Abfallmanagement in Jordanien

Rund 80.000 aus Syrien Geflüchtete haben im jordanischen Flüchtlingscamp Zaatari Schutz gefunden. Die Abfallentsorgung wurde hier schnell zum Problem und brachte erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich. Ein Recyclinghof reduziert die Abfallmengen und schafft neue Einkommen.
Ein Mann mit Oxfam-Mütze sammelt Abfall in einem Karren.
Mit Tätigkeiten wie der Müllsammlung und -trennung können sich Menschen im Flüchtlingscamp Zaatari über Oxfams „Cash-for-Work“-Programm etwas hinzuverdienen.

Das jordanische Flüchtlingscamp Zaatari ist das größte im arabischen Raum: Es bietet rund 80.000 aus Syrien Geflüchteten Schutz. Die Abfallentsorgung wurde hier schnell zum Problem, zumal Mülltrennung und Recycling in Jordanien bisher wenig bekannt sind. Mangelnde Abfallentsorgung bringt erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich und kann zum Ausbruch von Krankheiten führen. Oxfam errichtete deshalb – gemeinsam mit der GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und anderen Partnern – einen Recyclinghof in Zaatari. Ein erfolgreiches Pilotprojekt konnte 2016 auf das gesamte Camp ausgeweitet werden.

Umweltschutz und Einkommensmöglichkeiten

Ich war so begeistert, meine Fähigkeiten wieder einsetzen zu können!
Jasem Al-Wrewir, Teamleiter im „Cash-for-Work“-Programm

So werden nicht nur die Abfallmengen reduziert, sondern auch neue Einkommen geschaffen: Mit Tätigkeiten wie der Müllsammlung und -trennung, der Aufbereitung und dem Verkauf von Wertstoffen oder der Herstellung und dem Verkauf recycelter Produkte können sich inzwischen mehr als 6.000 Menschen über Oxfams „Cash-for-Work“-Programm etwas hinzuverdienen. Vor allem Frauen übernehmen die Aufgabe, andere Camp-Bewohner/innen für Mülltrennung zu sensibilisieren.

21 Prozent des in Zaatari erzeugten Abfalls wurden durch das Projekt weiterverwertet – das sind 259 Tonnen pro Woche. Die Hygiene im Camp hat sich dadurch deutlich verbessert und der CO2-Ausstoß wurde um 1.068 Tonnen pro Jahr gesenkt.

Seit Oktober 2016 wird das Projekt auch in zwei Gemeinden im Gouvernement Mafraq umgesetzt, deren vorher schon unzureichendes Abfallmanagement durch die Aufnahme Geflüchteter stark unter Druck geraten war.

Geflüchtete brauchen langfristige Perspektiven

Solange der Konflikt in Syrien andauert, wird Oxfam vor Ort bleiben und weiter Nothilfe leisten. Nach sieben Jahren Gewalt brauchen die Menschen in Syrien jedoch endlich Frieden! Oxfam fordert alle Konfliktparteien auf, Angriffe auf Zivilpersonen, Belagerungen und das Blockieren von Hilfslieferungen einzustellen und über eine tragfähige Friedenslösung zu verhandeln. Die ins Ausland geflüchteten Syrer/innen – und die Aufnahmestaaten – benötigen dringend mehr internationale Unterstützung.

Gleichzeitig müssen die Regierungen in Jordanien und dem Libanon den Geflüchteten ermöglichen, sich Lebensgrundlagen aufzubauen, vor allem durch Zugang zum regulären Arbeitsmarkt. Viele erhalten keine Arbeitserlaubnis und sind zur Schwarzarbeit gezwungen, was zur Ausweisung nach Syrien führen kann. Oxfam setzt sich deshalb in Jordanien und Libanon für mehr reguläre Beschäftigungsmöglichkeiten für Geflüchtete ein.

Das Projekt ist Teil der BMZ Sonderinitiative „Fluchtursachen mindern, Aufnahmeregionen stabilisieren, Flüchtlinge unterstützen“.

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