Die 36-jährige Zeinach* kann sich noch genau an den Tag erinnern, an dem sich die Familie dazu entschlossen hatte, aus ihrer Heimat zu fliehen. Kampfjets flogen bereits seit mehr als 20 Tagen über das kleine Dorf in Syrien. An jenem Tag wurde es von Granaten aus der Luft getroffen. Auch ihr Haus, das sie mit eigenen Händen gebaut hatten. Während Zeinach mit ihren vier Kindern zunächst bei Verwandten Unterschlupf fand, machte sich ihr Ehemann auf die gefährliche Reise über die Türkei nach Deutschland. Das lange Warten auf ein Wiedersehen begann.

Zeinach floh mit ihren vier Kindern aus Syrien
Zeinach floh mit ihren vier Kindern aus ihrer Heimat in Syrien. V.l.n.r.: Nimo (8), Zee (20 Monate), Zeinach (36), Misso (11), Massi (9)

Drei Monate später erreichte der Familienvater Deutschland. Voller Hoffnung auf Sicherheit und ein Wiedersehen reiste die Familie hinterher. Vergebens. Schmuggler schleusten Zeinach und ihre vier Kinder auf gefährlichen Wegen nach Chios, eine Insel im Osten Griechenlands. Daraufhin wurde die Familie aufs Festland in eine Flüchtlingsaufnahmestelle gebracht, in der sie nun seit Monaten unter beschwerlichen Bedingungen ausharren. „Es gibt hier viele Probleme. Es ist nicht sauber. In einer Woche gibt es heißes Wasser, in der nächsten keines. Im März und April war es sehr kalt. Den Kindern fehlt es an Bildung. Seit mehr als fünf Monaten gehen sie nun nicht mehr zur Schule.“, so Zeinach über ihre Zeit in der Aufnahmestelle.

Sie hat das Gefühl festzustecken. Gerne würde sie ihren Ehemann wiedersehen und sich endlich wieder sicher fühlen. Ihre Botschaft an die Europäische Union: „Bitte unterstützt Familien dabei, wieder zueinanderzufinden. Das ist der größte Wunsch, den ich habe. Ich vermisse meinen Ehemann, und die Kinder vermissen ihren Vater.“

Europas Politik der Kälte

Zeinach und ihre Familie sind kein Einzelfall. Aufgrund der europäischen Abschottungspolitik gibt es für die meisten Geflüchteten kaum legale und sichere Möglichkeiten, zu ihren Familienangehörigen in anderen EU-Staaten zu gelangen. Eine schnelle Familienzusammenführung wird nur wenigen Menschen ermöglicht, obwohl klar ist, dass die soziale und wirtschaftliche Teilhabe von geflüchteten Menschen in Aufnahmeländern erheblich besser ist, wenn ihre Angehörigen bei ihnen sind. Stattdessen müssen sie oft monatelang in schlecht ausgestatteten Aufnahmeeinrichtungen ausharren und verlieren dabei die Hoffnung. Oder sie bringen sich in Gefahr, wenn sie versuchen, auf illegalem Weg zu ihren Familien zu kommen, indem sie sich zum Beispiel Menschenschmugglern ausliefern.

Welche konkreten Auswirkungen die auf Abwehr und Abschreckung gerichtete EU-Migrationspolitik auf die Schicksale von Geflüchteten und ihrer Familien in Griechenland hat, geht aus dem aktuellen Oxfam-Bericht „Dear family – How EU policies are tearing families apart“ hervor.

Den Bericht können Sie hier herunterladen:

 

Oxfam fordert die Bundesregierung auf, ihre gegen Geflüchtete und ihre Familien gerichtete Politik zurückzunehmen und mehr Mittel für die globale Armutsbekämpfung bereitzustellen. Zeigen Sie Solidarität mit geflüchteten Menschen und unterzeichnen Sie unseren Aufruf:

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*Die Namen wurden zum Schutz der Identität geändert.