Burundi: Wasser für eine sichere Zukunft

Bujumba Rural ist eine hügelige Provinz, die Burundis Hauptstadt Bujumbura umsäumt. Ein mehrjähriger Bürgerkrieg hat den Menschen hier schwer zugesetzt. Viele Bewohner*innen flohen, die Infrastruktur wurde weitgehend zerstört, die Trinkwasserversorgung ist zusammengebrochen. Oxfams Partnerorganisation OAP ist vor Ort, um den Menschen zu helfen.
Kinder waschen ihre Hände
„Hände waschen nicht vergessen“: Oxfam stellt die Wasserversorgung sicher.

Auf den ersten Blick wirkt Bujumbura Rural, die hügelige Provinz rund um Burundis Hauptstadt Bujumbura, sehr idyllisch: Am Ufer des Tanganyikasees erheben sich grüne Hügel, an deren Hängen sich kleine Siedlungen und Straßen emporwinden.

Doch bis 2005 war diese Region Schauplatz eines mehrjährigen Bürgerkrieges, der viele Bewohner*innen der Region zur Flucht zwang und die Infrastruktur zu weiten Teilen zerstörte. Die meisten Nichtregierungsorganisationen verließen die unsichere Region während dieser Zeit. OAP (Organisation d'appui a l'auto-promotion) jedoch blieb und leistete Nothilfe für die verbleibende Bevölkerung.

Trinkwasser auch in abgelegenen Bergsiedlungen

Pauline Ndayawurwa in Burundi
"Jetzt habe ich das Wasser gleich in der Nähe und es ist sauber." Pauline Ndayawurwa
Ein wichtiger Bestandteil dieser Hilfe ist die lokale Versorgung mit Trinkwasser. Viele Familien in Bujumbura Rural müssen noch Oberflächenwasser aus Bächen, Flüssen oder gar dem Tanganyikasee nutzen, um ihren Wasserbedarf zu decken. Krankheiten wie Typhus sind da an der Tagesordnung.

Sauberes Wasser in der Nähe des Hauses zur Verfügung zu haben heißt jedoch nicht nur, weniger Infektionsgefahren ausgesetzt zu sein und weniger krank zu werden. Für die Frauen und Mädchen bedeutet es vor allem eine enorme Arbeitserleichterung. Um den Wasserbedarf der Familie zu decken, machen sie sich normalerweise bereits vor Sonnenaufgang auf den Weg. Denn die nächsten Wasserstellen, an denen sie ihre vielen Kanister befüllt können, liegen meist mehrere Kilometer über steile Bergpfade entfernt.

Enorme Arbeitserleichterung

Die Schwerkraft-Wassersysteme, die OAP bereits erfolgreich an vielen Standorten Bujumbura Rurals errichtet hat, sind somit ein wahrer Segen für die Bevölkerung. Nach fachgerechter Einfassung der Quellaustritte am Oberhang wird das Trinkwasser über kilometerlange Rohrleitungen und unzählige Zwischenreservoire auf mehrere Hänge verteilt und erreicht so Hunderte Haushalten. Das System ist so konstruiert, dass eine öffentliche Entnahmestelle für jede*n Anwohner*in nicht mehr als 1.000 Meter entfernt liegt.

„Früher holte ich das Wasser aus einem Tümpel, drei Kilometer von hier. Jetzt habe ich das Wasser gleich in der Nähe und es ist sauber“, berichtet Pauline Ndayawurwa, eine Bewohnerin der Hügel oberhalb Rotungas. „Weil jetzt das Wasser so nah ist, habe ich mehr Zeit für die Arbeiten zu Hause und auf dem Feld.“

Um den reibungslosen Betrieb der Wasserversorgung zu gewährleisten, werden Wasserkomitees benannt. Diese sind für die Sauberkeit der Zapfstellen verantwortlich und kümmern sich darum, dass die Hähne nicht durch spielende Kinder beschädigt werden. Auch das Einsammeln des gemeinsam festgelegten Wasserzinses obliegt den Komitees. Mit diesen pro Haushalt erhobenen Nutzungsgebühren gelingt es ihnen, Kleinreparaturen selbst zu finanzieren.

Anschlussprojekt zur Wasserversorung

Auch in einem Anschlussprojekt wurde wieder ein Wasserversorgungssystem gebaut. Die Gemeinden Ruvyagira und Burima, Commune Mutambu, beziehen ihr Trinkwasser damit über eine 16 km lange Versorgungsleitung. So werden insgesamt 820 Haushalte mit Trinkwasser versorgt.

Ergänzung vom 1. November 2018:

Die beiden hier beschriebenen Projekte wurden mittlerweile erfolgreich abgeschlossen. Ein Folgeprojekt, das 2019 startet, ist bereits bewilligt und der Projektauftakt in Planung.

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Hintergründe

Zusammenarbeit von OAP und Oxfam Deutschland

Oxfam Deutschland arbeitet seit 2007 mit OAP zusammen. Seitdem wurden zwei Schwerkraft-Wasserversorgungssysteme mit jeweils kilometerlangen Wasserleitungen durch unwegsames Gebiet fertiggestellt (Communes Mubimbi und Mahuta). Diese bieten auch abgelegenen Siedlungen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Wasserleitungen versorgen neben Privathaushalten auch zahlreiche öffentliche Einrichtungen, wie Schulen, Kirchengemeinden und Gesundheitszentren.

Aktuelle Situation in Bujumbura Rural

Der Lebensstandard der Bevölkerung Bujumbura Rurals hatte sich seit Ausbruch des Bürgerkriegs ständig verschlechtert. Auch der Handel, der aufgrund der Nähe zur Hauptstadt früher einen wichtigen Wirtschaftszweig darstellte, kam in Folge der schlechten Sicherheitslage fast ganz zum Erliegen.

Aufgrund der bis heute weitgehend zerstörten Infrastruktur laufen die Handelsaktivitäten nur langsam wieder an. 92 Prozent der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig. Die Produktion ging aufgrund ausgelaugter, erodierter Böden und wiederholter Fluchtbewegungen zurück, Überschüsse werden selten erzielt. So betreibt ein Großteil der Einwohner*innen der Provinz Bujumbura Rural den Ackerbau ausschließlich für den Eigenbedarf und verfügt über ein geschätztes Durchschnittseinkommen von weniger als einem US-Dollar pro Woche.