recht auf Leben, Nahrung, Gesundheit und eine saubere Umwelt geschützt ist.