„Making Change“: Zivilgesellschaftliches Engagement gegen Gewalt gegen Frauen in Südafrika

Solz präsentieren Jugendliche ihr Zertifikat als Peer Educator.
Die Neuntkläessler/innen sind stolz auf das Zertifikat als Peer Educator.

Die offizielle Statistik der polizeilich angezeigten sexuellen Straftaten liegt in der Provinz Westkap mit 9.000 Fällen pro Jahr außerordentlich hoch und weist nur auf die Spitze des Eisberges hin. Unzureichende staatliche Unterstützung trotz progressiver Gesetzeslage hat einen negativen Effekt auf jene Bevölkerungsgruppen, in denen das Zusammenspiel aus Armut, Arbeitslosigkeit, Drogenmissbrauch, HIV, Gewaltbereitschaft und traditionellen Vorstellungen von Männlichkeit einen Kontext bilden, in dem Frauen täglich von Gewalt bedroht sind.

Nur 5 – 7% aller zur Anzeige gebrachten sexuellen Übergriffe führen tatsächlich zu einem Gerichtsurteil. Diese geringe Prozentzahl erzeugt ein Klima der Straflosigkeit. Athlone und Khayelitsha gelten wegen ihrer hohen  Vergewaltigungszahlen als besonders gefährlich. Hinterhofhütten und informelle Siedlungen im Vorort Athlone und die dichte Besiedlung im drittgrößten Township von Südafrika, Khayelitsha, in Kombination mit Gangstertum und Drogenmissbrauch machen polizeiliche Überwachung schwierig und verfestigen eine Haltung der Ohnmacht bei den Betroffenen. Oxfam arbeitet mit seiner südafrikanischen Partnerorganisation Rape Crisis Cape Town Trust (Rape Crisis) in Khayelitsha und Athlone und wendet Methoden wie unter anderem Peer Education (Lernen von Gleichaltrigen) und Gemeinschaftsdialoge in den Nachbarschaften sowie gezielte Medientrainings und -auftritte an, die eine positive Wirkung erzeugen.

Ziel des “Making Change”-Projektes ist es, die Hilflosigkeit und das Schweigen bezüglich erschreckend hoher Vergewaltigungsraten zu überwinden. Die Bevölkerung und insbesondere Jugendliche sollen ermutigt werden, sich aktiv für die Sicherheit in ihrem Umfeld und eine veränderte öffentliche Wahrnehmung von sexualisierter Gewalt einzusetzenund sich auf Ebene der zuständigen Behörden für ihre Belange Gehör zu verschaffen, so dass Gesetze effektiver umgesetzt werden. Dafür ist das Zusammenspiel auf unterschiedlichen Ebenen notwendig: Basisarbeit in den ausgewählten Vierteln von Athlone und Khayelitsha und deren Verbindung zu behördlichen Schaltstellen, zu Verwaltung und Gesetzgebung und den Medien sowie Netzwerken zivilgesellschaftlicher Organisationen.

Das „Making Change“-Projekt läuft bis Ende April 2019 und wird anteilig durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ unterstützt.

Multimedia-Tipp: Das Video "Making Change: Peer Education Programme" gibt einen Einblick in die Arbeit des Projekts (in englischer Sprache)