Noboa ist einer der größten Bananenproduzenten Ecuadors. Unter dem Chiquita-Label liegen seine Bananen auch in deutschen Supermärkten.

Anfang des Jahres schlossen sich 46 Noboa-Beschäftigte der Hacienda Julia in einer Gewerkschaft zusammen, um sich gegen schlechte Arbeitsbedingungen zu wehren. Anfang Februar informierte das Arbeitsministerium die neue Gewerkschaft und das Unternehmen über die erfolgreiche Registrierung. Noboa reagierte prompt: Alle 46 Neugewerkschafter*innen wurden fristlos entlassen.

„Am Freitag hat das Arbeitsministerium unsere Gewerkschaft anerkannt, am Montag wurden wir alle entlassen“, berichtet Romel Rivera, der von seinen Kolleg*innen zum Generalsekretär der neuen Betriebsgewerkschaft gewählt wurde. „Einige der Kollegen haben ihr halbes Leben bei Noboa gearbeitet.“

Es scheint, als seien die Bananenplantagen ein rechtsfreier Raum.
Frank Braßel, Leiter der Oxfam-Kampagne „Fairness Eintüten!“

Oxfams Partnerorganisationen in Ecuador berichten immer häufiger von solchen Fällen. Auch bei Noboa passierte es nicht zum ersten Mal: Bereits Ende 2017 wurde auf der Noboa-Farm Los Álamos eine Gewerkschaft illegal zerschlagen. Juristische Konsequenzen hat dies bis heute nicht.

 

Oxfam fordert Aufklärung

Noboa ist ein wichtiger Lieferant von Chiquita, deren Bananen bei großen deutschen Supermärkten wie Edeka und Rewe verkauft werden. Zumindest bis zum vergangenen Jahr verkaufte auch Kaufland Bananen von Noboa – unter dem Label „Bonita“. Oxfam hat sich daher mit der Bitte um Aufklärung der rechtswidrigen Vorgänge an Chiquita und die deutschen Supermärkte Rewe, Edeka und Kaufland gewandt.

„Die Gewerkschaftsfreiheit ist ein zentraler Baustein jeder Nachhaltigkeitspolitik. Wir haben bereits bei dem Konflikt 2017 mehrfach bei Chiquita interveniert – leider ohne eine aussagekräftige Antwort erhalten zu haben“, sagt Frank Braßel. „Jetzt müssen das Unternehmen wie auch die Supermärkte energisch reagieren und darauf drängen, dass die Entlassenen wieder eingestellt werden.“

Preiskampf verschärft Situation auf Plantagen

Die Situation für die Beschäftigten auf den Plantagen wird auch durch den enormen Preisdruck verschlimmert, den Supermärkte auf Bananenproduzenten ausüben.

Seit einigen Monaten gibt es einen massiven Preiskampf: Nachdem Lidl im vorigen Jahr ankündigte, komplett auf fair gehandelte Bananen umzustellen, scheint die Situation sich immer weiter zuzuspitzen und die anderen Ketten unterbieten sich in den günstigsten Angeboten. Die Niedrigpreise werden von den Produzenten an ihre Beschäftigten weitergegeben und gefährden die Existenz vieler kleinbäuerlicher Produzent*innen und die Menschenrechte von Arbeiter*innen.

Anlässlich der Fachmesse Fruit Logistica fordern Oxfam, Fairtrade International und TransFair Deutschland ein Ende des Preiskampfes im Bananensektor, da er die wirtschaftliche Ausbeutung von Menschen und Umwelt verschärft und damit einen nachhaltigen Bananenanbau unmöglich macht. Die gemeinsame Pressemitteilung finden Sie hier.