Was hast Du Dir von der Reise versprochen?

Ich wollte direkt vor Ort sehen, wie Oxfam arbeitet. Aber vor allem hat mich der Alltag der Menschen in Simbabwe interessiert: Welche Hindernisse im Kampf gegen die Armut gilt es zu überwinden und wie können wir sie dabei unterstützen?

Was wird in den Projekten, die Du gesehen hast, gegen HIV und Aids getan?

Zum Beispiel gibt es sogenannte home-based carers, die von Oxfams Partnerorganisationen ausgebildet werden. Sie versorgen jede Woche sechs, sieben Aids-Patientinnen oder Patienten. Sie erinnern die Kranken daran, ihre Tabletten zu nehmen, überwachen den Krankheitsverlauf und geben ihnen das Gefühl, nicht allein zu sein. Und dann geht es natürlich darum, weitere Ansteckungen mit HIV zu verhindern. Dazu muss sich das sexuelle Verhalten verändern, es muss völlig klar sein: Ohne Kondom schläft man nicht miteinander. Das zu vermitteln, ist eine unglaublich schwierige Aufgabe, weil man gegen die Tradition und die Kultur angeht.

Beim Stichwort Kondombenutzung sind wir schnell bei der Rolle der Frauen. Wie schätzt Du ihre Situation ein?

Man hat das Gefühl, dass die Frauen hier den Laden ganz alleine schmeißen. Sie ziehen die Kinder auf, waschen, kochen, schleppen Wasser über zig Kilometer. Ich hatte sehr stark den Eindruck, dass die Frauen sich nicht mehr damit abfinden wollen, dass die Männer das alleinige Sagen haben. Die Frauen rütteln an ihren Männern, dass sie endlich Verantwortung übernehmen, auch im sexuellen Verhalten, um HIV vorzubeugen.

In einer Schule haben wir Jugendliche kennengelernt, die sich als Peer Educators engagieren. Sie versuchen, HIV und Aids zu enttabuisieren und andere darüber aufzuklären. Ist diese Generationen ein Hoffnungsträger?

Absolut, aber nicht nur, weil sich die jungen Leute über die Folgen von HIV und Aids bewusst sind, sondern weil sie wissbegierig sind. So sehr, dass sie sogar 15 Kilometer in die nächste Schule laufen. Gerade für die Mädchen ist das ein großer Schritt: Sie werden oft zuhause behalten, damit sie im Haushalt helfen – und weil das Geld, wenn überhaupt, nur für die Schulgebühren der Jungen reicht. Die Jugendlichen, die ich getroffen habe, schienen sehr selbstbewusst und durchaus imstande, in ihren Dörfern Veränderungen einzuläuten.

Was waren die eindrücklichsten Erlebnisse die Du hattest?

Mich persönlich haben die Kinder besonders berührt. Sie spiegeln die Ausgeliefertheit derer wider, die in eine schwierige Lage hineingeboren werden, und gleichzeitig sieht man in diesen Kindern auch den Grund, warum eine Zukunft geschaffen werden muss für dieses Land. Daneben hat mich beeindruckt, wie ein soziales Netz rund um die Aids-Kranken und HIV-Infizierten gesponnen  wird, wie die Kranken entstigmatisiert werden. Und ich glaube, dass der Ansatz von Oxfam genau richtig ist, als Vervielfältiger zu wirken: NGOs vor Ort zu unterstützen, die sich im Land bestens auskennen und genau wissen, was gebraucht wird.

Was hast Du von dieser Reise mit zurück genommen?

Vielleicht klingt es abgeschmackt, aber ich komme mit einer großen Portion Demut zurück und dem Gefühl, dass man in einer privilegierten Position ist, die einen dazu veranlassen sollte, zu geben, zu geben, zu geben. Und diese Hinwendung der Mütter zu ihren Kindern, wie sie für deren Bildung kämpfen. Auch das nehme ich mit: Dass Bildung das Wichtigste ist, um die Armut zu überwinden.

Du bist Oxfam-Botschafterin. Hast Du das Gefühl, Du kannst durch Deine Reise Oxfams Anliegen jetzt besser in die Öffentlichkeit tragen?

Ich fühle mich emotional untermauert. Aus einem abstrakten Anliegen, dass es allen Menschen gleich gut gehen sollte, wird ein persönliches. Und diesen Wunsch, dass es den Menschen besser gehen MUSS, den kann ich nun sehr viel besser erklären und verteidigen.

Die Millenniums-Entwicklungsziele (MDG) im Detail.