Wer in Costa Rica über Jahre nur Zeitverträge hat und bei einem Subunternehmer angestellt ist, kann selbst von grundlegenden Arbeitsrechten nur träumen. Leider war dies noch im Mai 2016 für rund 90 Prozent der Beschäftigten bei Finca Once, dem wichtigsten Ananas-Lieferanten für Lidl, der Fall, wie es in dem Oxfam-Bericht „Süße Früchte, bittere Wahrheit“ dokumentiert ist. Inzwischen haben rund drei Viertel der Beschäftigten bei Finca Once Arbeitsverträge mit Sozialversicherung und Mindestlohn. „Das ist ein großer Erfolg“, sagt Francisco Parrado, Mitarbeiter des Oxfam-Partners ARCA und Berater des Arbeitsministeriums. Über weiterhin bestehende Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen auf der Plantage kann dieser Fortschritt aber nicht hinwegtäuschen.

Mit Arbeiter/innen persönlich sprechen? Lieber nicht

Dies ergab ein Treffen am 22. Oktober 2016 mit Vertretern von Lidl, Finca Once, der Gewerkschaft UNT, Oxfam und ARCA auf der Ananasplantage im Norden Costa Ricas. Nach wie vor berichten Arbeiter, dass Pestizide eingesetzt werden, während Menschen in der Nähe arbeiten. Gewerkschaftsrechte werden systematisch missachtet. Es herrscht ein Klima der Angst, Arbeiter/innen fürchten entlassen zu werden, wenn sie versuchen sich zu organisieren. Nicht einmal Dokumente darf die Gewerkschaft bei der Plantage abgeben, geschweige denn diese betreten und dort mit Arbeiter/innen sprechen.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht nachvollziehbar, dass Lidl zahlreiche von den lokalen Partnern ARCA und der Gewerkschaft UNT zusammengestellte Belege und Aussagen von Arbeiter/innen nicht anerkennen will, da diese – aus Schutz für die Arbeiter/innen – in Form von Video- und Tonaufnahmen anonym präsentiert wurden. Dies zeugt von mangelnder Kenntnis der größten europäischen Supermarktkette im Umgang mit Menschenrechtsverletzungen, ist es doch bei deren Dokumentation Standard, Zeugenaussagen in Berichten anonym zu halten. Bedauerlicherweise hatte der Lidl-Vertreter auch das Angebot von Oxfam abgelehnt, vor dem offiziellen Treffen mit Arbeiterinnen und Arbeitern seines Lieferanten persönlich zu sprechen.

Gewerkschaftsfreiheit wird missachtet

Lidl und Finca Once lehnten es im Gespräch mit Oxfam ab, der Gewerkschaft Zugang zur Plantage zu gewähren. Von Angst der Arbeiter/innen vor Repressalien wegen Gewerkschaftstätigkeit wollten die Unternehmensvertreter nichts wissen. Sie bestritten explizit, dass auf der Plantage Pestizide in der Nähe von Arbeiter/innen im Feld eingesetzt werden und haben die Belege von Oxfam schlicht nicht anerkannt. Immerhin hat Lidls wichtigster Ananas-Produzent versprochen, das Zugangsrecht der Gewerkschaft zur Plantage rechtlich zu prüfen. Außerdem darf ihm die Gewerkschaft UNT in Zukunft Dokumente per Email zukommen lassen.

Insgesamt haben Lidl und Finca Once noch einen langen Weg vor sich, die sozialen und ökologischen Nachhaltigkeitsstandards umzusetzen, mit denen der Discounter wirbt. Oxfam und seine Partner in Costa Rica werden sich weiterhin dafür einsetzen, dass Arbeiter/innen bei Lidls Lieferanten existenzsichernde Löhne bekommen, Arbeitsschutzstandards eingehalten werden und die Beschäftigten nicht verfolgt werden, wenn sie sich gewerkschaftlich betätigen.

E-Mail-Aktion: Hey Lidl, mach dich fit für fair!

Fordere Lidl gemeinsam mit uns auf, seine Bananen und Ananas wirklich fair und nachhaltig zu produzieren und dafür zu sorgen, dass Menschen- und Arbeitsrechte eingehalten werden:

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