Benin: Bildung und Ausbildung verändern das Leben benachteiligter Mädchen

Können die Kinder nicht zur Schule kommen, dann muss die Schule zu den Kindern kommen: Mit dieser Überzeugung ermöglicht ASSOVIE in Benin benachteiligten Mädchen Schulbildung und Berufsausbildung.

Es geht um mehr als das ABC

In Benin leben geschätzte 100.000 Vidomègon: Kinder und Jugendliche, die von ihren Eltern, zumeist in der Hoffnung auf bessere Bildungs- und Berufschancen, an fremde Familien in den Großstädten gegeben wurden. Doch statt dort die ersehnte Ausbildung zu erhalten, werden die meisten zu täglicher Arbeit im Haushalt, als Straßenverkäufer/in oder Markthelfer/in gezwungen. In extrem prekären und ausbeuterischen Verhältnissen sind sie völlig von ihrem Vormund abhängig und können sich gegen Unterdrückung und Gewalt kaum wehren. Ohne Bildungs- und persönliche Entwicklungschancen fehlt den Vidomègon jede Zukunftsperspektive. Gesetze zu ihrem Schutz werden in Benin nur äußerst mangelhaft umgesetzt. Es findet kaum Aufklärung für einen respektvollen Umgang mit jugendlichen Schutzbefohlenen statt.

Oxfams lokale Partnerorganisation ASSOVIE setzt sich seit über 15 Jahren dafür ein, den benachteiligten Vidomègon Schulbildung und Berufsausbildung zu ermöglichen, um ihre Lebensbedingungen und Berufsperspektiven nachhaltig zu verbessern.

Unterricht auf dem Markt

Schülerinnen der Marktschule Létondougbé üben die Buchstaben des Alphabets, einige können bereits ihren Namen schreiben.

Können die Kinder nicht zur Schule kommen, dann muss die Schule zu den Kindern kommen. Dies hat sich ASSOVIE in Benin zum Prinzip gemacht.

„Ich bin sehr glücklich über ASSOVIE. Ich habe viel für mein Leben gewonnen!“
Victoire, Schülerin auf dem Markt von Létongbè

Auf inzwischen 20 Märkten in den Städten Cotonou, Abomey-Calavi, Ouidah und Porto-Novo hat ASSOVIE einfache Holzhäuschen errichtet. Hier findet zweimal in der Woche ein zweistündiger Unterricht statt, in dem die Kinder, überwiegend Mädchen, binnen drei Jahren die Grundlagen von Lesen, Schreiben und Rechnen erlernen können. Und da sie sich durch die räumliche Nähe nicht lange von ihrem Arbeitsplatz entfernen müssen, wird ihnen die Teilnahme auch eher erlaubt. Mittlerweile nehmen jährlich 500-600 Kinder im Alter zwischen 6 und 18 Jahren regelmäßig am Unterricht teil, manchen von ihnen gelingt sogar ein Übertritt in die Regelschule.

Grundversorgung für die Kinder

Müde, hungrig oder krank lässt es sich schlecht lernen. Daher setzt sich ASSOVIE für die Verbesserung des Arbeitsumfelds der Mädchen auf den Märkten ein. Sie erhalten einen Zuschuss für Nahrungsmittel sowie eine gesundheitliche Basisbetreuung inklusive Grundimpfungen und Aufklärungskursen. Auch bei den Vormundschaftsfamilien versucht ASSOVIE ein besseres Verständnis für die Rechte der Kinder zu bewirken und sie zu einem respektvolleren Umgang mit ihren Schutzbefohlenen zu bewegen. So werden bei regelmäßigen Hausbesuchen aktuelle Probleme gemeinsam besprochen. Zudem bildet ASSOVIE aufgeschlossene Händler/innen auf den Märkten, auf denen die meisten Vidomègon arbeiten, zu Mittler/innen für Kinderrechte aus.  

Psychosoziale Begleitung

Die oft verängstigten oder traumatisierten Kinder und Jugendlichen werden von Sozialarbeiter/innen und Psycholog/innen begleitet, und falls nötig auch psychotherapeutisch behandelt. Inzwischen werden sie von den Kindern vertrauensvoll in ihre Anliegen einbezogen. Musik, Theater und Tanz dienen der Entwicklung eigener Ausdrucksfähigkeit sowie als wichtiger Ausgleich für die benachteiligten Kinder, die zuvor meist nur Arbeit und Unterdrückung kannten.

Handwerkliche Ausbildung

Über die Schule hinaus wird vor allem benachteiligten Mädchen in vier Großstädten Benins eine qualifizierte handwerkliche Ausbildung ermöglicht. Ein umfassendes Stipendium trägt die Ausbildungskosten, Arbeitsmaterialien und Fahrtkosten. Auch während der Ausbildung werden die Mädchen intensiv begleitet und beraten. Ein nachhaltiges Ausbildungsnetzwerk mit pädagogisch geschulten Ausbildungsleiter/innen und fortlaufend geprüften, hochwertigen Standards sichert die Qualität der Ausbildung. Zu dieser gehören auch Kenntnisse in Kundenservice, einfacher Buchhaltung und der Führung eines eigenen Geschäftes. Im Gegenzug verpflichten sich die Auszubildenden zur kostenfreien Weitergabe ihrer handwerklichen Fertigkeiten an weitere auszubildende Vidomègon. Nach bestandener staatlicher Abschlussprüfung können sich die Berufseinsteigerinnen in Kooperativen oder eigenen Kleinunternehmen eine eigenständige Zukunft aufbauen. Kontinuierliches Coaching durch das Ausbilder/innen-Netzwerk und eine Anschubfinanzierung für ihr Arbeitsgerät helfen den Absolventinnen beim Berufsstart.

Marie war Marktverkäuferin in Vèdokò und hatte keine formelle Schulbildung – bis sie die dortige Marktschule von ASSOVIE besuchen konnte. Inzwischen lernt sie das Friseurhandwerk mit Hingabe: „Ich wollte schon immer Friseurin werden, weil ich alles an diesem Beruf mag. Meinen Abschluss machen und meinen eigenen Friseurladen eröffnen - das ist mein Ziel!“

Die Chance auf Bildung kann Leben verändern

Um auch auf politischer Ebene Einfluss zu nehmen, arbeitet ASSOVIE eng mit anderen beninischen Kinderrechtsorganisationen zusammen. So wird der Druck auf Politik und Verwaltung erhöht, die existenten Gesetze und Bestimmungen für Kinderrechte angemessen durchzusetzen – damit die Chance auf Bildung zukünftig das Leben aller Kinder in Benin verändern kann.

Oxfam unterstützt die Arbeit von ASSOVIE mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), der FUTURA-Stiftung sowie privater Spenden.

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Zusammen mit unserer lokalen Partnerorganisation machen wir uns in Benin vor allem im Bereich Bildung stark.

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